Positionen-Magazin
Corona-Pan­de­mie

Ver­si­che­rer im Aus­nah­me­zu­stand - vom Virus erwi­scht

Die weltweite Corona-Pandemie trifft auch die Versicherungsbranche. Die Belegschaft im Homeoffice, die Kunden überprüfen Policen, die Börse fährt Achterbahn. Wie eine Branche den Ausnahmezustand managt.

Man kann sich gegen so vieles versichern. Gegen Hagelschlag. Gegen Erdrutsche. Gegen Vandalismus. Seuchen hingegen standen bisher selten in einer Versicherungspolice. Infektionskrankheiten, die sich schnell und flächendeckend ausbreiten, gab es in der jüngeren deutschen Vergangenheit glücklicherweise nicht. Die Corona-Pandemie aber hat vieles verändert. Vor allem hat sie aufs Schmerzlichste gezeigt, dass die globale Vernetzung Risiken mit sich bringt, die sich nicht lokal einhegen lassen. Der Alltag der Menschen hat sich schlagartig verändert. Auch die Versicherungsbranche ist im Ausnahmezustand. Autofahrer fragen plötzlich, ob sie ihren Versicherungsbeitrag senken können, sie würden schließlich kaum noch fahren. Unternehmer sind besorgt, ob sie Lieferungen ins Ausland absichern können, das Ausfallrisiko sei ja erhöht. Manche Kunden sind erleichtert, dass sie schon immer eine All-Risk-Police hatten. Andere ärgern sich, dass sie sich für einen eingeschränkten Schutz entschieden haben. Schon jetzt steht fest: Die Spuren, die der Covid-19-Erreger in der Branche hinterlässt, werden noch lang zu sehen sein. Wir zeigen auf, welche Versicherungsprodukte von der Corona-Krise stärker berührt sind, welche weniger. Wo die Rechtslage eindeutig und wo sie zweifelhaft ist. Und was die Krise mit den Unternehmen selbst macht. Ein Großteil der Belegschaften hat zwischenzeitlich im Homeoffice gearbeitet, Besprechungen wurden fast ausnahmslos auf Videokonferenzen umgestellt. Auch das wird nicht ohne Folgen bleiben. 

Homeoffice: Wie Corona die Arbeitskultur verändert 

Manche Kollegen haben Online-Mittagspausen organisiert. Die sahen so aus, dass sich alle mit ihrem Essen vor den Bildschirm gesetzt und dort gemeinsam gegessen haben. Michael Niebler, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands der Versicherungsunternehmen (AGV), weiß auch von After-Work-Treffen mit Kaltgetränken vor dem Computer. „Der ungezwungene Austausch mit den Kollegen gehört schließlich zu einer guten Arbeitskultur dazu“, sagt er. Arbeitskultur. Das ist zurzeit ein großes Thema in der Branche. Als sich im März die Anzeichen verdichteten, dass sich Covid-19 auch in Deutschland ausbreiten würde, haben die Unternehmen kurzfristig an die 90 Prozent der Innendienstmitarbeiter ins Homeoffice geschickt – vorher hatten gerade einmal 33 Prozent tageweise von zu Hause aus gearbeitet. Seither ist vieles anders. Und das wird es nach Auffassung von Niebler auch bleiben. Er ist davon überzeugt, dass der erzwungene Homeoffice-Test neue Arbeitsmodelle mit sich bringen wird: „Es wird künftig neue Mischformen aus Home- und Präsenzarbeit geben.“ Der Weg ins Homeoffice im März war mit einem gigantischen Aufwand verbunden. Die Angestellten brauchten Notebooks, auf denen sie arbeiten können. Sie benötigten VPN-Zertifikate, um sich im System ihres Unternehmens anmelden zu können. Dort brauchten sie erweiterte Zugangszeiten, um zu Hause die Kinder betreuen und trotzdem arbeiten zu können. Und nicht zuletzt brauchten sie regelmäßigen Kontakt zu den Kollegen und Vorgesetzten – allein schon für die tägliche Arbeitsmotivation. Eine große Herausforderung für das Management, die Betriebsräte, die IT und Cybersicherheit.

