Poli­ti­sche Posi­tio­nen 2021 – Nach­hal­tig­keit

Ver­si­che­rer: Ideale Part­ner für den Green Deal

Das Geschäftsmodell von Versicherern zielt seit jeher auf langfristige Absicherung von Risiken – Nachhaltigkeit ist eine wesentliche Voraussetzung dafür. Ökonomie und Ökologie müssen dabei kein Widerspruch sein.

Versicherer unterstützen die Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen und die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens. Wir wollen einen signifikanten Beitrag zum Green Deal und zu einem klimaneutralen Europa bis 2050 leisten. Eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Transformation der Wirtschaft machen wir konkret: 

  • Bis 2025 wollen Versicherer erstens mindestens in ihren deutschen Liegenschaften klimaneutral arbeiten. Denn das Management nachhaltiger Geschäftsprozesse beginnt im eigenen Haus, damit draußen die Folgen des Klimawandels versicherbar und Schäden beherrschbar bleiben.
  • Als einer der größten institutionellen Kapitalanleger wollen wir zweitens unsere bedeutende Rolle für die grüne Transformation der Wirtschaft aktiv wahrnehmen: Im Einklang mit dem Pariser Abkommen will die Branche die Kapitalanlagen sukzessive auf die dort vereinbarten Klimaziele ausrichten: Bis 2050 streben Versicherer die Treibhausgasneutralität der Kapitalanlagen an; bereits bis 2025 und dann fortlaufend sollen CO2-Reduktionen in den Portfolios realisiert werden. Versicherer sind mit einer Kapitalanlage von 1,7 Billionen Euro prädestinierte Partner für die grüne Transformation der Wirtschaft und eine nachhaltige Infrastruktur.

  • Drittens schließlich werden Versicherer langfristig keine gewerblichen und indus­triellen Risiken mehr ins Portefeuille nehmen, wenn ihre Kunden und Geschäftspartner keine eigenen Anstrengungen hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft unternehmen. In den kommenden Jahren werden Nachhaltigkeitsaspekte immer weiter in die Zeichnungsrichtlinien integriert, die bei der Risikoübernahme von Industrie und Gewerbe angewendet werden. 

Und über all dem steht: Versicherer bringen ihre Expertise als Risikoträger bei der Entwicklung von Präventions- und Anpassungsmaßnahmen gegen den Klimawandel ein.

These 1: Nachhaltigkeit braucht konsequente politische Unterstützung 

Mit der Neuausrichtung der Geschäftsprozesse, Kapitalanlage und der Zeichnung von Risiken positionieren sich Versicherer klar und deutlich. Politik handelt nachhaltig, wenn sie sich marktwirtschaftlich kohärent verhält und den wirtschaftlichen Akteuren der ökologischen Transformation Leitplanken setzt, damit sie sich nachhaltig ausrichten können: Lasst den (ökologischen) Preis seine Wirkung entfalten – indem Marktmechanismen so gestaltet werden, dass die Akteure das Verursacherprinzip bei der Produktion von Gütern und Dienstleistungen leitet. Indem die schädliche Freisetzung von Kohlendioxid den Preis einer Ware mitbestimmt. Und indem ein hinreichendes Angebot für nachhaltige Investments, etwa für Infrastruktur-Maßnahmen, bereitgestellt wird. 

These 2: Nachhaltigkeitsvorgaben müssen zu den Risiken passen

Nachhaltigkeit ist ein andauernder Suchprozess nach den richtigen wirtschaftlichen und politischen Antworten,­ um die Daseinsvoraussetzungen kommender Generationen nicht zu gefährden. Eine allgemein gültige Lösung gibt es nicht – auch nicht für Versi­cherer. Kleine und große, Voll-, Nischen- und Sparten-Versicherer sind mit unterschiedlichen Nachhaltigkeits-Herausforderungen konfrontiert, etwa weil sie kleine oder große Risiken im Portefeuille haben oder in ihrer Kapitalanlage unterschiedlichen Strategien folgen. Die Anforderungen der Regulierung an das Nachhaltigkeitsmanagement von Risikoübernahme und Kapitalanlage sowie die Aufsichtspraxis sollten diese Unterschiedlichkeit berücksichtigen. 

