06.07.2015
Forsa-Umfrage

Deutsche unterschätzen Kosten eines Rechtsstreits

Sein Recht durchzusetzen ist teurer als gedacht: Was Anwälte für ihre Arbeit verlangen dürfen und wie hoch Gerichtsgebühren und Sachverständigenkosten sein können – darüber wissen die wenigsten Deutschen Bescheid. Rund 80 Prozent von ihnen schätzen die Kosten viel zu niedrig ein; lediglich sechs Prozent liegen mit ihrer Einschätzung richtig. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

„Das Ergebnis überrascht: Obwohl fast 60 Prozent der Befragten angeben, dass sie schon einmal rechtliche Hilfe benötigten, herrscht über die Höhe der anfallenden Kosten große Unkenntnis“, sagt Thomas Lämmrich, Leiter Rechtsschutzversicherung im GDV.

Ein Drittel der Befragten traut sich zwar eine realistische Einschätzung zu, wenn es ganz allgemein um die Kosten für rechtliche Auseinandersetzungen geht. Wenn allerdings nach der Höhe von Gebühren oder Honoraren in konkreten Rechtsfällen gefragt wird, liegen 78 Prozent völlig falsch mit ihren Angaben. Denn das Kostenrisiko bei rechtlichen Auseinandersetzungen ist wesentlich höher, als drei Viertel der Befragten glauben.

Die Umfragergebnisse in Grafiken


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Hohe Kosten führen zum Rechtsverlust

Mehr als die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass derjenige vor Gericht Recht bekommt, der das meiste Geld für Anwälte zur Verfügung hat. Und fast 50 Prozent würden sogar auf die Durchsetzung ihres Rechts verzichten, wenn die Kosten für eine rechtliche Auseinandersetzung höher ausfallen könnten als ihre eigentliche Forderung. Besonders ältere Menschen fürchten dabei das Kostenrisiko; hier liegt der Anteil derer, die auf eine Klage verzichten würden, sogar bei über 50 Prozent. „Dass viele Menschen wegen des Kostenrisikos auf ihr Recht verzichten würden, ist besorgniserregend“, sagt Lämmrich. „Der Zugang zum Recht darf nicht zu einer Frage der wirtschaftlichen Stärke des Einzelnen werden.“

Was leistet eine Rechtsschutzversicherung

Das Kostenrisiko einer rechtlichen Auseinandersetzung lässt sich mit einer Rechtsschutzversicherung absichern. Sie übernimmt beispielsweise die gesetzlichen Anwaltsgebühren, Gerichtskosten, Zeugengelder und auch die Kosten des Gegners, soweit der Versicherte dafür aufkommen muss. Soll der Gang vor Gericht vermieden werden, erstatten Rechtsschutzversicherer auch die Kosten für eine Mediation.

Neues Kostenrecht belastet die Verbraucher

Vor knapp zwei Jahren wurde das Kostenrecht geändert. Anwalts- und Gerichtskosten sowie die Abrechnungsentgelte für Notare, Sachverständige und Dolmetscher wurden angehoben. Damit haben sich auch die Kosten für Verbraucher zur Durchsetzung ihres Rechts deutlich erhöht. Der GDV hat stets darauf hingewiesen, dass sich durch die Änderung des Kostenrechts die Schadenzahlungen alleine für die Rechtsschutzversicherer um rund 16 Prozent beziehungsweise um 375 Millionen Euro pro Jahr erhöhen werden. Letztlich aber trifft die Erhöhung alle Verbraucher, die ihr Recht wahrnehmen wollen oder müssen.

„Jeder kann erfahren, welche Kosten auf ihn zukommen“

Welches Honorar Anwälte für ihre Arbeit verlangen dürfen, regelt in Deutschland das Gebührenrecht. Es ist genau festgelegt, was etwa ein Brief oder eine anwaltliche Erstberatung kostet. Warum das so ist, erklärt Sylvia Ruge, Rechtsanwältin und Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft. >> mehr…

Über die Umfrage

Im Auftrag des GDV hat Forsa im April 2015 eine repräsentative Befragung von 1.012 Bundesbürgern ab 18 Jahren zum Thema „Einschätzungen zu Kosten eines Rechtsstreits“ durchgeführt. Ziel der Umfrage war es, allgemein und anhand einiger konkreter Fallbeispiele herauszufinden, ob und inwieweit die Bundesbürger die Kosten eines Rechtsstreites realistisch einschätzen können.

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Deutsche unterschätzen Kosten eines Rechtsstreits

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