Positionen-Magazin
Regiot­rend: Lei­tungs­was­ser­schä­den

Wo es leckt und tropft

Seit den 1980er-Jahren haben sich die Kosten für Leitungswasserschäden verdreifacht. In den westlichen Bundesländern und den Großstädten ist das Problem besonders gravierend. Der Osten profitiert von den Sanierungen nach der Wende – und weniger Bausünden.

Leitungswasser verursacht höhere Schäden an Gebäuden als Feuer oder Sturm. Im Westen bersten deutlich mehr Rohre als im Osten. Woran liegt das?

„Dat Wasser vun Kölle es joot“, sang die Kölner Kultband Bläck Fööss in den 1980er-Jahren. Für die Rohre, durch die es fließt, gilt das weniger: Die Domstadt belegt den traurigen Spitzenplatz bei Leitungswasserschäden in Deutschland; die durch berstende Rohre und tropfende Dichtungen entstehenden Kosten liegen in einigen Stadtteilen etwa doppelt so hoch wie der Durchschnitt. 

„Wir haben sehr viel alte Bausubstanz, gerade in der Innenstadt“, sagt Rolf Mützenich, SPD-Fraktionschef im Bundestag, der dort den Wahlkreis Köln III vertritt. Er wünscht sich mehr Engagement bei Wartung und Instandhaltung, vor allem von den Wohnungseigentümern. „Hilfreich wäre auch ein umfassendes Sanierungsprogramm.“ Hier könnten Stadt und Bund mehr tun. „Es geht dabei auch um Lebensqualität“, so Mützenich. Leitungswasserschäden sind ein unterschätztes Problem. 

Rund 3,4 Milliarden Euro pro Jahr zahlen Deutschlands Versicherer für die Folgen von Leckagen, sie stehen für knapp die Hälfte aller Kosten der Gebäudeversicherung und sind damit teurer als Sturm- oder Feuerschäden.  Das habe auch mit modernem Bauen zu tun, sagt Mark Grusdas, Sachversicherungsexperte beim GDV. „Als Wasserleitungen noch auf Putz verlegt wurden, bemerkte man ein Leck schnell. Heute dauert es oft Tage, bis es irgendwo tropft. In dieser Zeit kann sich das Wasser ausbreiten, und das Ausmaß des Schadens ist viel höher.“ Häufige Ursachen seien unsachgemäß ausgeführte Arbeiten, etwa von unqualifizierten Heimwerkern, oder mangelnde Wartung. „Das Auto muss alle zwei Jahre zum TÜV, aber die Wasserleitung kümmert keinen.“ 

Auch Martin Neumann empfiehlt, nicht am falschen Ende zu sparen: „Gute Planung und der Einsatz der richtigen Materialien tragen dazu bei, dass Schäden erst gar nicht entstehen“, sagt der Professor für Technische Gebäudeausrüstung, der für die FDP im Bundestag sitzt. In seinem Wahlkreis in Brandenburg liegen die Regionen mit den geringsten Leitungswasserschäden bundesweit. Generell schneiden ostdeutsche Kreise im Vergleich besser ab. „Viele Gebäude stammen aus der Zeit nach 1990, da ist die Substanz natürlich besser“, so Neumann. Auf einen solchen Sanierungseffekt hofft auch Mützenich. Damit die Leitungen in Köln eines Tages so gut sind, wie das Wasser. Und vielleicht machen die Bläck Fööss ja sogar ein Lied daraus.

Text: Claus Gorgs

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