Positionen-Magazin
Um den Glo­bus

Ver­si­chern in den USA: von Rodeo-, Alien- und Brand­schutz­po­li­cen

Auch versicherungstechnisch sind die Vereinigten Staaten das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Ob Entführung durch Außerirdische oder Stürze von bockenden Bullen – für fast alles gibt es die passende Police. Doch das System hat Schwachstellen.

Krankenversicherung in den USA

Das Gesundheitssystem in den USA gleicht einem Flickenteppich. Der aus europäischer Sicht größte Webfehler ist, dass die Krankenversicherung in den USA großflächig an den Arbeitgeber gebunden ist: Wer seinen Job verliert, steht ohne Schutz da. Im Zuge der Corona-Pandemie in Amerika betrifft dies laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftspolitik rund 9,2 Millionen Menschen. Eine private Police können sich viele nicht leisten, Prämien und Zuzahlungen sind hoch. Ein in der Amtszeit von Ex-Präsident Barack Obama eingeführtes Anrecht auf eine Krankenversicherung („Obamacare“) wurde von Donald Trump in Teilen außer Kraft gesetzt.

Kidnapping durch Aliens

Für einmalig knapp 20 Dollar kann sich der Ufo-gläubige US-Bürger gegen eine Entführung durch Außerirdische versichern. Die Agentur Mike St. Lawrence in Florida bietet eine solche Police seit 1987 an. Die Deckungssumme beträgt 10 Millionen Dollar und umfasst neben der ambulanten psychiatrischen Versorgung auch die Erstellung einer „doppelten Identität“. Rund 6000 Verträge hat St. Lawrence nach eigenen Angaben bisher verkauft – und bereits zweimal Teilsummen ausgezahlt. So konnte ein Versicherungsnehmer nachweisen, dass ein Implantat in seinem Körper aus einer nicht irdischen Substanz besteht.


Brandschutzversicherung

Waldbrände sind ein trauriges Versicherungsthema in den USA, vor allem in Kalifornien. Das bisher verheerendste Feuer brach am 8. November 2018 aus, ausgelöst durch marode Stromleitungen. 86 Menschen starben, fast 19.000 Häuser wurden zerstört, darunter die Villen von Thomas Gottschalk und Miley Cyrus. Der Versicherungsschaden betrug rund 8,4 Milliarden US-Dollar. In der Folge sind die Prämien in gefährdeten Gebieten um mehr als 200 Prozent gestiegen, viele Versicherer haben die Auszahlungssummen gedeckelt oder bieten gar keine Feuerpolicen mehr an.

Rodeoversicherung

Die Hochburgen des Rodeo liegen in Texas und Arizona, doch längst trampeln die Bullen auch durch glamouröse Arenen wie den Madison Square Garden in New York. Die aufsitzenden Topsportler verdienen zweistellige Millionengagen, doch die unberechenbaren, bis zu 2000 Kilo schweren Stiere machen Bull Riding zu einem Hochrisikojob: Das Verletzungsrisiko liegt bei 89 Prozent. Die meisten der rund 400 Profis sichern sich daher privat gegen Unfälle ab, meist ergänzt um eine Police des Berufsverbands. Obwohl es immer wieder zu schweren Verletzungen kommt, trägt rund die Hälfte der Cowboys nach wie vor keinen Helm.


Text: Martin Scheele

Illustration: Michael Stach

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