Positionen-Magazin
Kolumne Johan­nes Wag­ner

Ver­si­che­run­gen als Arbeit­ge­ber: Turbo für Talente

Die Jugend von heute ist bunt: Die einen suchen eher nach Sicherheit, die anderen wollen herausgefordert werden. Für die Assekuranz ist das eine Chance: Sie bietet beiden Gruppen passende Berufsbilder.

Die jungen Menschen mögen’s sicher. Pragmatisch. Planbar. Sagt die viel beachtete „Shell Jugendstudie“. Eine feste Stelle sowie die Vereinbarkeit von Job und Privatleben haben für die Befragten unter 25 Jahren Priorität im (künftigen) Berufsleben. Das traditionelle – und reichlich stereotype – Berufsbild des Versicherungsangestellten liegt offenbar voll im Trend. Szenenwechsel: Im Werk1, einem ehemaligen Fabrikgebäude im hippen Münchner Werksviertel, haben sich unzählige Start-ups angesiedelt, auch aus der Versicherungswirtschaft. Hier hört man ganz andere Töne: Etwas Eigenes auf die Beine zu stellen lautet die Lebensmaxime der jungen Gründer. Bloß kein Nine-to-five-Job! Selbst ein sogenannter Exit, also der Verkauf eines erfolgreichen Start-ups für schwindelerregend hohe Summen, stellt für überzeugte Gründer nur einen Meilenstein dar. Es wartet schließlich schon das nächste große Ding darauf, angepackt zu werden. „Serial Entrepreneurship“ nennt sich das im Fachjargon. Übersetzt in etwa: Hauptsache, es wird nie langweilig. 

Zwei Extreme ein und derselben Generation von Nachwuchstalenten? Die einen zuverlässig, die anderen innovativ? Bewahrer versus Influencer? Die große Mehrheit der jungen Menschen bewegt sich geschickt zwischen diesen Polen. Sie bietet damit im Grunde ein breites Kandidatenfeld für Versicherer. Für eine Branche, deren Markenkern auch in Zukunft die Verlässlichkeit sein wird; die allerdings gleichzeitig nicht erst seit Corona einem enormen Digitalisierungsdruck ausgesetzt ist.

Selbst wenn es in der Bewerberansprache gelingt, zu vermitteln, dass die Assekuranz das Beste aus beiden Welten – Sicherheit und Innovation – bietet (ja: bieten muss, um sich weiterzuentwickeln), kommt die eigentliche Herausforderung erst später: Talente auch längerfristig zu halten. Mit progressiven Ideen, mit dem Mindset und Tempo eines Entrepreneurs stoßen sie bislang in vielen Unternehmen gegen gläserne Decken. Frustration ist programmiert. Wir müssen lernen, den Neuen zuzuhören und offen für ihre Ideen zu sein – auch weil sie Teil der Kundengruppen von morgen sind. Das bedeutet nicht zwangsweise, dass jede davon brillant sein wird. Aber wir benötigen den damit einhergehenden Change, der nicht weniger ist als ein umfassender Kulturwandel und unsere Option auf die Zukunft. 

 

Apropos Zukunft: Die „Shell Studie“ stellt auch heraus, wie viele Gedanken sich die Arbeitnehmer von morgen über den Klimawandel und Gesundheitsthemen machen. Beides sind Aspekte, die das Geschäftsfeld der Assekuranz ganz zentral berühren. Anders als bei manchem auf den ersten Blick angesagteren Arbeitgeber bietet sich in der Versicherungsindustrie die Möglichkeit, an den ganz großen Zukunftsthemen gestalterisch mitzuarbeiten. Womöglich auch zusammen mit Start-ups, die wichtige Impulse oder technische Lösungen liefern. Also, um den Slang der Gründerszene aufzugreifen: Wo, wenn nicht in einer starken Branche wie dieser, lassen sich gute, relevante Ideen und Veränderungsimpulse so wirkungsvoll akzelerieren und skalieren?

Illustration: Jacqueline Urban


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