Positionen-Magazin
Um den Glo­bus

Ver­si­chern in Israel

Dass das Land bei den Impfungen gegen Covid-19 global führend ist, hat es auch seinen Krankenversicherern zu verdanken. Und noch bei einem weiteren Zukunftsthema sind die Israelis dem Rest der Welt voraus.

Gesundheitswesen

Während Deutschland noch über die Corona-Notbremse stritt, wurde in den Bars und Klubs von Tel Aviv schon wieder gefeiert. Denn kaum ein Land impfte seine Bürger schneller gegen Covid-19 als Israel. Das lag auch an den Krankenkassen: Sie sind ähnlich organisiert wie in Deutschland, aber vor allem bei der Digitalisierung deutlich weiter. Datenbanken geben einen Überblick über Impfberechtigungen, Termine werden per Push Nachricht aufs Smartphone geschickt. Weil das Land zudem Patientendaten an die Hersteller weitergab, wurde es von diesen bevorzugt mit Impfstoff beliefert.

Lebensversicherung

Privilegien für ultraorthodoxe Juden sorgen von jeher für Diskussionen in Israel. Viele der sogenannten Haredim missachten Corona-Regeln und schotten sich vom Rest der Gesellschaft ab. Entsprechend umstritten ist die 2020 eingeführte subventionierte Lebensversicherung für verheiratete Männer, die an religiösen Schulen studieren. Diese haben kaum Einkünfte, dafür oft große Familien: Im Schnitt sieben Kinder haben ultraorthodoxe Eltern laut der Zeitung „Haaretz“. Um diese abzusichern für den Fall, dass der Vater stirbt, wurde die Versicherung eingeführt.

Insurtech-Hotspot

Israel ist eine Start-up-Nation – auch bei digitalen Versicherern, sogenannten Insurtechs. Laut israelischem Wirtschaftsministerium stieg die Zahl der Versicherungs- Start-ups von 2015 bis 2018 um mehr als 300 Prozent auf 74. Heute dürfte sie noch weit größer sein. Ein Drittel der Top 15 Insurtech-Firmen weltweit wurde entweder in Israel oder von einem Israeli gegründet. Davon profitieren auch Kunden in Deutschland: Ein Beispiel ist die Monitoring-App von Generali, die Vitalparameter per Smartphone-Kamera erfasst. Die Technik dazu stammt vom israelischen Startup Binah.ai.

Kriegsschäden

Im Nahostkonflikt ist Raketenbeschuss trauriger Alltag. Jedes Jahr zählt Israel mehr als  1000 Einschläge, allein während der jüngsten Eskalation im Mai soll die Terrororganisation Hamas mehr als 3000 Raketen vom Gaza-Streifen aus auf israelisches Gebiet abgefeuert haben. Die Regierung bietet Bürgern, denen durch militärische Gewalt Schäden entstehen, eine Basisdeckung von umgerechnet rund 22.400 Euro an. Seit drei Jahren können Israelis aber auch zusätzlich privat vorsorgen und sich gegen Kriegsschäden versichern. Bisher hat allerdings erst ein Unternehmen eine solche Police aufgelegt.

Text: Robert Otto-Moog
Illustration: Michael Stach
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