In der Versicherungsbranche verändert sich die Meeting-Kultur

Doch wer sich heute dort umhört, trifft auf zufrieden klingende Verantwortliche. Patrik Maeyer zum Beispiel, der Leiter Betriebstechnik, Digitalisierung und IT des GDV. Man könnte denken, dass er seit März nur schlaflose Nächte hatte, doch Maeyer wirkt nach der turbulenten Übergangsphase entspannt. Zumal es die befürchteten Cyberattacken nicht gegeben habe, sagt er: „Wie erwartet ist das IT-Sicherheitsniveau in den Unternehmen sehr hoch – unabhängig von der Menge der Endgeräte.“ AGV-Hauptgeschäftsführer Niebler erwartet die auf Dauer größte Veränderung in der Meetingkultur. Beim Versicherer Talanx zum Beispiel gab es laut Niebler während des Lockdowns zwischen 4500 und 6000 Videokonferenzen – pro Tag. „In Zukunft wird man sich vor Konferenzen stets die Frage stellen, ob die Teilnehmer wirklich aus der ganzen Republik anreisen müssen“, sagt Niebler. Er glaubt, dass persönliche Meetings vor allem dann anberaumt werden, wenn wirklich etwas auszudiskutieren ist. Geht es hingegen um das reine Mitteilen von Informationen, „wird das auch in Zukunft in einer Videokonferenz erfolgen“. 

Das große Missverständnis: Betriebsschließungsversicherungen

Es gibt mehrere Millionen Unternehmen in Deutschland. Davon besitzt nur ein sehr kleiner Teil, etwa 73.000, eine Betriebsschließungsversicherung. Sie tritt ein, wenn in einem Betrieb Krankheiten oder Krankheitserreger auftreten, die von der Versicherung abgedeckt sind, und die Behörde die Schließung des Betriebs anordnet beziehungsweise Tätigkeitsverbote ausspricht. Vor allem die Lebensmittelbranche sowie Gastronomen und Hoteliers besitzen solche Policen. Gastronomen wollen sich beispielsweise gegen die Gefahr absichern, dass in ihrem Betrieb Salmonellen oder Noroviren auftreten und sie deshalb vorübergehend keine Gäste empfangen dürfen. Schließt die Behörde den betroffenen Betrieb und ist die Krankheit von der Police abgedeckt, zahlt die Versicherung den Schaden. Das ist der Standardfall. Der liegt allerdings bei der Corona-Pandemie grundsätzlich nicht vor. Denn hier wurde nicht die Schließung eines konkret betroffenen Betriebs angeordnet, weil etwa in dessen Küche Colibakterien aufgetreten sind. Vielmehr wurden sämtliche Restaurants und Hotels aus einem ganz anderen Grund geschlossen: durch Allgemeinverfügungen der Bundesländer, mit der Sozialkontakte minimiert werden sollten, neudeutsch Lockdown genannt. 

Die Länder haben die Betriebe also aus generalpräventiven Gründen dichtgemacht und nicht, weil von ihnen konkret eine Gesundheitsgefahr ausgegangen ist. Dieser Fall ist in den meisten Policen nicht vereinbart. Aus Sicht vieler Versicherer sind solche Corona-Fälle daher zumeist nicht versichert. Nur in Einzelfällen liegt ein Anspruch vor, hier wird selbstverständlich bezahlt. In anderen Fällen zahlen viele Versicherer freiwillige Leistungen. Diese orientieren sich daran, dass bei Betriebsschließungen aufgrund des Infektionsschutzgesetzes immer auch ein Teil des wirtschaftlichen Verlusts durch staatliche Leistungen ersetzt wird und – wenn versichert – ein weiterer Teil durch den Versicherer. Rund 70 Prozent der Ausfälle im Gaststätten- und Hotelgewerbe gleicht der Staat gegenwärtig mit Kurzarbeitergeld und Soforthilfen aus. Von den verbleibenden rund 30 Prozent des wirtschaftlichen Verlusts übernehmen viele Versicherer freiwillig die Hälfte. So geben sie den betroffenen Betrieben schnell und unkompliziert Liquidität ohne bürokratische Hemmnisse. Das Angebot wird von vielen Gastronomen angenommen. Einzelne Versicherer gehen einen anderen Weg, um zu helfen. Die Generali Deutschland etwa hat einen Fonds von 30 Millionen Euro für ihre Kunden bereitgestellt.

