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Wie die steigende Lebenserwartung die Politik herausfordert

Interessensausgleich zwischen Jung und Alt Link kopieren

Die längere Lebensdauer der Menschen verschärft den Druck auf die sozialen Sicherungssysteme. Nicht nur, dass es immer mehr Ältere gibt, sie beziehen zugleich länger Rente. Lag die durchschnittliche Rentenbezugsdauer der Männer in Westdeutschland 1960 noch bei knapp zehn Jahren, sind es inzwischen mehr als 18 Jahre. Westdeutsche Frauen beziehen mittlerweile gut 21 Jahre Rente – zehn Jahre mehr als zu Beginn der 1960er-Jahre. 

Auch die Situation in der Kranken- und Pflegeversicherung spitzt sich zu. Eine Schattenseite der höheren Lebenserwartung ist beispielsweise die deutliche Zunahme typischer Alterserkrankungen wie Demenz oder Diabetes. Das bedeutet: Die Kosten für die Behandlung und Betreuung der Älteren steigen. Die längere Lebenserwartung betrifft aber noch viele weitere Lebensbereiche: von der altersgerechten Gestaltung der Städte bis hin zur Teilhabe an politischen Prozessen.

Mit all diesen Fragen muss sich die Politik auseinandersetzen – und dabei stets die Interessen von Jung und Alt berücksichtigen. Eine neue Rentenkommission soll bis Mitte 2026 Vorschläge für eine Rentenreform vorlegen. Zudem soll die Kommission eine Kenngröße entwickeln, die das Gesamtversorgungsniveau über alle drei Säulen des Rentensystems wiedergibt. Dies wird noch sichtbarer machen, wie wichtig Zusatzvorsorge ist. 

Die schwarz-rote Bundesregierung setzt mit der Aktivrente zudem freiwillige Anreize, um die Weiterarbeit über das Renteneintrittsalter hinaus zu fördern. Damit zeigt sich in der Politik zumindest mal schon ein wichtiger Bewusstseinswandel: Nämlich, dass sich das Leistungsvermögen von Menschen nicht an starren Altersgrenzen festmachen lässt – und dass die steigende Zahl von Rentnern nicht (nur) eine Herausforderung, sondern zugleich eine Lösung ist. 

Durch eine stärkere Nutzung des Potenzials der Älteren ließen sich die Folgen des demografischen Wandels besser abfedern. Mehr Ruheständler in Ehrenämtern, mehr Frauen und Männer, die über das Renteneintrittsalter hinaus freiwillig länger arbeiten, könnten beispielsweise helfen, den Fachkräftemangel zu lindern. Davon profitieren zum einen die Älteren, die länger sozial eingebunden sind. Aber auch das Land und die Gesellschaft insgesamt. 

Um das Interesse für solche Angebote zu erhöhen, braucht es abseits finanzieller Anreize auch ein modernes Altersbild. Dafür kann auch die Politik einiges tun, indem sie von einer defizitorientierten Sichtweise auf das Alter abrückt und stärker die Potenziale dieser Lebensphase sieht. Die Befunde der Wissenschaft sind eindeutig: Nie waren die Älteren körperlich und geistig fitter, nie waren sie aktiver als heute. 

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