These 3: Nachhaltige Investments brauchen Transparenz und Spielräume

Für nachhaltiges und klimaneutrales Handeln benötigen Unternehmen umfangreiche, verlässliche, aber auch einfach handhabbare Informationen über die Risiken und Auswirkungen auf Umwelt, Soziales und Geschäftspraktiken (ESG-Kriterien). Dafür soll mit der sogenannten Taxonomie in der Europäischen Union bald ein Klassifizierungssystem geschaffen werden. Idealerweise werden die Informationen aus der Realwirtschaft  transparent in einer frei zugänglichen Datenbank bereitgestellt. Für Versicherer ist dies Voraussetzung dafür, dass sie nachhaltig investieren oder bestimmte Risiken übernehmen können. Außerdem müssen verlässliche Modelle entwickelt werden, mit denen die Auswirkungen des Klimawandels erfasst werden können. Dabei bleibt entscheidend, dass Berichtspflichten bürokratiearm gestaltet werden.

These 4: Kapital von Versicherern schließt Investitionslücken

Versicherer können Kapital für den milliardenschweren Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur und den European Green Deal zur Verfügung stellen – immerhin legen deutsche Versicherer im Schnitt täglich 1,3 Mrd. Euro am Kapitalmarkt neu an. Und immer mehr Versicherer wollen mit einer nachhaltigen Kapitalanlage-Strategie grüne Rendite erzielen und Risiken minimieren. Ein Hindernis: die geringe Zahl passender Projekte – vor allem in Deutschland. Denn Kapitalanlagen der Versicherer müssen nicht nur ökologisch korrekt, sie müssen auch sicher und rentabel sein. Investitionsentscheidungen sollen sich nach ESG-Kriterien ausrichten, müssen sich aber immer auch an das Versicherungsaufsichtsgesetz und die Solvency II-­Regeln halten.

These 5: Strategien für Nachhaltigkeit gemeinsam mit Kunden entwickeln 

Kein Windrad, keine Solaranlage würde erneuerbare Energie liefern, hätten Versicherer die Risiken nicht übernommen. Versicherer ermöglichen nachhaltige Geschäftsmodelle ebenso, wie sie die Old Economy versichern – etwa Risiken durch die Förderung von Kohle und Öl. Die Branche wird sich zunehmend aus diesem Geschäft zurückziehen, doch das ist nur in dem Maße möglich, wie Schäden etwa durch die öffentliche Hand ausgeglichen werden. Politische Rahmenbedingungen – etwa ein steigender Preis für CO2-Emissionen – machen wenig nachhaltige Geschäftsmodelle dabei unattraktiver. Für die zügige Transformation setzt die Branche bei der Absicherung industrieller und gewerblicher Kunden auf Dialog. Gemeinsam Strategien für nachhaltiges Wirtschaften zu entwickeln – darum geht es.

These 6: Bauvorschriften heute anpassen verhindert Schäden in der Zukunft

Jene Klimaveränderungen, die wir heute beobachten, sind nicht das Ergebnis aktueller Emissionen: Sie sind ein Erbe der Vergangenheit. Über den Klimaschutz hinaus müssen wir uns daher auch mit dem Schutz vor den Folgen des Klimawandels beschäftigen. Wenn Stark­regen und Hagelschlag in zunehmender Weise Hab und Gut bedrohen, muss auch das Bauplanungs- und Bauordnungsrecht angepasst werden – und zwar heute. Je später wir hiermit beginnen, desto größer wird der volkswirtschaftliche Schaden in der Zukunft ausfallen. Sind die Folgen erst eingetreten, ist es zu spät. Der überwiegende Teil der Bebauungspläne wurde zu einer Zeit beschlossen, als viele wissenschaftliche Erkenntnisse zu Extremwetterlagen und Klimawandel noch nicht vorlagen.

These 7: Ohne Aufklärung kein Bewusstsein für das Risiko

Aufklärung und Prävention sind das A und O, um künftige Schäden in Grenzen zu halten und Elementarrisiken heute wie auch in Zukunft versichern zu können. Versicherer tun alles dafür, Menschen über Gefahren von Extremwetterereignissen zu informieren. Wie in anderen Ländern auch, muss der deutsche Staat die vorhandenen Informationen zu Naturgefahren bündeln und der Öffentlichkeit in einem einzigen Online-System zugänglich machen. Versicherer fordern deshalb ein bundes­weites Naturgefahrenportal mit begleitenden Informationskampagnen.


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