Positionen-Magazin
Pri­vate Alters­vor­sorge

Ries­ter-Rente ent­rüm­peln

Private Altersvorsorge: Die Diskussion um die Absicherung im Alter ist neu entbrannt. Versicherer, Investmentgesellschaften und Bausparkassen wollen die staatlich geförderte Vorsorge reformieren – und so attraktiver machen.

Deutschland debattiert über die Zukunft der privaten Altersvorsorge. Während Verbraucherschützer und Grüne die Riester-Rente abschaffen und durch einen Staatsfonds ersetzen wollen, hat die CDU auf ihrem Parteitag beschlossen, das System der staatlich geförderten Privatrente zu reformieren.

Die deutschen Versicherer fordern schon lange mehr Schwung für die private Vorsorge. Gemeinsam mit dem Bundesverband Investment und Asset Management (BVI), dem Verband der privaten Bausparkassen (VDPB) und der LBS hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ein Konzept erarbeitet, das die Riester-Rente zukunftsfest macht – und deutlich attraktiver als heute.

Mehr als 16 Millionen Riester-Verträge wurden in Deutschland seit der Einführung 2001 abgeschlossen, 70 Prozent aller Arbeitnehmer haben sich auf diese Weise oder mit einer betrieblichen Altersversorgung zusätzlich abgesichert, doch zuletzt stagnierten die Zahlen. Zum einen, weil es durch die aktuelle Niedrigzinsphase auch bei Riester-Verträgen schwerer wird, attraktive Renditen zu erwirtschaften, zum anderen, weil die vom Gesetzgeber vorgesehene komplexe Ausgestaltung des Fördersystems für viele nicht zu durchschauen ist, was die Umsetzung aufwendig und teuer macht.

Doch die finanzielle Absicherung des Ruhestands ist und bleibt wichtig, sagt der GDV-Vorsitzende Jörg von Fürstenwerth. Dabei sei „eine grundlegende Reform des bestehenden Systems besser als das Szenario einer Verstaatlichung“, schreibt von Fürstenwerth in der Positionen-Kolumne. Die private Altersvorsorge staatlich zu organisieren widerspreche dem Grundkonsens der sozialen Marktwirtschaft. Zudem sei Riester erfolgreicher, als seine Kritiker behaupteten. 

Grundlegende Vereinfachung

Im Kern zielt der Vorschlag der Wirtschaftsverbände auf eine grundlegende Vereinfachung des bestehenden Modells. Die staatliche Förderung soll transparenter und verständlicher werden. Für jeden selbst eingezahlten Euro steuert der Staat eine Zulage von mindestens 50 Cent bei. Zudem sieht das Konzept vor, Riester-Verträge für alle zu öffnen – auch für Selbstständige. Standardprodukte ohne komplizierte Wahlmöglichkeiten, die einfach zu beraten sind und entsprechend kostengünstiger angeboten werden können, sollen die Produktpalette ergänzen.

Entschlacken wollen die Verbände auch die Bürokratie. Die Zulagenverfahren sollen stark vereinfacht werden mit dem Ziel, die derzeit rund 800.000 Rückforderungen pro Jahr um mehr als 90 Prozent zu reduzieren. Ebenfalls vorgeschlagen wird eine Flexibilisierung der sogenannten Bruttobeitragsgarantie, die einen vollständigen Kapitalerhalt für alle Verträge zwingend vorschreibt. Die Grenzen hier weiter zu fassen, würde die Ertragschancen für die Sparer erhöhen, so das Argument.

Der Vorschlag der CDU enthalte zahlreiche richtige Ansätze, sagt von Fürstenwerth. „Wir sind bereit, für einen Neustart in der privaten Altersvorsorge.“


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