Fast 70 Rennen in aller Welt absolvieren Radsportteams wie Katusha-Alpecin pro Jahr. Der Aufwand im Hintergrund der Wettkämpfe ist gewaltig – und wäre ohne Versicherungen kaum möglich. Dabei geht es um viel mehr als „nur“ um mögliche Stürze der Fahrer. Die Landschaft fliegt vorbei, der kühle Fahrtwind fließt über die Haut und am Ziel recken sich dem Fahrer die Hände Hunderter jubelnder Fans entgegen: Kein Wunder, dass Profis wie Marcel Kittel vom Team Katusha-Alpecin der Faszination des Radrennsports erliegen. Doch der Adrenalinrausch ist nicht ungefährlich. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in Rennen wie der Tour de France liegt bei knapp 50 Stundenkilometern, bei Abfahrten werden sogar fast 100 gemessen.

Dass Stürze böse enden können, liegt auf der Hand. Schließlich tragen die Fahrer nur ein dünnes Trikot, Lycrahosen und einen Helm, der mehr aus Öffnungen denn aus Material zu bestehen scheint.

Der gesamte Fuhrpark wird rund um den Globus transportiert

Mögliche Unfälle der Fahrer sind aber nur das offensichtlichste der vielen Risiken, die Rennteams meistern müssen. Was die Zuschauer entlang der Strecke oder am Fernseher oft nicht ahnen, ist der gewaltige Aufwand, der im Hintergrund der Rennen betrieben wird. Da ist etwa das enorme Pensum an Wettkämpfen und Reisetagen: Knapp 70 Rennen stehen beispielsweise im Jahreskalender von Katusha-Alpecin – von Spanien bis in die Vereinigten Arabischen Emirate, von Australien bis in die USA.

Bei jeder Reise gilt es, nicht nur die Fahrer und Betreuer an die jeweilige Destination zu bringen, sondern auch den gesamten Fuhrpark – und der besteht unter anderem aus sechs bis sieben Rädern pro Fahrer und je Saison sowie Ersatzteilen und Werkzeug.

Ohne passenden Versicherungsschutz wäre ein reibungsloser Ablauf des Rennbetriebs kaum möglich. Der Radsportweltverband UCI hat daher ein klares Pflichtenheft erstellt und überprüft die Teams jährlich. Sie müssen sicherstellen, dass mindestens die folgenden vier Sparten abgedeckt sind: Reisekrankenversicherung, Sportunfähigkeitsversicherung, Haftpflicht- und Todesfallversicherung. Zusätzlich muss jeder Profi eine Krankenversicherung im Heimatland sowie eine Altersvorsorge nachweisen.

Alles in allem beläuft sich allein die Deckungssumme der Versicherungen bei Katusha-Alpecin auf mehrere Millionen Euro. Allein in der Haftpflicht- und Todesfallversicherung sind es knapp über acht Millionen Euro.

Bei Sportinvalidität zahlen Versicherer bis zu 15 Millionen Euro

Jörg Scherf, geschäftsführender Gesellschafter des Sportversicherers SVL Sports, empfiehlt zudem eine individuelle Sportunfähigkeitsversicherung. Er betreut mit seinem Unternehmen unter anderem Marcel Kittels Team Katusha-Alpecin. Eine Sonderversicherung für seine schnellen Beine besitzt Kittel, immerhin Etappensieger bei der Tour de France, im Gegensatz zu manchen Stars in anderen Sportarten allerdings nicht. Aber, so Jörg Scherf: „Einige Topverdiener der Szene haben eine extra Sport- beziehungsweise Invaliditätsversicherung bei uns abgeschlossen. Versicherbar ist das Fünffache des Jahreseinkommens, was tatsächlich von einigen prominenten Sportlern auch ausgenutzt wird. Das kann dann sogar bis zu 15 Millionen Euro gehen.“

Text: Carola Felchner

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