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Politische Perspektiven

Mechanismen zur frühzeitigen Erkennung von Finanzrisiken Link kopieren

Eine wichtige Lehre aus der globalen Finanzkrise von 2008 und der folgenden Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise war die Erkenntnis, dass systemische Risiken und die Stabilität des Finanzsystems als Ganzes von Regulierern und Aufsehern im Vorfeld zu wenig beachtet worden waren. Ein zentraler Pfeiler der Regulierungsreformen des letzten Jahrzehnts war daher die Errichtung eines umfassenden makroprudenziellen Aufsichtsrahmens. Ziel dieser Bemühungen ist es, systemische Risiken frühzeitig zu erkennen und – soweit erforderlich – durch effektive Gegenmaßnahmen zu reduzieren.

Als wichtige Säule des Finanzsystems und Erbringer unverzichtbarer Funktionen für die Volkswirtschaft ist die Versicherungswirtschaft in den neuen Aufsichtsrahmen einbezogen. So war die kontinuierliche Beobachtung und Analyse der Lage der Versicherungswirtschaft von Beginn an ein integraler Bestandteil des Monitorings möglicher systemischer Risiken durch die neu etablierten makroprudenziellen Aufseher (Europäischer Ausschuss für Systemrisiken (ESRB), deutscher Ausschuss für Finanzstabilität). Aufgrund der sehr begrenzten Systemrisiken des Versicherungsgeschäfts stand die Branche bei der Entwicklung neuer makroprudenzieller Aufsichtsinstrumente jedoch nicht im Vordergrund: Durch die spezifischen Eigenschaften ihres Geschäfts – Langfristcharakter, stabile Finanzierung der Passivseite der Bilanz, Finanzierung der Versicherungsleistungen durch vorabgezahlte Prämien, überwiegende Anknüpfung der Versicherungsleistung an externe Ereignisse – wirkt die Versicherungswirtschaft eher als stabilisierender Faktor im Finanzsystem.

Bei Versicherern sind die Kapitalanforderungen über Solvency II geregelt. Unter Solvency II müssen Versicherer über so viel Kapital verfügen, dass sie selbst Negativereignisse verkraften können, die, statistisch betrachtet, nur einmal in 200 Jahren auftreten – beispielsweise Großschäden durch Naturkatastrophen oder extreme Verwerfungen an Aktien- und Anleihemärkten.