Positionen-Magazin
Regiot­rend: Hoch­was­ser

Wo Wol­ken­brü­che am gefähr­lichs­ten sind

Häuser im Tal oder in unmittelbarer Nähe von fließenden Gewässern haben ein hohes Risiko, bei Starkregen überflutet zu werden. Unsere Karte zeigt die Regionen Deutschlands, in denen die meisten Gebäude in der höchsten Gefährdungsklasse stehen.

Durch den Klimawandel wird Starkregen häufiger und intensiver. Welche Schäden er an Gebäuden anrichtet, hängt jedoch nicht nur von der Regenmenge ab.

Kusel hat Glück gehabt. Mehr als jedes dritte Gebäude (35 Prozent) in dem pfälzischen Landkreis ist bei Starkregen besonders gefährdet, der Höchstwert in Deutschland. Dennoch kam die Region westlich von Kaiserslautern bei der Flutkatastrophe im Juli vergleichsweise glimpflich davon – weil das Tiefdruckgebiet „Bernd“ den Großteil seiner verheerenden Regenmenge gut 150 Kilometer nordwestlich niederprasseln ließ. Die Folgen sind bekannt: Flüsse und Bäche zerstörten ganze Orte, mindestens 180 Menschen starben, der GDV schätzt allein die versicherten Schäden auf sieben Milliarden Euro. Die Sturzflut hat gezeigt, dass Länder, Kommunen und Bürger noch immer wenig auf Extremwettereignisse vorbereitet sind, obwohl Wissenschaftler seit Jahren warnen und die Kommunen die besonders gefährdeten Immobilien kennen. 

Die Versicherer haben jedem Gebäude eine von drei Starkregengefährdungsklassen (SGK) zugeordnet. „Neben der Intensität des Regens hat die Lage einen entscheidenden Einfluss auf das Ausmaß von Starkregenschäden“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. 

Drei Monate nach der Flutkatastrophe im Ahrtal legen die deutschen Versicherer nun konkrete Vorschläge für ein Gesamtkonzept zur Klimafolgenanpassung vor. Damit einher geht auch ein neues System für den Elementarversicherungsschutz. Im Kern sieht das Positionspapier vor, dass es künftig nur noch Wohngebäudeversicherungen geben soll, die auch sogenannte Elementargefahren wie Hochwasser und Starkregen abdecken. Zugleich fordert die Versicherungswirtschaft ein nachhaltiges Umsteuern der öffentlichen Hand, etwa durch klare Bauverbote in hochwassergefährdeten Gebieten. 

Wie zum Beweis gehören im von der Flut besonders hart getroffenen Landkreis Ahrweiler 28 Prozent aller Gebäude zur höchsten Gefährdungsklasse SGK3. Im Norden sind vergleichsweise wenige Gebäude stark gefährdet, die wenigsten mit nur zwei Prozent in Schwerin. Ein Grund zur Sorglosigkeit sei das aber nicht, findet der örtliche Bundestagsabgeordnete Dietrich Monstadt (CDU): Erst 2019 hatten Wolkenbrüche die Schweriner Innenstadt unter Wasser gesetzt. 

Starkregen kann überall auftreten. Beim Katastrophenschutz müsse deshalb nachgebessert werden, fordert der Bundestagsabgeordnete Alexander Ulrich (Linke). „Bei der Feuerwehr in Rheinland-Pfalz merkt man oft, dass das Geld fehlt“, sagte er im SWR. Seine Sorge ist berechtigt, denn er stammt aus Kusel. Und wer weiß, ob sein besonders gefährdeter Heimatort auch beim nächsten Unwetter noch einmal so viel Glück hat.

Text: Robert Otto-Moog

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