15.12.2015
Risikomerkmale

So wirkt sich das Alter auf den Kfz-Versicherungsbeitrag aus

Der Beitrag für eine Kfz-Haftpflichtversicherung wird durch eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Dazu gehören zum Beispiel die Typklasse, die Kilometerleistung und die Anzahl schadenfreier Jahre. Wer jahrelang unfallfrei gefahren ist, profitiert im Alter von hohen Schadenfreiheitsrabatten. Weil ältere Fahrer aber im Schnitt mehr Schäden verursachen, gibt es auch das Merkmal „Alter des Fahrers“, das den Versicherungsbeitrag für Fahrer mittleren Alters senkt und für ältere Fahrer anhebt.

Die Statistik des GDV zeigt, dass ältere Fahrer im Schnitt mehr Schäden verursachen als Fahrer mittleren Alters. Der GDV gibt seinen Mitgliedsunternehmen daher unverbindlich bekannt, dass für Fahrer von 25 bis 67 Jahren mit einem Abschlag auf den durchschnittlichen Schadenbedarf zu rechnen ist – der Versicherungsbeitrag sinkt also dank der Berücksichtigung des Alters. Die mit 22 Prozent größten Abschläge erhalten Fahrer von 27 bis 41, die Altersklasse von 63 bis 67 profitiert von Abschlägen in Höhe von 3 Prozent. Zuschläge auf den durchschnittlichen Versicherungsbeitrag ergeben sich aus der GDV-Statistik erst ab einem Alter von 68 Jahren. Die GDV-Bekanntgabe ist unverbindlich, der Beitrag Sache der einzelnen Unternehmen.

Nicht nur das Alter ändert sich, sondern auch die Anzahl schadenfreier Jahre

Die Höhe dieser Zu- und Abschläge für das Alter gilt für alle Autofahrer der jeweiligen Altersklasse gleichermaßen – egal, ob es sich um gute oder schlechte Autofahrer handelt. Wer jahrelang unfallfrei fährt, profitiert davon über den Schadenfreiheitsrabatt, der den Beitrag senkt. Zuschläge für das Alter werden daher in der Regel durch einen hohen Schadenfreiheitsrabatt gedämpft. Bei einem Vergleich von Versicherungstarifen für Fahrer verschiedenen Alters ist daher nicht nur das Alter, sondern auch die Zahl der schadenfreien Jahre zu beachten.

Ein Beispiel

Grundannahme: Ein Fahrer im Alter von 45 Jahren mit der Schadenfreiheitsklasse 15 zahle einen fiktiven Versicherungsbeitrag von 160 Euro. Außer dem Alter des Fahrers und seiner Schadenfreiheitsklasse bleiben im Folgenden alle anderen Risikomerkmale (Typklasse, Regionalklasse, etc.) unverändert.

Wäre der Autofahrer 75 Jahre alt – also 30 Jahre älter –, hätte aber noch die gleiche Schadenfreiheitsklasse 15, müsste er 287 Euro (+79%) zahlen. Weil sich mit dem Alter aber in aller Regel auch die Schadenfreiheitsklasse ändert, entspricht diese Annahme nicht der Lebenswirklichkeit der meisten Autofahrer. Ist der Autofahrer also nicht nur 30 Jahre älter, sondern hat wegen unfallfreien Fahrens auch die Schadenfreiheitsklasse 35 erreicht, zahlt er 173 Euro (+8%).

Fragen & Antworten
Wie hoch sind die Zu- und Abschläge in den jeweiligen Altersklassen, die der GDV unverbindlich bekanntgibt?
Die Statistik des GDV zeigt, dass ältere Fahrer im Schnitt mehr Schäden verursachen als Fahrer mittleren Alters. Der GDV gibt seinen Mitgliedsunternehmen daher unverbindlich bekannt, dass mit den in der Grafik dargestellten Zu- und Abschlägen auf den durchschnittlichen Schadenbedarf zu rechnen ist:

Die vom GDV unverbindlich bekannt gegebenen Kalkulationsgrundlagen stimmen nicht mit den Abweichungen vom durchschnittlichen Schadenbedarf der Altersklassen in der Jahresgemeinschaftsstatistik „Schadenverlauf in der Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung“ (JGS) überein – hier hat die Altersklasse von 63 bis 67 Jahre den geringsten Schadenbedarf. Wie passt das zusammen?
Die vom GDV unverbindlich bekanntgegebenen Zu- und Abschläge für das Alter gelten unter der Voraussetzung, dass alle anderen Risikomerkmale eingefroren sind. Die JGS zeigt hingegen die Abweichungen vom durchschnittlichen Schadenbedarf unter Berücksichtigung der tatsächlichen Ausprägungen aller Risikomerkmale. Wie das Beispiel deutlich macht, verändert sich mit dem Zeitverlauf nicht nur das Fahreralter, sondern auch die Anzahl schadenfreier Jahre.

Auch im obigen Beispiel würde der Autofahrer im Alter von 65 nach 20 weiteren Jahren unfallfreier Fahrt (SF 35) weniger zahlen als der 45-jährige Autofahrer.

Wie erklärt sich, dass die Statistik des GDV z. B. von den Ergebnissen der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes abweicht?
Unterschiede zur anderen Statistiken resultieren im Wesentlichen daher, dass die Statistik des GDV auch kleinere Blechschäden und Schäden ohne polizeiliche Aufnahme erfasst. Zudem ist in den Statistiken des GDV auch die Höhe der Schäden relevant, die in der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes nicht erfasst werden kann.
Seit wann gibt es das Risikomerkmal Nutzeralter?
Erstmals hat die GDV-Risikostatistik für das Jahr 2008 das Nutzeralter als eigenes Merkmal ausgewiesen, zunächst beschränkt auf das Merkmal „junge Fahrer“ bis unter 23. Seit der Risikostatistik für das Jahr 2012 wurde das Merkmal Nutzeralter verfeinert und in 16 Altersklassen ausdifferenziert.
Welche Altersklassen unterscheidet der GDV?
Die Statistiker des GDV unterscheiden beim Nutzeralter insgesamt 16 Altersklassen. Die jüngste Altersklasse umfasst Fahrer bis einschließlich 18 Jahre, der höchsten Altersklasse werden Fahrer ab 82 Jahren zugeordnet. Das vom GDV verwendete Nutzeralter entspricht dabei im Allgemeinen dem Alter des Versicherungsnehmers. Nur wenn der Versicherungsnehmer im Vertrag angibt, dass auch Fahrer das Auto nutzen, die jünger als 25 Jahre alt sind, gilt in der Regel das Alter des jüngsten Fahrers als Nutzeralter.

Beispiel 1 Beispiel 2
Alter des Versicherungsnehmers 50 Jahre 50 Jahre
Alter des jüngsten Fahrers 20 Jahre 30 Jahre
Nutzeralter für GDV-Risikostatistik 20 Jahre 50 Jahre

Nach welchen Kriterien hat der GDV über die Einteilung der Altersklassen entschieden?
Die Altersklassen werden mit Hilfe eines mathematisch-statistischen Clusterungsverfahrens berechnet, um sicherzustellen, dass die Risiken in den einzelnen Altersklassen möglichst homogen sind.
In welchen zeitlichen Abständen wird die Risikostatistik zum Nutzeralter vom GDV aktualisiert?
Die Risikostatistik zum Nutzeralter wird vom GDV jährlich neu berechnet. Grundlage sind die dem GDV vorliegenden Daten der letzten drei Jahre. Da es sich nahezu um eine Totalerhebung aller bundesweit abgeschlossenen Kfz-Versicherungen handelt, ist die Datenbasis äußerst valide.
Welche Risikomerkmale gibt es neben dem Nutzeralter?
Die für die Mitgliedsunternehmen unverbindlich bekannt gegebene GDV-Risikostatistik unterscheidet die folgenden Merkmale:

  • Typklasse
  • Alter des Fahrzeugs bei Erwerb
  • Regionalklasse
  • Kilometerleistung
  • Nutzerkreis
  • Nutzeralter
  • Anzahl schadenfreier Jahre
  • Beschäftigungsverhältnis