02.09.2013
Interview & Podcast

Wie setzt sich eigentlich ein Kfz-Versicherungsbeitrag zusammen?

In Deutschland gibt es über 400 Zulassungsbezirke und rund 24.000 verschiedene Fahrzeugtypen. Jedes Jahr werden diese Regional- und Typklassen neu berechnet – und das kann sich dann auf den Kfz-Versicherungsbeitrag auswirken. Wie sich der Versicherungsbeitrag zusammensetzt und welche Faktoren dabei noch eine Rolle spielen, erfahren Sie von Stephan Schweda, Versicherungsexperte beim GDV.

Herr Schweda, wie genau setzt sich ein Kfz-Versicherungsbeitrag zusammen?
Stephan Schweda: In die Berechnung fließen sehr unterschiedliche Tarifmerkmale ein. Es kommt zum Beispiel darauf an, wo ein Auto in der Regel gefahren wird, welches Auto gefahren wird – und wer dieses Auto fährt. Wie viele Kilometer im Jahr fahre ich eigentlich und wie lange bin ich bereits unfallfrei gefahren. Daneben werden weitere Tarifmerkmale berücksichtigt, beispielsweise auch das Fahrzeugalter bei Erwerb oder auch welchen Beruf der Versicherungsnehmer hat. Und jedes dieser Tarifmerkmale bestimmt dann auch letztlich die Höhe des Versicherungsbeitrages.



Podcast_Kfz-Tarif.mp3
Dauer: 4:52


 
Was spielt dabei sonst noch eine Rolle?
Schweda: Die Höhe des vereinbarten Selbstbehaltes, also das ist der Betrag, den man selber bei einem Unfall bezahlt. Dieser beeinflusst die Höhe des Versicherungsbeitrags in der Kaskoversicherung. Allerdings beeinflussen diese unterschiedlichen Faktoren den Versicherungsbeitrag nicht gleich stark. So hat zum Beispiel der individuelle Schadenfreiheitsrabatt bei Pkw in der Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel einen größeren Einfluss auf den Versicherungsbeitrag als zum Beispiel die Regionalklasse.

 
Der GDV veröffentlicht in den nächsten Tagen die neuen Einteilungen für die Typ- und Regionalklassen. Was ist damit eigentlich gemeint?
Schweda: Die Regionalklassen, das heißt nichts anderes: Wo wird das Auto angemeldet beziehungsweise zugelassen? Der Schadenverlauf in den verschiedenen Zulassungsbezirken ist nämlich sehr unterschiedlich. Die Typklasse heißt: Welches Auto wird gefahren? Die Fahrzeugmodelle werden je nach ihrer Schadenbilanz in unterschiedliche Typklassen zusammengefasst. Beides wird auf Grundlage der aktuellen Zahlen jedes Jahr neu berechnet.

„Die Typklasse heißt: Welches Auto wird gefahren?”

Und was ändert sich mit der neuen Einteilung konkret für die Autofahrer?
Schweda: Für die meisten Autofahrer ändert sich zum Beispiel in der Regionalklasse gar nichts. In der Haftpflichtversicherung bleibt für etwa 65 Prozent der Autofahrer alles beim Alten. Hier sind es nur etwa ein Prozent, die tatsächlich um mehr als eine KIasse umgestuft werden. In der Kaskoversicherung ändert sich für 80 Prozent der Autofahrer gar nichts. Die Typ- und Regionalklassen sind nur zwei von zahlreichen Tarifmerkmalen, die letztlich die Höhe des Versicherungsbeitrages beeinflussen. Am besten lässt man sich das dann konkret bei einem Versicherer ausrechnen.

„Wenn wir uns die Entwicklung des Durchschnittbeitrages in der Autoversicherung ansehen, stellen wir fest, dass das Niveau des Beitrages immer noch niedriger ist als in den 90er Jahren.”

Jetzt werden sicher einige aufschreien, weil sie das Gefühl haben, ihre Autoversicherung ist in den letzten 10 bis 20 Jahren doch sowieso schon immer teurer geworden. Was sagen Sie dazu?
Schweda: Also, das Gefühl täuscht: Wenn wir uns die Entwicklung des Durchschnittbeitrages in der Autoversicherung ansehen, stellen wir fest, dass das Niveau des Beitrages immer noch niedriger ist als in den 90er Jahren. Konkret heißt das: 1990 bezahlte man im Durchschnitt für eine Kfz-Haftpflichtversicherung so rund 269 Euro – im Jahr 2012 zahlte man 219 Euro, also 50 Euro weniger.

Welche Möglichkeiten haben die Autofahrer selbst, den Versicherungsbeitrag zu beeinflussen?
Schweda: Zunächst ist es günstig, dass man die Angebote vergleicht, also sich von verschiedenen Anbietern das mal ausrechnen lässt. Aber davon abgesehen wirkt sich natürlich günstig auf den Versicherungsbeitrag aus, wenn man wenige Kilometer im Jahr fährt, oder wenn man ein Auto fährt, dass eine günstige Typklasse hat. Auch die Höhe des Selbstbehaltes, also der Betrag, den man bei einem Schaden selbst bezahlt, beeinflusst letztlich die Höhe des Versicherungsbetrages.

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