26.11.2015
Berufshaftpflichtversicherung

Warum der Versicherungsschutz für Hebammen teurer geworden ist

Die rund 16.000 freiberuflichen Hebammen sind über eine Berufshaftpflichtversicherung geschützt. In den vergangenen Jahren haben sich die Versicherungsbeiträge erhöht. Ursache dafür sind die gestiegenen Kosten für Geburtsschäden. Diese vier Faktoren haben zu der Kostensteigerung hauptsächlich beigetragen.

1. Höhere Kosten für Behandlung und Pflege

Es gibt nicht mehr Geburtsschäden als früher. Aber die Behandlung und Pflege nach schweren Komplikationen werden immer vielfältiger, andauernder und letztlich teurer. In der Geburtshilfe entstehen verhältnismäßig wenige, dafür aber große Schäden: Schäden mit über 100.000 Euro Leistungsumfang machen bei Hebammen mehr als 90 Prozent des gesamten Schadenvolumens aus.

2. Gestiegene Lebenserwartung durch medizinischen Fortschritt

Dank des medizinischen Fortschritts wächst die Lebenserwartung auch Schwerstgeschädigter. Pflege- und Therapiekosten fallen für einen deutlich längeren Zeitraum an: Bei schweren Geburtsschäden stiegen die Kosten für vermehrte Bedürfnisse zwischen 2003 und 2012 pro Jahr um fast 8 Prozent.

3. Höherer Erwerbsausfall des geschädigten Kindes

Auch Einkommen, das das geschädigte Kind nicht erzielen kann, wird vom Versicherer ausgeglichen: Die Kosten hierfür stiegen um rund 15 Prozent pro Jahr. Betrugen die Leistungen für den Erwerbsausfall bei schweren Geburtsschäden im Jahr 2003 nur rund 100.000 Euro so sind diese bis 2012 auf über 400.000 Euro angewachsen. Sie haben sich somit nahezu vervierfacht.

4. Sozialversicherungsträger fordern häufiger Regresse

Einen erheblichen Anteil am Schadenaufwand haben die Regresse der Sozialversicherungsträger. Lässt sich der Geburtsschaden auf einen Fehler der Hebamme zurückführen, fordern beispielsweise Krankenversicherer die Heilbehandlungskosten von der Haftpflichtversicherung der Hebamme zurück. Sozialversicherungsträger regressieren immer häufiger: Bei Personengroßschäden, wie schweren Geburtsschäden, machen sie inzwischen rund 25 Prozent des gesamten Schadenaufwandes aus.

Die Folge: Kosten für Geburtsschäden verteuerten sich um 7 Prozent im Jahr

Von 2003 bis 2012 sind die Ausgaben für schwere Geburtsschäden um fast 80 Prozent gestiegen. Das bedeutet: Jedes Jahr verteuern sich schwere Geburtsschäden um fast 7 Prozent. Unterläuft bei einer Geburt ein Fehler und das Kind ist schwer geschädigt, leistet der Versicherer im Durchschnitt heute 2,6 Millionen Euro.