Positionen-Magazin
Inter­view mit Jörg Butt

Reden wir über Sicher­heit – Mit Jörg Butt

Der frühere Nationalkeeper in neuer Rolle: In der Werkshalle des väterlichen Betriebs kümmert er sich nun um Verladerampen. Jörg Butt über die Gehälter von Profi-Sportlern und Lebenspläne nach dem Fußball – ganz unabhängig vom Kontostand

Früher riefen 50.000 Leute begeistert „Butt, Butt, Butt“ – von den Kollegen gab’s eben nur ein knappes „Moin“.
Jörg Butt:
Das passt schon. Ich weiß ja, wie ich mit Nachnamen heiße.

Im Ernst Atmosphäre, Teamspirit, TV- Auftritte – das fehlt Ihnen gar nicht?
JB:
Vermutlich sind Sie Fußballanhänger. HSV-Fan? Oder Bayern?

Werder.
JB: 
Auch in Ordnung. Auf jeden Fall verstehe ich, dass das Fußballerleben aus Sicht eines Fans aufregend erscheint. Aber ich bin nicht Profi geworden, um ins Fernsehen zu kommen. Ich mag den Sport, wollte meinen Ehrgeiz ausleben, Erfolge mit Mannschaftskollegen feiern. All das hat der Fußball mir gegeben. Die Autogramme, Interviews und Sprechchöre gehörten dazu, standen aber nie im Mittelpunkt, insofern vermisse ich da nichts.

Wie leben Sie heute Ihren Ehrgeiz aus?
JB:
Im Kern wie früher: Ich gehe meine Aufgabe mit Leidenschaft an und versuche, das Maximum zu erreichen. Zum Glück hat mir Technik seit je viel Freude bereitet, auch sehe ich gerne, wie etwas entsteht. Statt Bälle zu halten, vertiefe ich mich daher heute in technische Details zu unseren Verladerampen, um Kunden bestmöglich zu beraten und Herausforderungen zu meistern. Wenn das Feedback-Gespräch ergibt, dass mir das gelungen ist, stellt mich das zufrieden.

Ihr Vater ist Firmengründer, Ihr Bruder Geschäftsführer, Sie sind der „Neue“. Eine schwierige Konstellation?
JB:
Im Gegenteil, die Rollen sind klar verteilt. Ich entlaste meinen Bruder, indem ich die Kundenbetreuung im süddeutschen Raum übernehme, was sich durch meinen Wohnort München anbietet. Ansonsten bin ich Lernender. So eine Rampe mag simpel wirken, doch es gibt zig Feinheiten bei Aspekten wie Tragfähigkeit, Hydraulik oder Bodenfreiheit, die es zu beachten gilt. Ganz zu schweigen von den vielen Vorgaben und Normen, die uns das Leben nicht gerade erleichtern. Auch wenn ich hier auf dem Betriebsgelände aufgewachsen bin, lerne ich noch immer jeden Tag hinzu.

Mit der Sie sich ja auskennen müssen. Daher nachgefragt: Revolutioniert die Elektronik Ihre Branche?
JB:
Die Elektronik wird auf jeden Fall wichtiger. Es gibt Hotels, die senden ihren Gästen nach der Buchung einen Code aufs Handy, mit dem sie ins Zimmer kommen können. Einchecken entfällt. Oder nehmen Sie unsere multifunktionale Türverriegelung für Mehrfamilienhäuser. Da ist nachts oft die Haustür verriegelt. Kommen spät Gäste, mussten die Bewohner bislang mit dem Schlüssel runterlaufen und aufmachen. Jetzt können sie von oben per Knopfdruck entriegeln und wieder schließen.

Und dann spricht der Kunde Sie doch erst mal auf das 4:4 des HSV gegen Juventus Turin in der Champions-League- Saison 2000 an.
JB:
Wenn mein Gesprächspartner Fußballfan ist, kommt das vor, was absolut okay ist. Wobei ich kein großer Geschichtenerzähler bin, der eine Anekdote nach der anderen raushaut.

Helfen Name und Vergangenheit trotzdem, Aufträge zu angeln?
JB:
Kann ich mir nicht vorstellen. Klar ist es ein schöner Gesprächseinstieg, über Fußball zu sprechen. Aber danach? Wir verkaufen ja keinen Klimperkram. Unsere Maschinen sind massiv gebaut, Handwerksarbeit made in Germany, häufig individuell auf die Ansprüche der Kunden wie BASF, Audi, BMW oder Bayer abgestimmt. Preislich bewegen wir uns da schnell im hohen sechsstelligen Bereich. Und die investiert kein Unternehmer, nur weil er mich mal in der Champions League oder bei einer WM hat spielen sehen.

Und andersherum: Müssen Sie erst einmal beweisen, dass Sie von der Materie etwas verstehen?
JB:
Bewusst testen die Kunden mein Fachwissen sicher nicht. Das ist auch nicht nötig, da bei der Suche nach technischen Lösungen viele Fragen auftauchen, auf die der Kunden gerne Antworten hätte. Die muss ich liefern.

Aus finanziellen Gründen müssen Sie sich dieser Herausforderung vermutlich nicht stellen.
JB:
Oha, eine Geldfrage? Ich hoffe, Sie möchten mich jetzt nicht anpumpen.

Keine Sorge, ich meine nur, dass Sie kein Kicker à la George Jest sind. Dessen legendären Satz kennen Sie?
JB:
„Ich habe viel Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Und den Rest habe ich verprasst.“ Schöner Spruch – der aber in der Tat nichts mit mir zu tun hat. Meine Eltern haben stets Wert darauf gelegt, dass Schule vor Fußball geht. Noch 1995, mit 21 Jahren, habe ich Felix Magath und dem HSV abgesagt, um meine Ausbildung zum Großhandelskaufmann zu beenden. Und auch während des Profi-Daseins habe ich stets darauf geachtet, meine finanziellen Angelegenheiten fest im Griff zu behalten.

Anders als so mancher Kollege, zumindest liest man häufig von Ex-Profis in finanziellen Nöten. Ihre Erklärung?
JB:
Zunächst heißt nicht jeder Profi Thomas Müller oder Bastian Schweinsteiger. Die meisten Bundesligaspieler beziehen kein hohes siebenstelliges Jahresgehalt, ganz zu schweigen von den Spielern in der Zweiten und Dritten Liga, die ebenfalls Profis sind. Zudem sind Fußballer eben junge Menschen. Themen wie Altersvorsorge, Zusatzrente oder Lebensversicherungen stehen da nicht so hoch im Kurs.

Wie schafft man Abhilfe?
JB:
Das Umfeld spielt eine große Rolle. Wohl dem, der von Familie, Freunden oder Beratern in Geldfragen gute Tipps bekommt. Unabhängig vom Kontostand muss sich eh jeder Sportler überlegen, was er nach dem Karriereende anstellen möchte. Man kann ja nicht 30, 40 Jahre auf der Couch herumsitzen! Insofern bin ich sehr froh, in unserem Familienunternehmen eine Aufgabe gefunden zu haben, die mir neue Erfahrungen ermöglicht und viel Freude bereitet.

Auch ohne „Butt, Butt, Butt“-Sprechchöre zur Begrüßung.
JB:
Richtig, ein Moin reicht vollkommen aus.

Fotos: Thorsten Springer/Action Press
Interview: Alexander Schmolke

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