Positionen-Magazin
Reden wir über Sicher­heit mit Hob­by­im­ker Heinz Pöker

Bie­nen­klau: „Die Auf­klä­rungs­quote geht gegen Null“

Vor den Stacheln seiner Bienen hat Heinz Pöker keine Angst. Im Gegenteil, der Imker hat das Gefühl, dass Bienengift in kleinen Dosen seinem Immunsystem sogar gut tut. Was ihm dagegen wirklich zusetzt, sind Diebe.

Bienendiebstahl ist seit Jahrzehnten ein Problem. Beim Hamburger Assekuradeur Gaede & Glauerdt, der mit seiner Imkerversicherung unter anderem die Landesverbände des Deutschen Imkerbunds versichert, gehen jedes Jahr Hunderte Bienendiebstahlmeldungen ein. 320 waren es 2017, 266 im vergangenen Jahr, und auch in diesem Jahr sind bis zum Sommer bereits mehr als 220 Meldungen eingegangen. Die Schadenszahlungen liegen im sechsstelligen Bereich und decken doch nicht einmal die tatsächlichen Verluste ab. Sowohl die Imkerversicherer als auch Pöker sind sich sicher: Bei den Dieben handelt es sich um Profis. Für Laien wäre ein solcher Raubzug viel zu gefährlich, sagt der Hobbyimker bei einem Treffen auf seinem Grundstück. Wenige Meter weiter schwirren die Bienen aus 15 Völkern umher.

Herr Pöker, wie war das, als Sie festgestellt haben, dass hier Diebe eingedrungen sind?
Heinz Pöker: Dass etwas nicht stimmt, habe ich schon gemerkt, als ich vor dem Tor aus dem Auto ausgestiegen bin. Die Bienen haben so hektisch gesummt. Wenn man seine Bienen kennt, dann hört man so etwas sofort. Die waren nicht gut drauf! Auf dem Grundstück habe ich dann gesehen, was passiert war: Die Diebe hatten die Königinnen gestohlen, mit denen ich nächstes Jahr neue Völker gründen wollte. 

Dabei ist das Grundstück durch einen Zaun gesichert.
HP: Ja, aber der ist kein echtes Hindernis, wenn es jemand darauf anlegt. Und das Schild, das vor der Videoüberwachung des Grundstücks warnt, schreckt auch niemanden ab. Dass hier in Wirklichkeit keine Kamera hängt, merkt man schnell. Außerdem wäre es auch aus datenschutzrechtlichen Gründen heikel, wenn ich hier tatsächlich filmen würde. Vermutlich waren die Diebe vorher schon mal hier und wussten das.

Warum glauben Sie das?
HP: Das Gelände liegt zwar ziemlich ab vom Schuss, aber dass hier Bienen sind, ist kein Geheimnis. Manchmal halten wir vom Verein hier Schulungen ab. Was mich so ärgert, ist, dass es einer von uns Imkern gewesen sein muss. Vermutlich nicht aus unserem Verein, aber auf alle Fälle jemand, der sich mit der Materie auskennt. Laien trauen sich doch nicht an die Körbe heran. So was macht einen richtig misstrauisch. Neulich ist ein Auto mit Cloppenburger Kennzeichen auf den Feldweg hier eingebogen. Der Fahrer muss hierher gewollt haben, der Weg führt ja sonst nirgendwo hin. Als er mich gesehen hat, hat er gewendet und ist abgezischt. Was wollte der hier? Das Gelände auskundschaften? Klauen?


Sind Sie nach dem Bienendiebstahl zur Polizei gegangen?
HP: Natürlich! Schon deshalb, weil die Versicherung sonst nicht bezahlt. Das ist eine Menge Papierkram. Aber geschnappt werden die Diebe so gut wie nie. Was sollen die Polizisten auch machen? Die Bienenkörbe stehen meist irgendwo abgelegen in der Natur, da gibt es keine Zeugen, und die Täter haben leichtes Spiel. Man kann zwar GPS-Tracker für die Bienenkörbe kaufen, aber das wissen natürlich auch die Diebe und bauen sie aus. Wenn man eine Kamera aufstellt, wird sie entweder abgedeckt oder auch gestohlen. Die Aufklärungsquote geht gegen null.

