01.04.2015
GDV-Praxisleitfaden für Unternehmen

Wie neue Compliance-Anforderungen unter Solvency II umgesetzt werden können

Das Thema Compliance hat in Versicherungsunternehmen zu Recht einen hohen Stellenwert. Mittlerweile nimmt die Versicherungswirtschaft im Branchenvergleich sogar eine Führungsrolle ein, wie eine unabhängige Studie ergab. Die Umsetzung von Solvency II stellt weitere Anforderungen an die konkrete Compliance-Organisation, die insbesondere für kleinere Versicherer herausfordernd sind. Ein aktueller Leitfaden des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gibt den Unternehmen unverbindliche Hinweise zur Etablierung wirksamer und effizienter Compliance-Strukturen.

Das Vertrauen der Versicherungsnehmer und der übrigen Geschäftspartner ist das wichtigste Kapital eines Versicherungsunternehmens. Um dieses zu schützen, wird in der Versicherungsbranche intensiv in unternehmensinterne Vorkehrungen investiert, die ein rechtlich und ethisch einwandfreies Verhalten sicherstellen. Nach einer im Oktober 2014 veröffentlichten Studie der Universität Halle-Wittenberg verfügen heute bereits neun von zehn Versicherungsunternehmen in Deutschland über ein entsprechendes Compliance-Management-System.

Der hohe Stellenwert des Themas wird durch freiwillige Initiativen der gesamten Branche wie dem Code of Conduct für den Datenschutz oder dem Verhaltenskodex für den Vertrieb unterstrichen. Letzterem sind bis heute 223 Unternehmen mit beinahe 90 Prozent Marktanteil beigetreten.

Viele Fragen zur praktischen Umsetzung

Darüber hinaus verlangt zum 1. Januar 2016 das novellierte Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), welches die Solvency II-Richtlinie national umsetzt, den Unternehmen im Hinblick auf die Compliance-Organisation einiges ab. Da die praktische Umsetzung in den Unternehmen erfahrungsgemäß viele Fragen aufwirft, hat der GDV einen Praxisleitfaden erarbeitet. Der Leitfaden gibt zunächst einen systematischen Überblick über die relevanten Vorgaben und beschreibt den Rahmen, in dem Unternehmen bei der Umsetzung agieren können. Einige besonders relevante Fragen werden herausgegriffen und unverbindliche Hinweise zur Gestaltung gegeben.

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Compliance im Erst- und Rückversicherungs- unternehmen – Ein Leitfaden für die Praxis
Stand: Oktober 2014

Inhalt:

  • Einführung
  • Grundelemente der Compliance-Arbeit
  • Rechtsgrundlagen der Compliance in Versicherungsunternehmen
  • Die Aufgabe der Compliance-Funktion
  • Ausgestaltung der Compliance-Funktion in der Unternehmensorganisation
  • Anhang

 
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Die aufsichtsrechtlichen Vorgaben betreffen die konkrete Organisation der Compliance, also etwa wer in den Unternehmen Compliance-Aufgaben wahrnehmen darf und ob diese Tätigkeit auch durch Externe übernommen werden kann. Gesetzlich geregelt sind aber nur die Grundsätze, keine Details. Von den Unternehmen wird erwartet, dass diese passende Lösungen für ihre individuelle Compliance finden. So wird beispielsweise nicht vorgegeben, ob Compliance durch eine eigene Abteilung oder durch verschiedene Einheiten im Unternehmen wahrgenommen werden soll.

Aufsichtsbehörden stellen hohe Anforderungen

Der große Gestaltungsspielraum ist aus Sicht der Unternehmen einerseits positiv, da sie passgenaue Compliance-Strukturen aufbauen können. Andererseits bleibt eine gewisse Restunsicherheit darüber, ob ihre Compliance-Organisation den Anforderungen genügt. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA und die nationale Aufsicht BaFin noch zusätzliche Anforderungen formulieren, die nicht in jedem Fall mit den Vorgaben des VAG abgestimmt sind. Gerade für kleine Unternehmen stellt die Gestaltung der Compliance-Organisation daher häufig eine große Herausforderung dar.

Fachtagungen zu Compliance

Eine Möglichkeit für die Verantwortlichen in den Versicherungsunternehmen vertiefte Fragen zu stellen und sich mit Kollegen zum Thema auszutauschen, bieten die Fachtagungen Compliance, die der GDV organisiert. Bei diesen werden auch Vertreter der BaFin ihre Sicht vortragen und stehen für eine Diskussion zur Verfügung. Workshops ermöglichen in kleinerer Runde die Probleme der Compliance-Organisation zu diskutieren.

Während die Veranstaltung in Köln am 27. April 2015 bereits ausgebucht ist, sind für die Veranstaltung in München am 12. Mai 2015 noch Restplätze verfügbar. Eine Anmeldung ist noch bis 7. April 2015 möglich. Interessenten wenden sich bitte an die Deutsche Versicherungsakademie, Juliane Teipelke, Tel. 030-2020-5094, juliane.teipelke@versicherungsakademie.de

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