Laubengemeinschaft: Das Glück im Leben von Margret Konradt trägt knackfrische Namen: Kohlrabi, Zwiebel und Bohne, Kartoffel, Mangold und Melone – wenn sie das Obst und Gemüse aufzählt, das sie in ihrem Kleingarten im brandenburgischen Eberswalde anbaut, kann man es förmlich schmecken. Ihr Glück trägt aber auch liebliche Namen – es sind die von Narzisse und Tulpe, von Pfingstrose und Mohn, deren Blüten in ihrem 300-Quadratmeter-Garten leuchten.

Seit 25 Jahren beackert sie die Parzelle. Sie sät und erntet, wässert die Rabatten, arrangiert Tonkrüge an einem Teich zu einem hübschen Ensemble und hält den Zwei-Zimmer-Bungalow samt Küche und Bad in Schuss. Ihr Yorkshire-Terrier Toby weicht ihr dabei nicht von der Seite.

Kleingärten sind begehrt: In Berlin warten Interessenten bis zu fünf Jahre darauf

Die 70-Jährige ist damit eine der gut 900.000 Kleingartenbesitzern in Deutschland. Allein in Berlin zählt der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde mehr als 66.000 Kleingärten, die zu über 700 Vereinen gehören. Für Neuinteressenten werden sogar Wartelisten geführt; drei bis fünf Jahre kann es dauern, bis ein Bewerber eine Laube ergattert. Und auch wenn das Angebot in den ostdeutschen Flächenländern die Nachfrage übersteigt, steht fest: Was 1865 in Leipzig mit dem ersten Kleingarten begann, hat sich zu einer Massenbewegung entwickelt.


Trotzdem haftete dem Kleingarten, je nach Region auch als Schrebergarten, Laube oder Datsche bekannt, lange eine gewisse Piefigkeit an. Er wurde als Gartenzwergbiotop für Spießbürger abgetan. Spätestens seit Fernsehshows die schönsten Kleingärten des Landes küren und opulente Bildbände neue Hipster-Gärten feiern, ist das aber mehr Klischee als Realität. Gärtnern liegt im Trend, und gerade in Großstädten mit ihren explodierenden Immobilienpreisen gibt es kaum eine günstigere Möglichkeit, an ein eigenes Stückchen Land zu gelangen. Die Pacht liegt je nach Größe und Lage in der Regel nur bei wenigen Hundert Euro im Jahr. Die Reisebeschränkungen infolge der Corona-Pandemie dürften den Reiz eines grünen Fluchtpunkts am Rand der eigenen Stadt weiter erhöhen. Datsche in Brandenburg statt Strand in Dalmatien.

Bei Schäden durch Hagel oder einen Brand springt die Versicherung ein

Margret Konradt jedenfalls hat sich mit ihrem Kleingarten in Eberswalde einen Traum erfüllt. Hier hat sie auch das größte Glück in ihrem Leben getroffen: ihren Mann Andreas Hartmann, den sie vor drei Jahren geheiratet hat. Die beiden verbringen so viel Zeit wie möglich im Kleingarten. Natürlich haben sie ihn gut versichert.

Üblicherweise liegt die Versicherungssumme für eine Laube und ihr Inventar im Fall von Sturm und Hagel, Einbruch oder Feuer bei 8000 Euro – rund 5000 Euro für das Häuschen, 3000 für die Gegenstände darin. Wer größere Werte in der Laube hat, kann natürlich auch höhere Summen vereinbaren.

Text: Volker Kühn

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