„Aufklärung über die Waldbrandgefahren ist besonders wichtig“
Im Sommer 2026 bestand auch in Teilen Deutschlands eine hohe Waldbrandgefahr. Dr. Tanja Sanders vom Thünen-Institut für Waldökosysteme erklärt, wie sich Hitze und Trockenheit auf die Wälder auswirken und welche Präventionsmaßnahmen helfen können.
Frau Sanders, wie hat sich die Waldbrandgefahr in Deutschland entwickelt? Brennt es heute tatsächlich häufiger oder auf größeren Flächen?
Dr. Tanja Sanders: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Gerade in Ostdeutschland hat es in den Jahren 2018, 2019 und 2022 auf großen Flächen gebrannt. Die Statistik zeigt allerdings, dass es früher häufiger Waldbrände gab. Das lag zum großen Teil auch an militärischen Übungen in Waldgebieten. Zugleich sehen wir heute stärkere Schwankungen: Auf die Jahre 2018, 2019 und 2022 folgte eine ruhigere Phase, 2025 und auch in diesem Jahr brannte es erneut stark. Wir müssen deshalb vorbereitet sein, auch weil auf ein nasses Jahr schnell wieder ein trockenes folgen kann.
Welche Wälder sind besonders anfällig für Brände – und warum?
Sanders: Besonders anfällig ist die Kiefer. Ihre Nadelstreu ist mit Terpenen und Wachsen gesättigt, zersetzt sich nur langsam und ist dadurch sehr brennbar. Bei Buchen- oder Eichenstreu züngelt das Feuer dagegen meist nur kurz, verkohlt und geht dann aus. Nach der Kiefer sind andere Nadelbaumarten wie die Fichte besonders gefährdet, weil sich dort viel Feinreisig ansammelt. Laubbäume sind deutlich weniger brandanfällig. Eine Ausnahme ist hier die Birke, welche im trockenen Zustand auch stark brennbar ist.
Wie kann der Waldumbau helfen, Waldbrände zu verhindern oder einzudämmen?
Sanders: Unserer Untersuchungen zeigen: Sobald Laubstreu von kleineren Bäumen in der Kiefernnadelstreu liegt, sinken Brandtemperatur und Brandintensität. Die Beimischung von Laubbäumen hilft also auch beim Waldbrandschutz. Laubstreu ist weniger brennbar, außerdem bringen Laubbäume mehr Wasser in den Boden. Dafür müssen allerdings Lücken im Bestand geschaffen werden, damit der Niederschlag besser eindringen kann. Das Wasser ist natürlich irgendwann aufgebraucht, aber die brandgefährliche Phase wird dadurch etwas nach hinten verschoben.
Was können Waldbesitzer in den nächsten Jahren konkret tun?
Sanders: Bei den Waldbesitzern passiert bereits viel. Die großen Flächen, die vom Bund, den Ländern oder Kommunen bewirtschaftet werden, werden aus meiner Sicht gut umgebaut. Bei den privaten Waldbesitzern ist das naturgemäß unterschiedlich. Gerade Kleinstwaldbesitzer wissen vermutlich zum Teil gar nicht, wo ihre Bestände liegen. Insgesamt zeigt der Trend aber, dass der Waldumbau voranschreitet. Auch die natürliche Entwicklung hilft: In Brandenburg kommen derzeit mehr Eichen und Ahorne unter den Kiefern hoch.
Was nicht überall gleich umgesetzt wird, ist die Anlage von Schutzstreifen. Waldbrandriegel sind 100 bis 300 Meter breit und deshalb für kleinste Flächen nicht geeignet. Dort können zum Beispiel Roteichen gepflanzt werden, die sehr brandhemmend sind. Wenn solche Riegel quer zu den bei uns vorherrschenden West-Ost-Winden angelegt werden, können sie als natürliche Feuerbarriere wirken.
Daneben gibt es kleinere Schutzstreifen von etwa 20 bis 30 Metern Breite. Dort wird brennbares Material unter den Bäumen regelmäßig entfernt. Das kann sinnvoll sein, wenn bestimmte sensible Infrastruktur geschützt werden soll. Diese Streifen müssen allerdings regelmäßig gepflegt werden.
Was ist außerhalb des Waldes wichtig, zum Beispiel an Waldrändern, bei Siedlungen und auf Zufahrtswegen?
Sanders: Bei den Zufahrtswegen besteht noch Handlungsbedarf. Wege, die von Holztransportern genutzt werden, sind nicht automatisch für die Feuerwehr geeignet. Wichtig wäre deshalb ein sicheres Wegenetz, das ausreichend befestigt ist und über Wendepunkte verfügt.
Viele Feuerwehren sind vor allem für Hausbrände ausgerüstet. Ihre Fahrzeuge sind für tief ausgefahrene Waldwege oft nicht geeignet. Benötigt werden daher geländegängige Fahrzeuge mit Allradantrieb und ausreichend Bodenfreiheit.
Wo besteht beim Waldbrandschutz in Deutschland derzeit der größte Handlungsbedarf?
Sanders: Am dringendsten wäre es, den Brand überhaupt zu verhindern. Das Klima können wir nur langfristig ändern, und auch der Waldumbau braucht Zeit. Die Ausstattung der Feuerwehren, Überwachungssysteme und der Wegebau lassen sich dagegen grundsätzlich innerhalb eines Jahres verbessern.
Was morgen einen Waldbrand verhindern könnte, wäre aber vor allem, dass niemand einen Brand anzündet – weder vorsätzlich noch aus Fahrlässigkeit. Es wird immer noch Feuer im Wald gemacht, etwa in der Nähe von Seen, obwohl das in vielen Bundesländern ganzjährig verboten ist. Viele Menschen glauben offenbar, sie könnten einen Entstehungsbrand mit einer Tasse Wasser löschen. Das funktioniert nicht. Aufklärung ist deshalb besonders wichtig.
Auch Landwirte müssen sensibilisiert sein. Bei Mäharbeiten oder beim Dreschen kann Funkenflug auf einem trockenen, an den Wald angrenzenden Acker ein Feuer auslösen. Es hilft, einen Anhänger mit Wasser am Feldrand bereitzuhalten, um im Notfall schnell eingreifen zu können.
Darüber hinaus sind Überwachungssysteme wichtig. In den Bundesländern sind sie unterschiedlich weit entwickelt. Wenn ein Feuer spät entdeckt wird, ist es deutlich schwieriger zu bekämpfen. Brandenburg zeigt, dass eine funktionierende Überwachung trotz vieler Brände größere Flächenschäden verhindern kann. Dafür müssen allerdings auch die nötigen Mittel bereitgestellt werden.