Positionen-Magazin
Um den Glo­bus

Ver­si­chern in Süd­ko­rea

Normalerweise springen Versicherungen bei Unglücksfällen ein. In Südkorea ist jedoch auch eine besonders populär, die im Fall von Glücksmomenten zahlt. Und das ist nicht die einzige ungewöhnliche Police des Landes

Werbekosten

Wollen Firmen Auslandsmärkte erobern, kommen sie an Werbung schwer vorbei. Zeitungsannoncen oder Kinospots sollen die eigenen Produkte in fremden Ländern bekannt machen. Doch nicht immer rechnet sich das – manchmal übersteigen die Werbeausgaben die Produkterlöse. In diesem Fall springt die Korea Trade Insurance Corporation (K-Sure) ein. Sie erstattet ihren Kunden finanzielle Schäden durch Werbekosten im Ausland. K-Sure ist seit 1992 Südkoreas offzielle Exportkreditagentur. Das Ziel: Handel und Auslandsinvestitionen heimischer Unternehmen zu fördern.     

Beine und Stimme

Kang Soo-yeon ist nicht irgendwer in Südkorea. Die 52-Jährige ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen des Landes. Sie hat in Dutzenden Streifen mitgespielt und diverse Filmpreise abgeräumt. Ihr Körper ist ihr Kapital – und einen ganz besonderen Part davon hat sie versichert: ihre Stimme. Damit ist sie nicht allein unter Südkoreas Kreativschaffenden. Der Markt ist sehr verschwiegen, manchmal aber dringen Details an die Öffentlichkeit. Bekannt ist etwa, dass viele Laufsteg-Models ihre Beine versichert haben und manche Sänger ihre Stimme.   

Kfz

Je geringer das Risiko, desto niedriger die Versicherungsbeiträge. Dieses Prinzip gilt auch in Südkorea. Im Fall von Kfz-Versicherungen heißt das: Wer seltener fährt, zahlt weniger. Deswegen gewähren manche Versicherer einen Rabatt, wenn ihre Kunden häufig öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Übersteigen die Fahrkartenbelege binnen drei Monaten eine Grenze, die umgerechnet 100 Euro entspricht, gibt es einen Nachlass von zehn Prozent auf die Versicherung. Auch der Einbau einer Blackbox, die mögliche Unfälle aufzeichnet, wird mit Rabatten belohnt. 

Hole-in-one

Golf ist in Südkorea fast so populär wie Fußball in Deutschland. Quer durch alle Schichten putten, chippen und pitchen die Koreaner. Besonders glücklich dürfen sich Spieler schätzen, die mit einem einzigen Schlag ins Loch treffen – in der Golfsprache Hole-in-one genannt. Doch der Glückstreffer hat einen kostspieligen Nebeneffekt. Denn ein ungeschriebenes Gesetz verlangt in diesem Fall, sämtliche Mitspieler zum Essen einzuladen und dem Golfplatz ein Geschenk zu machen. Glücklich ist, wer zuvor eine Hole-in-one-Versicherung abgeschlossen hat.

Text: Martin Scheele
Illustration: Michael Stach

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