Positionen-Magazin
Kolumne Nita Madhav & Ben Oppen­heim

Pan­de­mie­ver­si­che­rung: Nicht ein­fach, aber mach­bar

Pandemie-Absicherungen zu entwickeln ist anspruchsvoll, aber möglich. Die Corona-Krise wird nicht die letzte ihrer Art gewesen sein. Kluge Entscheidungen müssen her, schreiben Nita Madhav und Ben Oppenheim vom US-Pandemie-Modellierer Metabiota.

Covid-19 ist die dritte Pandemie des 21. Jahrhunderts; es wird sicher nicht die letzte sein. Die nächste Pandemie wird dieser wahrscheinlich nicht ähneln, ebenso wenig wie Covid-19 der pandemischen Grippe von 2009 oder dem Zika-Virus ähnelt, die zwar globale Ereignisse waren, aber nicht systemisch schädlich. Der allgemeinere Punkt ist, dass nicht alle Pandemien ein systemisches Risiko darstellen und dass kleinere Epidemien immer noch ernsthafte (wenn auch geografisch begrenzte) Schäden verursachen können. Diese Tatsache unterstreicht sowohl die Notwendigkeit einer Pandemieversicherung als auch ihrer finanzielle Tragfähigkeit. Das Risiko lässt sich modellieren, bepreisen und managen – selbst mit den heute verfügbaren Instrumenten. Es wird nicht einfach sein. Es wird Innovation erfordern. Aber es ist machbar. Und sowohl die Regierungen als auch der private Sektor müssen dabei eine entscheidende Rolle spielen.

Der wichtigste Ansatz, den Regierungen derzeit verfolgen, besteht darin, einen öffentlichen Rückversicherer als letzte Instanz hinter die privaten (Rück-)Versicherer zu setzen. Dies wird für die Schaffung eines privaten Marktes von entscheidender Bedeutung sein. Ohne staatliches Eingreifen wird sich die Pandemieversicherung vermutlich nur langsam und schrittweise entwickeln – vielleicht zu spät für die nächste globale Seuche. Und einige Pandemiebedrohungen, wie etwa die neuartige Grippe, stellen echte systemische Risiken dar, die mit vielen verschiedenen Versicherungszweigen und Branchen korrelieren. 

Der Prozess der Entwicklung einer Pandemieversicherung wird iterativ und experimentell

Die Regierung wird gebraucht werden, um einen solchen Schlag abzufangen. Auch der Privatsektor kann eine wichtige Rolle spielen. Wie genau diese aussehen könnte, wird sich noch zeigen, doch die Mischung aus früheren Erfolgen (wie Pool Re für Terrorismus in Großbritannien oder CCR für Dürre und Überschwemmung in Frankreich) und Misserfolgen (wie die Überschwemmungspolice in den USA) legt nahe, dass der Prozess der Entwicklung einer Pandemieversicherung iterativ und experimentell sein wird. Dieses Experiment sollte sich an einigen Schlüsselprinzipien orientieren. 

Erstens gilt es, einen Anstoß zu geben. Versicherungen können Anreize für klügere Entscheidungen bieten. Sie können Unternehmen anregen, sich auf Pandemierisiken vorzubereiten. Ein Pandemieplan oder eine flexible Lieferkette könnten durch die Versicherer mit einer Risikobeteiligung, höheren Versicherungssummen oder niedrigeren Prämien belohnt werden. Um dem Ziel der gesellschaftlichen Resilienz zu dienen, sollte eine Epidemieversicherung zudem sowohl für kleine als auch für große Unternehmen sowie für verschiedene Sektoren mit unterschiedlichen Risikoprofilen verfügbar sein. Es ist heute unmöglich, Covid-19 zu ignorieren, aber eines Tages wird die Pandemie enden. Das Muster nach Epidemien war bisher, von der Panik direkt zur Gleichgültigkeit überzugehen, oft mit erstaunlicher Geschwindigkeit. Hier können Versicherer entgegenwirken. Wenn das Risiko quantifiziert und bepreist wird, ist es weit weniger angenehm, es zu ignorieren. Das ist wohl der wichtigste Grundsatz: Nicht vergessen, sondern vorbereitet sein.

 

Diese Kolumne gibt die Meinung der Autoren wieder, die sich nicht mit der des GDV decken muss.
Illustration: Jacqueline Urban

Auch inter­essant