Es war Rückzugsort und politisches Zentrum zugleich: Von seinem Wohnhaus in Rhöndorf aus hat Konrad Adenauer die Anfänge der Bundesrepublik geprägt. Beim Gebäude dachte der Kanzler praktisch – das gilt für den Regenschutz genauso wie für die Hausratspolice.

Es hat etwas Versöhnliches, wenn die Großen der Geschichte dieselben Träume träumen wie wir Normalsterbliche. Als Konrad Adenauer 1937 ein Haus für seine Familie plante, da sehnte er sich nach einem Rückzugsort im Grünen, gern mit schöner Aussicht. Bodenständig und behaglich sollte das Haus sein, zugleich aber standesgemäß. Immerhin blickte der damals 61-Jährige auf eine beachtliche politische Karriere zurück, im Kaiserreich ebenso wie in der Weimarer Republik. Erst die Nationalsozialisten hatten sie zu einem jähen Ende gebracht.

Anders als viele Normalsterbliche besaß der frühere Oberbürgermeister von Köln die Mittel, um seinen Traum zu verwirklichen. Für stattliche 56.000 Reichsmark entstand in Rhöndorf unweit von Bonn an einem Hang über dem Rhein ein zweigeschossiger Bau mit 500 Quadratmetern Nutzfläche und traumhaftem Panoramablick. An den Klimawandel oder Starkregentrends dürfte Adenauer keinen Gedanken verschwendet haben. Trotzdem bezog er das Wetter in die Bauplanung ein: Die Außenwände erhielten einen Sockel, der den weißen Putz vor Regenwasserspritzern schützt. Zudem legte Adenauer „größten Wert“ auf ein Regendach über den Hauseingängen, wie es in einem Buch der Stiftung heißt, die dort heute ein Museum betreibt.

In Rhöndorf empfängt Adenauer de Gaulle, an den Wänden hängt ein Gemälde von Churchill

Als Adenauer nach dem Krieg seine zweite politische Karriere startete und 1949 Bundeskanzler wurde, entwickelte sich das Haus zu einem geschichtsträchtigen Ort. Adenauers Arbeitstage begannen für gewöhnlich am Schreibtisch in Rhöndorf, bevor ihn der Chauffeur an seinen Dienstsitz im Bonner Palais Schaumburg fuhr. Der Kanzler wusste die familiäre Atmosphäre des Hauses im Zennigsweg 8a auch für politische Empfänge zu nutzen, allen voran den des französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle 1962. Herzensprojekte wie die deutsch-französische Aussöhnung und die Einbindung der Bundesrepublik in die westliche Wertegemeinschaft trieb Adenauer von Rhöndorf aus voran.

Der Wert des Hauses und seines Interieurs wuchs mit der Zeit, auch weil Politiker aus aller Welt Adenauer mit Geschenken bedachten. Noch heute hängt dort etwa ein Gemälde aus der Hand des britischen Premierministers Winston Churchill, das eine antike Tempelruine zeigt. Adenauer trug dem Rechnung, indem er eine Hausratspolice bei der Colonia – Kölnische Versicherungsanstalt abschloss. Ein vergilbtes Dokument von 1956 aus dem Archiv der Stiftung zeigt, dass die Versicherungssumme von zunächst einer Million D-Mark stufenweise auf zwei Millionen erhöht wurde.

Die Lage am Hang ist heikel: Die Rutschsicherheit wurde nach der Flut vom Juli 2021 überprüft

Seit eine bundesunmittelbare Stiftung das Haus 1967 von Adenauers Erben übernommen hat, ist es nicht mehr versichert, der Staat kommt für etwaige Schäden auf. Vorsorge betreibt man dennoch: Die Rutschsicherheit des Hangs etwa wird regelmäßig überprüft, auch nach der Flutkatastrophe vom Juli. Man mag darüber streiten, ob das Haus im Sinne des Titels dieser Artikelreihe „schön“ ist. Doch selbst wer mit der bürgerlichen Architektur fremdelt, wird sich mit dem anfreunden, wofür das Haus steht: Es ist ein Ort, der über Adenauer aufklärt, ohne ihn zu verklären, ein Ort der Besinnung auf Deutschlands demokratische Traditionen. Damit darf es zweifellos zu den schönsten Versicherungssachen der Welt gerechnet werden.

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Text: Volker Kühn​​​​​​​

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