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Rente & Vorsorge

Rente in Großbritannien: Der Staat zahlt nur die Basis

In Großbritannien ist die staatliche Rente eher Basis- denn Lebensstandardabsicherung. Wer im Alter gut über die Runden kommen will, braucht zusätzlich Betriebsrenten und private Vorsorge. Eine aktuelle Reformdebatte zeigt: Das britische Modell gerät durch Demografie und steigende Kosten unter Druck.

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© gettyimages / BrianAJackson

Wer das britische Rentensystem verstehen will, muss sich von einer üblichen Grundannahme lösen: Die staatliche Rente soll dort nicht vor allem das frühere Einkommen ersetzen. Sie ist eher als eine pauschale Basisleistung zu betrachten. Die „New State Pension“ hängt hauptsächlich davon ab, wie viele qualifizierende Jahre jemand über die britische Sozialversicherung National Insurance angesammelt hat. Für die volle „neue staatliche Rente” sind in der Regel 35 Beitragsjahre nötig; mindestens zehn qualifizierende Jahre sollten erfüllt sein, um überhaupt einen Rentenanspruch zu erwerben.  

Das System weist zudem einige Charakteristika auf: So besteht es aus Pflicht- und freiwilligen Beiträgen zur National Insurance. Pflichtversichert sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Selbstständige ab 16 Jahren, sofern ihr Einkommen über einer bestimmten Grenze liegt. Zusätzlich werden manche Menschen so behandelt, als hätten sie Beiträge gezahlt – auch wenn sie tatsächlich keine Beiträge leisten. Das gilt unter anderem für Personen mit geringem Einkommen oberhalb der unteren Verdienstgrenze, für Personen, die gesetzliche Mutter-, Vater- oder Adoptionsleistungen beziehen sowie für Beziehende von Kindergeld für Kinder unter 12 Jahren. 

Übrigens: Die „neue" staatliche Rente wird zwar weiterhin so bezeichnet, gilt jedoch bereits seit einigen Jahren – nämlich für alle, die das offizielle Rentenalter am oder nach dem 6. April 2016 erreicht haben.  

Was die britische Staatsrente vom deutschen System unterscheidet

Im Ansatz unterscheidet sich das Rentensystem in Großbritannien damit deutlich von demjenigen in Deutschland. In der gesetzlichen Rentenversicherung hierzulande zählt vor allem, wie lange jemand Beiträge gezahlt und wie viel er oder sie verdient hat. Wer Beiträge zahlt, sammelt Rentenpunkte – je nach Höhe des eigenen Einkommens im Verhältnis zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Das System ist also stärker einkommensbezogen. Finanziert wird es im Umlageverfahren: Die aktuellen Beiträge von Beschäftigten und Arbeitgebern sowie Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt werden für die laufenden Rentenzahlungen verwendet. 

In Großbritannien ist die staatliche Rente dagegen weniger eng an das frühere Einkommen gekoppelt: Grundsätzlich zählen Beitragsjahre, aber nicht die Höhe der Beiträge. Im Gegenzug gibt es eine Grundrente, die nur wenig über der Grundsicherung liegt und proportional gekürzt wird, wenn man die 35 Beitragsjahre nicht erreicht. Allerdings gibt es die Möglichkeit, Lücken über freiwillige Beiträge zu füllen. Das macht das System auf den ersten Blick einfacher und transparenter. Wer auf genügend Beitragsjahre kommt, kann bereits mit einem recht klar definierten staatlichen Betrag rechnen. Zugleich bedeutet dieses System aber: Für viele Menschen reicht diese Leistung allein nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu sichern. Umso wichtiger wird die Ergänzungsvorsorge. 

Automatic Enrolment: Wie Beschäftigte zusätzlich vorsorgen 

Im Vereinigten Königreich spielen Betriebsrenten eine besonders große Rolle, weil die staatliche Rente wie oben beschrieben stärker als Grundabsicherung angelegt ist. Außerdem war die Verbreitung betrieblicher Altersvorsorge bis Anfang der 2010er Jahre zurückgegangen. Seit der Einführung des Automatic Enrolment (AE)“ im Jahr 2012 müssen Arbeitgeber bestimmte Beschäftigte automatisch in eine betriebliche Altersvorsorge aufnehmen und selbst Beiträge leisten. Das gilt für Beschäftigte, die mindestens 22 Jahre alt sind, das Rentenalter noch nicht erreicht haben und mehr als 10.000 Pfund im Jahr verdienen. Beschäftigte können aus dieser Altersvorsorge zwar aussteigen, werden aber zunächst automatisch einbezogen. Die Einführung dieser Regelung erfolgte schrittweise nach Unternehmensgröße; mit dem National Employment Savings Trust (NEST) wurde zudem ein staatlich initiierter Pensionsanbieter geschaffen, der insbesondere Arbeitgebern eine einfach zugängliche Lösung zur Erfüllung ihrer AE-Pflichten bietet. Diese Rahmenbedingungen sollen verhindern, dass Menschen eine Absicherung für ihren Ruhestand aufschieben oder ganz unterlassen und dann in die Altersarmut rutschen. 

Warum Großbritannien sein Rentensystem überprüft 

Aktuell steht das britische System dennoch vor Reformen. Die Regierung hat 2025 eine neue Überprüfung des gesetzlichen Rentenalters gestartet. Derzeit liegt dies für Männer und Frauen bei 66 Jahren. Bis 2028 soll das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre, und zwischen 2044 und 2046 auf 68 Jahre steigen. Hintergrund ist der demografische Druck: Nach Regierungsangaben könnte die Zahl der Menschen im Rentenalter von 12,6 Millionen im Jahr 2025 auf 19,5 Millionen im Jahr 2075 zunehmen. Die Ausgaben für die staatliche Rente werden demnach bis 2029/30 auf 169 Milliarden Pfund veranschlagt – ein inflationsbereinigter Anstieg von acht Prozent im Vergleich zu den Ausgaben 2025/26.  

Parallel will die britische Regierung auch den Markt der betrieblichen und privaten Renten weiter umbauen. Der geplante Gesetzentwurf Pension Schemes Bill soll unter anderem dafür sorgen, dass Pensionsanbieter – etwa durch Zusammenschlüsse – größer und schlagkräftiger werden sowie mehr Transparenz schaffen und damit auf lange Sicht bessere Ergebnisse für Sparerinnen und Sparer erzielen. 

Fazit: Mehr Eigenverantwortung im britischen Modell 

Das britische Rentensystem verteilt Altersvorsorge in hohem Maße auf mehrere Säulen. Die staatliche Rente bietet eine Basis, soll den früheren Lebensstandard aber in der Regel nicht allein sichern. Entscheidend sind daher Betriebsrenten und private Vorsorge – und damit auch die Frage, ob Beschäftigte genug einzahlen, den Überblick über ihre Vorsorge behalten und Lücken früh erkennen. Die aktuellen Reformen zielen genau darauf: Vorsorge soll stärker gebündelt, transparenter und langfristig ertragreicher werden. Für Verbraucherinnen und Verbraucher heißt das, dass die Rente nur dann tragfähig ist, wenn zusätzliche Vorsorge konsequent mitgedacht wird. 

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