Warum haben die Diebe Ihnen nur die Königinnen gestohlen, keine ganzen Völker?
HP: Vermutlich wollten sie neue Völker nachzüchten, genauso wie ich es mit den Königinnen vorhatte. Wir haben schon Sommer, die Imkersaison ist fast vorbei. Zu dieser Zeit ziehen die Völker keine neuen Königinnen, und zum Kauf werden sie auch nur selten angeboten. Vielleicht war der Dieb aber auch allein und konnte nicht mehr mitnehmen. Eine Königin in einer Brutwabe wiegt fast nichts, aber um die schweren Körbe zu stehlen, braucht man mindestens zwei Mann und ein entsprechendes Fahrzeug oder einen Anhänger. Augenblick mal, Sie haben da eine Biene im Haar! (Mit einer geschickten Bewegung nimmt Pöker das aufgeregt summende Tier aus den Haaren des Reporters) Die war ein bisschen auf Krawall gebürstet.

Sie tragen ein kurzärmliges Hemd. Ziehen Sie nie Schutzkleidung an?
HP: Doch, wenn ich merke, dass es nötig ist, dann schon. Vor einem Gewitter zum Beispiel sind die Bienen manchmal aggressiver. Aber grundsätzlich habe ich keine Angst vor einem Stich. Wenn tausend Bienen um mich herumsummen und ich in meinem Liegestuhl liege, kann ich wunderbar schlafen. Außerdem werde ich viel seltener krank, seit ich vor ein paar Jahren mit dem Imkern angefangen habe. Ich glaube, dass ein bisschen Bienengift das Immunsystem auf Trab bringen kann. Ich habe sogar gelesen, dass Imker seltener an Covid-19 erkrankt sein sollen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber vorstellen könnte ich es mir schon.

In Großstädten wie Berlin gibt es seit einigen Jahren immer mehr Hobbyimker. Erleben Sie das auch hier auf dem Land?
HP: Ja, es gibt einen echten Bienenboom in Deutschland. Die Leute lesen vom Insektensterben und wollen der Umwelt etwas Gutes tun. Das ist an sich auch eine prima Sache, aber manchen Interessenten, die sich bei uns im Verein melden, müssen wir die Sache leider wieder ausreden.

Warum?
HP: Weil es manchen nicht ums Imkern geht. Sie wollen einfach ein Volk haben, es irgendwo in den Wald stellen und die Bienen dann machen lassen. Viele glauben, damit etwas gegen das Insektensterben zu tun, aber man muss die Bienen pflegen, sonst verbreiten sich Krankheiten. Die Amerikanische Faulbrut zum Beispiel kann leicht die Völker von Imkern in großem Umkreis infizieren. Das ist eine gefährliche Tierseuche. Wenn sie ausbricht, dann richten die Veterinärbehörden richtige Sperrbezirke ein und untersuchen sämtliche Bienenbestände in der Gegend. Deswegen ist es wichtig, dass man sich als angehender Imker intensiv mit der Materie vertraut macht. Man übernimmt damit Verantwortung!

Am Tag nach diesem Gespräch meldet sich Pöker per Telefon. In seiner Stimme liegt Entrüstung.
HP:
Sie haben es schon wieder getan! Es ist nicht zu fassen!

Was? Sie wurden noch mal bestohlen?
HP: Nicht ich selbst, sondern eine Kollegin in unserem Verein. Ihr ist praktisch die ganze Honigernte aus den Beuten gestohlen worden. Wir waren heute schon bei der Polizei, um Anzeige zu erstatten. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die Diebe schnappt. Ich habe wirklich das Gefühl, dass es immer schlimmer wird!

Interview: Volker Kühn

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