Positionen-Magazin
Auto­no­mes Fah­ren

Mensch vor Maschine

Autonomes Fahren: Selbststeuernde Autos gelten als das Mobilitätskonzept der Zukunft. Aber wann darf der Fahrer die Verantwortung wirklich ganz an den Computer abgeben? Der GDV und namhafte Experten fordern klare Regeln.

Udo Di Fabio sitzt gern selbst hinterm Lenkrad. Doch der Spaß hat Grenzen. „Wer im Stau steckt, bei Nieselregen oder spät nachts unterwegs ist, der sehnt sich geradezu nach automatisiertem Fahren“, sagt der frühere Bundesverfassungsrichter im „Positionen“-Interview. Der Vorsitzende der Ethikkommission, die Leitlinien für das Steuern per Autopilot entwickelt hat, tritt aber dafür ein, den Menschen niemals ganz vom Fahren auszuschließen. Seine Zielvorstellung sei ein Nebeneinander von Mensch und Maschine. 

Der Fahrer müsse stets die Wahl haben, selbst zu fahren oder sich dem System zu überlassen. Für diese Aufgabenteilung fordern die deutschen Versicherer klare Regeln:  „Für den Fahrer eines automatisierten Autos muss jederzeit erkennbar sein, was sein Auto leistet und in welchem Maß sich der Fahrer anderen Dingen widmen darf“, sagte Wolfgang Weiler auf einer GDV-Konferenz zum automatisierten und vernetzten Fahren.

Bevor automatisierte Systeme auf den Markt kommen könnten, so der GDV-Präsident, müssten sie so ausgereift sein, dass der Fahrer nur noch selten eingreifen müsse, er genug Zeit für eine Reaktion habe und das Auto auch ohne seine Hilfe sicher zum Stehen komme. „Solange etwa die Sensoren schon durch schlechtes Wetter außer Gefecht gesetzt werden können, darf die Technik dem Fahrer nicht die Fahraufgabe abnehmen“, mahnte Weiler.

Bündnis für freien Datenzugang

Dass eine zu frühe Automation neue Gefahren schafft, glaubt auch Mark Vollrath, Professor an der TU Braunschweig. Würden dem Fahrer mehr und mehr Aufgaben abgenommen, leide seine Aufmerksamkeit. „Automatisiertes Fahren führt zu Langeweile“, sagte der Experte für Verkehrspsychologie. Dadurch lasse sich ein Fahrer leichter ablenken und wäre dann kaum noch in der Lage, in kritischen Situationen rechtzeitig die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen.

Geht es nach Di Fabio, muss die Selbstbestimmung der Autofahrer nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Umgang mit den Fahrdaten gewahrt bleiben. Der Nutzer eines vernetzten Autos erzeuge personenbezogene Daten und müsse selbst entscheiden können, was damit geschieht. Bisher wissen aber nur die Autokonzerne, welche Daten in einem vernetzten Auto entstehen, wo und für wie lange sie gespeichert und wofür sie genutzt werden.

Gegen dieses Datenmonopol der Hersteller hat sich eine breite Allianz formiert, der unter anderem Verbraucherschützer, freie Werkstätten, der ADAC und der GDV angehören. Ihr gemeinsames Ziel: die Fahrzeugdaten in die Hände der Autofahrer zu legen. Nur sie sollten die Kontrolle über ihre eigenen Mobilitätsdaten haben und frei entscheiden, ob und wenn ja wem sie welche Daten zur Verfügung stellen. ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker forderte dafür eine technische Lösung auf EU-Ebene. Die ideale Lösung sei eine standardisierte und diskriminierungsfreie Telematikplattform in jedem vernetzten Fahrzeug.



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