Systemische Bedeutung: Kreditversicherung 

Mitte März war klar: Die Lage ist ernst. Nicht nur für die Gesundheit der Menschen in Deutschland und weltweit. Auch für die deutsche Wirtschaft. Immer mehr Länder fuhren das öffentliche Leben herunter. Niemand konnte mehr ins Restaurant. Niemand flog mehr in den Urlaub. Keiner ging mehr ins Autohaus, denn das hatte zu. Ganze Branchen kamen zum Erliegen. Man musste das Szenario nur weiterdenken, um zu erkennen: Der Wirtschaft steht eine drastische Rezession bevor. Die Kreditversicherer haben schnell gehandelt. Binnen vier Wochen spannten sie gemeinsam mit der Bundesregierung einen Rettungsschirm auf, der die Geschäftsbeziehungen vieler Kunden in der Corona-Krise stabilisiert hat. Das bisher beispiellose Modell wurde schnell zum Vorbild für andere. Die Niederlande und mehrere Länder in Nordeuropa wollen es übernehmen: Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland bereiten ähnliche Rettungspakete vor. Das Modell sieht zusammengefasst vor, dass der Bund bis zu einer Höhe von 30 Milliarden Euro die Entschädigungen übernimmt, die Kreditversicherer ihren Kunden für ausgefallene Rechnungen bezahlen. Im Gegenzug erhält der Bund zwei Drittel der Prämieneinnahmen der Kreditversicherer, die sich zusätzlich mit bis zu 500 Millionen Euro an den Schäden beteiligen. Das Paket ermöglicht es den Versicherern, ihren Kunden weiterhin Kreditlimits im bisherigen Umfang von rund 400 Milliarden Euro im Jahr zur Verfügung zu stellen. Die Lieferanten sind vor dem Risiko geschützt, dass ein Vertragspartner im In- oder Ausland seine Rechnung nicht bezahlt. Beim totalen Ausfall oder einer stark verzögerten Bezahlung springt der Kreditversicherer ein. 

Planungssicherheit für Unternehmen gewährleistet

„Die Garantiezusage des Bundes ermöglicht es uns, die Lieferanten trotz der derzeitigen Risiken abzusichern“, sagt Thomas Langen, Deutschlandchef von Atradius. Die Kreditversicherer seien Risikonavigatoren: Sie prüfen für ihre Kunden die Bonität eines Geschäftspartners. Dass Lieferanten derzeit ein sehr viel höheres Risiko eingehen, auf ihren Rechnungen sitzen zu bleiben, liege auf der Hand. „Ohne diese Vereinbarung mit der Bundesregierung hätten die Kreditversicherer das Ausfallrisiko für Unternehmen, die durch Covid-19 in die Krise gekommen sind, nicht uneingeschränkt übernehmen können“, sagt Langen. So aber war es möglich, den Unternehmen Planungssicherheit zu geben – und damit Lieferketten zu stabilisieren und das Vertrauen in den Handel zu gewährleisten. Die Krise habe die systemische Bedeutung der Kreditversicherer für die deutsche Wirtschaft gezeigt, sagt auch Jochen Böhm, Bereichsleiter Kreditprüfung bei Coface. Er geht davon aus, dass die Unternehmen vor allem in der zweiten Jahreshälfte auf die Versicherungen angewiesen sein werden. Seit Wochen sei ein stetes Ansteigen der Überfälligkeitsmeldungen zu registrieren. Auch die Insolvenzen nehmen von Woche zu Woche zu. „Wir rechnen damit, dass im Herbst eine größere Insolvenzwelle anrollen wird“, so Böhm. „Die Kreditversicherer aber können viele Unternehmen davor bewahren.“

