Positionen-Magazin
Inter­view mit Gün­ther Nubert

Reden wir über Sicher­heit – mit Gün­ther Nubert

Die Welt ist nicht gerecht: 2011 brannte es beim deutschen Lautsprecher-Bauer Nubert. Im Frühjahr dieses Jahres zerstörte Starkregen nun das Lager. Firmengründer und Boxen-Tüftler Günther Nubert über sein langes Eheleben mit der Elektrotechnik, abgebrannte Sicherheitskopien und seine lukrative Lebensversicherung

Lässt sich bei Lautsprechern die Qualität überhaupt noch verbessern?
Günther Nubert: 
Auf jeden Fall! Wir steigern ständig die Klangqualität. Fortschritt zeigt sich auch bei den bassgewaltigen Boxen. Die waren vor zehn Jahren so groß wie Kühlschränke. Heute brauchen sie bei gleicher Qualität nur noch den halben Platz.

Wer kauft heute noch solche Boxen?
GN: Unsere Kunden sind zwischen 40 und 60 Jahre alt – zu 90 Prozent Männer, die sich für hochwertige Klangwiedergabe begeistern.

Wie sind Sie darauf gekommen, Geld mit dem Bau von Boxen zu verdienen?
GN: Ich begeisterte mich schon mit 14 Jahren für Elektroakustik. Als Schüler baute ich Boxen für Kumpels und testete immer neue Variationen, um den Klang möglichst klar wiederzugeben.

Das Hobby wurde zum Beruf?
GN: So ungefähr. Ein Kunde, der kein Geld hatte, hat mich mal mit einer halben Lastwagenladung Plattenspieler bezahlt. Das war mein Einstieg als Händler. Offiziell habe ich die Firma 1975 gegründet. In der ersten Zeit waren wir eine Handvoll Leute. Alles Typen, die nur für Lautsprecher und Musikwiedergabe gelebt haben. Wir haben oft 80 Stunden in der Woche an neuer Technik getüftelt. Schon damals verwendeten wir nur hochwertige Komponenten, auch wenn es zulasten der Marge ging. Das ist noch heute Teil unseres Erfolgsrezepts. Kein Mitbewerber ist so verrückt.

Haben Sie als junger Gründer schon an Ihre Altersvorsorge gedacht?
GN: Nein, ich war überzeugt von meiner Gesundheit. Im Laufe der Jahre habe ich allerdings rund 15 Lebensversicherungen abgeschlossen, die in die Tilgung von Krediten eingebunden waren. Die Banken hatten das so verlangt. Eine davon hat mir vor Kurzem eine hübsche Auszahlung beschert.

Ihre Firma ist lange stetig gewachsen. Dann kam das Jahr 2011 …
GN: Ein altes Kabel, das durch den Serverraum ging, hatte sich entzündet. Ein Feuer brach aus und zerstörte große Teile unseres Firmengebäudes. Die Geräte im Serverraum wurden zum Teil schwer beschädigt. Dabei wurden auch sämtliche Dateien mit Kundendaten vernichtet. Auch die dazugehörigen Sicherheitskopien waren hinüber. Kundendaten sind für uns lebenswichtig. Wir haben nur drei Verkaufsräume und machen den größten Teil des Geschäfts über den Versandhandel.

Was haben Sie unternommen?
GN: Wir hatten Glück im Unglück. Es gab eine weitere Sicherungsdatei mit den Kundendaten auf einem Gerät, das sich in meinem erst kurz vorher fertiggebauten Privathaus befand. Wäre das nicht so gewesen, hätten wir schließen müssen.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie wieder arbeitsbereit waren?
GN: Wir haben innerhalb weniger Tage passende Computer gefunden. Nach einer Woche lief das System, und der Versandhandel konnte wieder starten. Den Gesamtschaden von 1 Million Euro haben wir über unsere Versicherung geregelt. Die Firma war ja in einem guten Zustand und hat Geld abgeworfen. Die Aufbauarbeiten haben allerdings einige Zeit gedauert.

Aber damit war Ihre Pechsträhne noch nicht zu Ende.
GN: Nein. Am 30. Mai dieses Jahres kam Starkregen. Die Wassermassen, die vom Berg herunterströmten, fluteten in unsere Lagerräume, die voll waren mit Lautsprechern und anderen Geräten. In einem 2,50 Meter hohen Lager stand das Wasser 1,70 Meter hoch. Alles war hinüber. Der gesamte Schaden betrug 2,5 Millionen Euro.

Waren Sie ausreichend versichert?
GN: Die Schäden im Verwaltungsgebäude waren versichert, die in dem externen Lager allerdings nicht. Es liegt nahe der Rems, dem Flüsschen, das durch Schwäbisch Gmünd führt, und war nur teilweise gegen Hochwasser versichert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer derartigen Flut kommen könnte, erschien uns verschwindend gering. Deshalb sind wir das Risiko eingegangen – und hatten Pech. Zumal die Firma nächstes Jahr in einen Neubau weitab vom Fluss zieht, da hätten wir das alte Lager sowieso aufgelöst.

Und die wirtschaftlichen Schäden?
GN: Wir waren zum Glück in der Lage, den ungedeckten Teil des Schadens selbst zu zahlen. Wochenlang konnten wir allerdings kaum etwas verkaufen, weil uns die Lagerräume fehlten. Das hat wiederum unsere Zulieferer in Not gebracht, denen wir mit Krediten unter die Arme greifen mussten. Mittlerweile freuen sie sich. Die Ware, die vernichtet wurde, bestellen wir nun neu nach. Dadurch verkaufen sie unterm Strich mehr.

Wie haben Ihre Kunden reagiert?
GN: Unterschiedlich. Einige haben gewartet, bis wir wieder liefern konnten. Andere haben sich für Produkte von Wettbewerbern entschieden.

Entwickeln Sie selbst noch neue Boxen?
GN:
 Ich sitze nach wie vor viele Stunden im Entwicklungslabor und kann mir das auch nicht anders vorstellen.

Bleibt da Zeit für das Privatleben?
GN: Heute ja. Die ersten 25 Berufsjahre war ich allerdings mit der Elektrotechnik verheiratet. Als ich 45 Jahre alt war, habe ich dann meine Frau kennengelernt und meine Arbeit in der Firma ein bisschen eingeschränkt. Unser ältester Sohn ist jetzt 22 und studiert.

Was denn?
GN: Elektrotechnik.

Text: Heimo Fischer
Fotos: Thomas Sing

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