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Digitalisierung

Funktionen der EUDI-Wallet: Die Brieftasche zieht aufs Handy

Der GDV gibt einen Überblick über die Funktionen der EUDI-Wallet. Die rechtssichere digitale Signatur ist dabei nur der erste Schritt hin zu weiteren Anwendungen und digitalen Services.

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© pexels / Greta Hoffmann

Am Flughafenschalter den Ausweis zücken, am Nachmittag einen Vertrag unterschreiben, am Abend online bezahlen. Drei Situationen, die im Alltag ganz selbstverständlich wirken und die doch jedes Mal Papier, Karten oder eine eigene App verlangen. Zukünftig sollen sie sich in einer einzigen Anwendung bündeln lassen, der EUDI-Wallet. 

Die EUDI-Wallet ist eine App auf dem Smartphone, mit der sich Menschen europaweit digital ausweisen und Dokumente vorlegen können. Sie ersetzt keine bestehende App, sondern bildet eine gemeinsame technische Grundlage, auf der Behörden und Unternehmen eigene digitale Dienste aufbauen können.

Damit dieses Fundament trägt, werden die Funktionen sukzessive ausgebaut. Ab 02. Januar 2027 stehen zwei Funktionen bereit, weitere Anwendungen sollen folgen. Der gestaffelte Aufbau erlaubt es, jede neue Funktion sorgfältig zu testen, bevor sie im Alltag von Millionen Menschen genutzt wird.

Ausweisfunktion als Startpunkt

Den Auftakt macht das Ausweisen. Ob am Behördenschalter oder rein digital, künftig lässt sich die Identität einer Person direkt über die Wallet bestätigen. Möglich macht das die eID-Funktion des Personalausweises. Für Unternehmen heißt das konkret, dass Identifikations- und Authentifizierungsprüfungen künftig schneller und ohne Medienbruch ablaufen, etwa dort, wo bislang umständliche Video-Ident-Verfahren nötig waren, bei denen sich Kundinnen und Kunden per Videocall gegenüber einem Mitarbeitenden ausweisen mussten.

Zudem sollen weitere digitale Nachweise möglich sein. Gemeint sind Dokumente wie Geburtsurkunde, Führerschein oder ein Bescheid einer Behörde, die sich in der Wallet hinterlegen und bei Bedarf gezielt mit einzelnen Stellen teilen lassen. Wer einen Nachweis gegenüber einem Unternehmen oder einer Behörde erbringen muss, tut das künftig mit wenigen Fingertipps statt mit eingescannten PDFs und Papierstapeln. Die Nutzerin oder der Nutzer entscheidet dabei jedes Mal selbst, welche Informationen sie oder er weitergibt.

Signaturfunktion im Laufe 2027

Im Laufe von 2027 soll die Wallet zunächst um die qualifizierte elektronische Signatur, kurz QES, erweitert werden. Das ist die höchste Stufe einer digitalen Unterschrift nach europäischem Recht. Sie ist einer handschriftlichen Unterschrift auf Papier rechtlich gleichgestellt. Damit ermöglicht sie den vollständigen Online-Abschluss von Verträgen, auch in Fällen, in denen bislang eine Unterschrift auf Papier gesetzlich vorgeschrieben war.

Angedacht ist außerdem eine Bezahlfunktion. Über eine integrierte Lösung soll die Wallet Zahlungen direkt auslösen können. Ein Griff zum Smartphone würde dann für den gesamten Bezahlvorgang reichen. Wann diese Funktion tatsächlich integriert wird, ist derzeit noch nicht abschließend festgelegt. 

Warum Versicherer sich proaktiv einbringen

Was zunächst nach Verwaltungsdigitalisierung klingt, betrifft die Versicherungswirtschaft in ihrem Kerngeschäft. In Deutschland laufen mehr als 476 Millionen Versicherungsverträge und für jeden einzelnen muss zweifelsfrei feststehen, wer die Vertragsperson tatsächlich ist. Genau diese Aufgabe, Identitäten sicher zu prüfen, übernimmt die eID-Funktion der Wallet in Zukunft mit. Deshalb verstehen sich Versicherer nicht nur als Nutzer der Wallet. Sie wollen das Ökosystem aktiv mitgestalten. Ein Beispiel dafür sind digitale Versicherungsnachweise, etwa eine digitale Bescheinigung über eine bestehende Kfz-Versicherung. Solche Nachweise können Versicherer künftig selbst ausstellen und direkt in die Wallet einspeisen.

Damit dieses Zusammenspiel gelingt, sind auch Behörden gefragt. Je mehr amtliche Nachweise wie Steuer-ID oder Geburtsurkunde digital verfügbar sind, desto mehr Anwendungsfälle werden für Versicherer und ihre Kundinnen und Kunden tatsächlich nutzbar. Ebenso entscheidend ist die Nutzerfreundlichkeit der Wallet selbst, denn nur eine Anwendung, die im Alltag wirklich Zeit spart und einfach zu bedienen ist, wird von den Menschen auch angenommen

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