Im Dauerzinstief: Die Pandemie belastet die Lebensversicherer zusätzlich 

Die Lebensversicherung ist erst einmal gut durch die Corona-Krise gekommen. Die Leistungsversprechen sind finanziell gesichert. Das bestätigt auch die Finanzaufsicht BaFin. Auf der Jahrespressekonferenz am 12. Mai sagte BaFin-Präsident Felix Hufeld: „Zwar werden die Solvenzquoten wohl sinken. Das hat unsere Abfrage bei ausgewählten Lebensversicherern ergeben“, so Hufeld. „Aber bei keinem dieser Unternehmen kommt es zu einer Unterdeckung.“ Dennoch werden Langzeitfolgen auch in der Sparte der Lebensversicherungen kaum ausbleiben. Denn mit einer Anhebung des Zinsniveaus durch die Europäische Zentralbank ist auf absehbare Zeit kaum mehr zu rechnen. Die Kapitalanlage wird durch die Corona-Krise deshalb zusätzlich erschwert. Die Rendite bei der Neu- oder Wiederanlage von Kapital sinkt deutlich. Auf der anderen Seite sorgen fallende Zinsen für eine höhere Bewertung der Anleihen im Bestand und schaffen damit Kapitalpuffer. Im Neugeschäft dürfte das Dauerzinstief den Trend zu Lebensversicherungen mit flexiblen Garantien und stärkerer Renditeorientierung verstärken.

Rettung für Kultur und Sport: Veranstaltungsausfallversicherungen 

Ein Sommer ohne Konzerte, Festivals, Sport. Kein Wimbledon, keine kulturelle Landpartie, auch in Bayreuth treten dieses Jahr keine Opernsänger auf. Kulturell, so viel steht bereits fest, wird 2020 ein armes Jahr. Finanziell ist es für viele Veranstalter hingegen weniger dramatisch. Haben sie eine Veranstaltungsausfallversicherung, die Pandemien als Risikofall einschließt, bekommen sie ihren Schaden ersetzt. Wie etwa der All England Lawn Tennis and Croquet Club in Wimbledon, um das vielleicht prominenteste Beispiel zu nennen. Auch das weltweit größte Tennisturnier musste 2020 abgesagt werden. Der Schaden für die Veranstalter ist enorm. Sie haben aber 2003, nachdem das Sars-Virus vor allem in Asien viele Menschen getötet hatte, eine Ausfallversicherung unter Einschluss des Pandemiefalls abgeschlossen. Von der bekommen sie nun 130 Millionen Euro ausbezahlt. Rechtlich ist die Lage eindeutig: Wer das Risiko mit eingeschlossen hat, ist versichert. Wer nicht, der nicht. Abgesichert sind die Veranstalter, die ihren Schutz ausdrücklich auf weitere Infektionen und Pandemien ausgedehnt hatten wie beispielsweise der große Konzertveranstalter DEAG Deutsche Entertainment. Der musste wegen Corona rund 3000 Konzerte in Deutschland, der Schweiz und England absagen. Das hätte leicht in eine finanzielle Katastrophe führen können. Der Konzertveranstalter aber hatte sich trotz des Prämienaufschlags für eine All-Risk-Ausfallversicherung entschieden, die auch das Pandemierisiko umfasst. Die hat das Unternehmen in der Corona-Krise gerettet. Werden Konzerte, Messen oder Sportturniere abgesagt, ist das natürlich nicht nur für die Veranstalter selbst ein großer Schaden, sondern auch für die Messebauer oder Bühnentechniker, die für das Event gebucht waren. Ob und in welcher Höhe sie eine Entschädigung von ihrem Auftraggeber erhalten, hängt von den vertraglichen Vereinbarungen im Einzelfall ab. 

Vor der Reform: Die Reisepreis-Insolvenzabsicherung 

Dass es im Reiseinsolvenzrecht zu Veränderungen kommen würde, stand schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie fest. Im Zuge der Pleite des Touristikkonzerns Thomas Cook im vergangenen Jahr hatte sich ein Problem der bisherigen Regelung gezeigt: Die Verbraucher bekommen bei der Buchung ihrer Pauschalreise zwar einen Sicherungsschein, der sie gegen die Insolvenz des Veranstalters absichert. Die Summe, die sich die Verbraucher erstatten lassen können, kann aber gesetzlich auf insgesamt 110 Millionen Euro begrenzt werden. Diese Summe hatte im Fall von Thomas Cook nicht ausgereicht, sodass die Kunden nur 17,5 Prozent ihrer Kosten erstattet bekamen– der Bund musste deshalb einspringen. Im Zuge der Corona-Verbreitung muss mit vielen weiteren Insolvenzen in der Reisebranche gerechnet werden. Die Veranstalter müssen ihren Kunden nach Absage der Reisen Anzahlungen erstatten, die sie längst an Hotels und Fluggesellschaften weitergegeben haben. Um das eigene Überleben zu retten, bieten viele ihren Kunden als Ersatz Gutscheine für spätere Reisen an. Das ist die Lösung, die auch die Bundesregierung präferiert. Sie will die Gutscheine – entgegen der aktuellen Rechtslage – sogar schon jetzt in den Insolvenzschutz einbeziehen. Das sehen die Versicherer naturgemäß kritisch, weil sich ihr Risiko nachträglich erhöht. 

