Deutsche unterschätzen Lebenserwartung um sieben Jahre Link kopieren
Das Wissen der Menschen über ihre statistische Lebenserwartung ist ziemlich lückenhaft. Je nach Umfrage unterschätzen die Deutschen ihre Lebensdauer um bis zu sieben Jahre. Vor allem den Jüngeren fällt eine realistische Prognose schwer – was nicht sonderlich überrascht. Denn meist orientieren sie sich an den Lebensdaten ihrer Groß- oder Ur-Großeltern und übersehen dabei, dass die Entwicklung weiter voranschreitet – auch wenn die Dynamik zuletzt etwas nachgelassen hat.
Die Unwissenheit über die eigene Lebensdauer ist jedenfalls keine Petitesse. Viele finanzielle Entscheidungen hängen von der persönlichen Lebenserwartung ab. Menschen, die sich kein allzu langes Leben zubilligen, sorgen weniger vor – mit der Folge, dass das Geld im Alter nicht ausreicht. Oder sie sparen sich das Sparen gleich ganz – nach dem Motto: Das brauche ich eh nicht.
Auch die Entscheidung für oder gegen eine lebenslange Rente hängt davon ab, wie hoch die Menschen ihre Lebenszeit ansetzen. Eine realistische Annahme der eigenen Lebensdauer könnte somit auch zu einer höheren Wertschätzung lebenslanger Renten führen. Deshalb sollte das Wissen darüber auch stärker vermittelt werden, beispielsweise im Rahmen der Finanzbildung oder durch den Ausweis der statistischen Lebensdauer in der digitalen Rentenübersicht.
Zumal die Menschen dann auch erkennen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, noch länger zu leben als der Durchschnitt. Von den 65-jährigen Frauen erlebt nach Daten des Statistischen Bundesamtes immerhin fast die Hälfte (49,5 Prozent) ihren 90. Geburtstag. Von den 65-jährigen Männern schafft das mehr als ein Drittel (34,8 Prozent).
Einfluss auf die Altersvorsorge der Menschen hat aber nicht nur die persönliche Lebenserwartung, sondern auch das individuelle Altersbild. Gerade Themen wie Gesundheit oder Alter sind stark mit negativen Aspekten besetzt – mit Krankheit oder Verlust. Das gibt es, doch eben nicht nur. Der Ruhestand bedeutet auch Aufbruch und Abenteuer – verbunden mit noch viel Lebensqualität. Eine stärkere Betonung der Vorteile des Ruhestands würde die Vorfreude der Menschen darauf erhöhen. Und desto eher wären sie dann bereit, sich mit den finanziellen Aspekten des Alters zu befassen.