Mana­ger-Haft­pflicht

Die wich­tigs­ten Fak­ten zur D&O-Ver­si­che­rung

Erst der wirtschaftliche Abschwung durch die Corona-Krise, nun der Bilanz-Skandal bei Wirecard: Viele Vorstände und Aufsichtsräte werden sich in den kommenden Monaten – berechtigt oder unberechtigt – mit Schadenersatzforderungen konfrontiert sehen. Damit rückt die Manager-Haftpflicht in den Fokus.

Der Begriff D&O-Versicherung stammt aus den USA und ist eine Abkürzung für Director´s and Officer´s Liability Insurance. Sie ist eine besondere Form der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Mitglieder von Leitungs- und Aufsichtsorganen in Unternehmen, also zum Beispiel für Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsräte. Die D&O sichert diese Unternehmenslenker gegen Haftungsansprüche ab: Wenn ein Manager eine seiner Pflichten verletzt und für den entstandenen Schaden haftbar gemacht wird, zahlt die D&O-Versicherung den Schadenersatz. Sie schützt dabei sowohl gegen die Forderungen von Aktionären und anderen Anteilseignern als auch gegen die Ansprüche durch das eigene Unternehmen.

Darüber hinaus wirkt die D&O-Versicherung auch wie eine passive Rechtsschutzversicherung. Das heißt, sie übernimmt die Kosten für Anwälte, Gutachter und Gerichtsverfahren, um unberechtigte Ansprüche gegen den Manager abzuwehren. Da Schadenersatzforderungen gegen Manager fast immer umstritten sind, ist diese Abwehrfunktion ein ganz wesentlicher Teil  des D&O-Versicherungsschutzes.

Schützt die D&O-Versicherung auch bei Straftaten?

Nein, der Schutz ist auf fahrlässige Pflichtverletzungen begrenzt. Wer dem Unternehmen vorsätzlich Schaden zufügt oder seine Pflichten wissentlich verletzt, genießt keinen Schutz durch seine D&O-Versicherung. Da ein solcher Vorsatz aber in aller Regel erst in einem Gerichtsverfahren festgestellt wird, übernimmt die Versicherung zunächst die Rechtskosten des versicherten Managers. Erst wenn rechtskräftig festgestellt wurde, dass ihm Vorsatz oder eine wissentliche Pflichtverletzung vorzuwerfen ist, entfällt der Versicherungsschutz rückwirkend.

Tritt die D&O-Versicherung auch bei klassischen Management-Fehlern ein, etwa wenn Marktentwicklungen falsch eingeschätzt wurden oder ein neues Produkt floppt?

Nein. Das unternehmerische Risiko kann nicht durch eine D&O-Versicherung ausgelagert werden, sie ist kein Freifahrtschein für Management-Fehler oder eine Vollkasko-Versicherung gegen Verluste. Diese Risiken müssen Unternehmen selbst tragen.

Wie groß ist der Markt für D&O-Versicherungen in Deutschland?

Das Beitragsvolumen dürfte in Deutschland rund 500 Millionen Euro betragen – aber eine D&O-Versicherung wird in der Regel von einem Unternehmen für seine angestellten Manager abgeschlossen, nicht von den Managern selbst. Solche D&O-Firmenversicherungen sind ein Dreiecksgeschäft: Mit dem Abschluss einer Police versichert das Unternehmen seine Manager gegen Haftungsansprüche, die es selbst einmal gegen sie geltend machen könnte. Die Versicherung schützt also sowohl den Vertragspartner, die Firma, als auch das Privatvermögen der Manager – die trotz hoher Gehälter die geforderten Summen in aller Regel ohnehin nicht aus ihrem Privatvermögen bezahlen könnten.

Wie wird sich der wirtschaftliche Abschwung durch die Corona-Pandemie auf die D&O-Versicherung auswirken?

Das Problem ist nicht in erster Linie der wirtschaftliche Abschwung. Problematisch sind hingegen manche Sonderregelungen, mit denen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bekämpft werden sollen. So ist bis Ende September die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt und es gelten modifizierte Regeln zur persönlichen Haftung für Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife. Das führt zu erheblichen Rechtsunsicherheiten für Geschäftsführer und Vorstände. Die zu erwartenden Rechtsstreitigkeiten bergen für die D&O-Versicherer das Risiko hoher Schadenzahlungen.

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