Neuregelung frühestens für den Herbst erwartet

Die geplante grundlegende Neuregelung des Insolvenzschutzes wird noch bis mindestens Herbst 2020 auf sich warten lassen. Das Bundeskabinett hat bereits entschieden, dass es künftig keine Haftungsbeschränkung für Reiseanbieter mehr geben soll. Wie die vollständige Deckung gewährleistet wird, ist noch in der Diskussion. Der Regierung schwebt ein Fonds vor, in den alle Veranstalter einzahlen sollen und der über Versicherungen und staatliche Garantien abgesichert wird. Die Details sind noch unklar, das Bundesjustizministerium arbeitet derzeit an einem Gesetzentwurf. Eine Reiserücktrittsversicherung ist keine Insolvenzversicherung. Sie schützt den Verbraucher vor Stornokosten, die durch persönliche Schicksalsschläge oder unerwartete schwere Erkrankung entstehen, die den Versicherten daran hindern, die Reise anzutreten – etwa wenn er sich kurz zuvor das Bein bricht oder einen Herzinfarkt hat. Das ist etwas anderes, als wenn die Fahrt wegen einer allgemeinen Reisewarnung ausfällt oder jemand Angst vor einer Corona-Erkrankung hat und deshalb die Reiserücktrittversicherung nutzen möchte. Ob die Versicherung auch dann einspringt, wenn sich der Reisende selbst mit dem Corona-Virus infiziert hat, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Es kommt auf die Bedingungen der jeweils abgeschlossenen Versicherung, die konkreten behördlichen Maßnahmen und die weitere Verbreitung des Virus an.

Autoversicherungen: Weniger Unfälle, geringere Beiträge? 

Die Kontaktbeschränkungen haben einen unerwarteten Nebeneffekt: Die Menschen fahren weniger Auto, sodass es zu weniger Unfällen kommt. Weil das Tarifsystem der Kfz-Versicherer recht flexibel ist, können Autofahrer davon profitieren. „Der Kfz-Versicherungsbeitrag ist in der Regel sehr nah am individuellen Risiko des einzelnen Kunden und kann sich einer geänderten Risikosituation anpassen“, sagt Tibor Pataki, Kfz-Abteilungsleiter des GDV. So bieten zahlreiche Versicherer an, die Beiträge nicht nur zu stunden, sondern auch zu senken. Dazu können Kunden den Vertrag kurzfristig anpassen, etwa indem eine geringere Fahrleistung oder ein höherer Selbstbehalt vereinbart wird. Einige Versicherer akzeptieren auch einen Wechsel von der Voll- in die Teilkaskoversicherung oder die unterjährige Kündigung der Kaskoversicherung. Gewerblichen Kunden wie Taxi- oder Lkw-Fahrern bieten viele Versicherer an, ihr Auto vorübergehend außer Betrieb zu setzen. In der Zeit müssen sie keine Beiträge bezahlen, behalten aber trotzdem ihre Kfz-Haftpflichtversicherung und den Teilkaskoschutz. Wie sich der geringere Schadenaufwand und die Anpassungen der Verträge auf die Versicherer auswirken, ist noch unklar. Nach Ende der Kontaktbeschränkungen wird es auch gegenteilige Effekte geben, etwa durch Pendler, die lieber im eigenen Auto als im Bus ins Büro fahren. Für eine Gesamtbetrachtung muss neben dem kurzfristigen Corona-Effekt daher das Schadengeschehen im Jahresverlauf berücksichtigt werden.

Text: Elke Spanner


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