Positionen-Magazin
Inter­view mit dem Debeka-Vor­stands­vor­sit­zen­den Uwe Laue

„Ver­trauen ver­die­nen“

Debeka-Vorstandsvorsitzender Uwe Laue über die Wichtigkeit der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung und den immensen Aufwand, den Versicherer dafür treiben müssen.

Herr Laue, die ab Mai geltende Europäische Datenschutz-Grundverordnung stärkt – und das erstmals EU-weit – die Rechte von Privatpersonen an ihren Daten. Ist das nicht eine gute Sache?
UL: Es ist richtig und wichtig, dass jede einzelne Person die Hoheit über ihre Daten behält. Dem Informationsbedarf und den Wünschen der Kunden kommen wir daher natürlich auch heute schon auf ganz verschiedene Weise nach, so auch bei der Wahrnehmung ihrer Betroffenenrechte im Datenschutz. Wenn die Prozesse vom Kunden her gestaltet werden – und das ist unser Anspruch –, ist die Erfüllung dieser Rechte selbstverständlich. Das ist aber bei den komplexen und in hohem Maße standardisierten Abläufen nicht immer einfach.

Versicherer sind immer besonders gefordert, wenn es um den vertrauensvollen Umgang mit persönlichen Kundendaten geht. Wie weit ist Ihr Unternehmen mit den Vorbereitungen?
UL: Wir haben bereits Ende 2015 mit der Analyse des damaligen Verordnungsentwurfs begonnen. Seit Anfang 2017 befinden wir uns in der Umsetzung der Handlungspakete und sind guter Dinge, diese bis Mai 2018 weitestgehend abschließen zu können.

Können Sie konkret werden? Wie groß ist der Aufwand, den die Debeka für die Umsetzung treiben muss?
UL: Allein mit der Gesetzesauslegung waren zehn Mitarbeiter des Konzerndatenschutzes über Monate beschäftigt. Zur Feststellung des Handlungsbedarfs wurden Gespräche und Workshops mit über 160 Mitarbeitern geführt. Zwischenzeitlich besteht ein Programm mit 14 Einzelprojekten, an denen Mitarbeiter nahezu aller Bereiche der Debeka beteiligt sind. Neben enormen internen Kapazitäten wird auf externe Anwälte und Projektleiter zurückgegriffen.

Zusätzliche Regulierung sorgt für mehr Kosten. Werden sich die Aufwände für die Datenschutz-Grundverordnung auch auf die Prämienhöhen auswirken?
UL: Wir können die Aufwände bisher nur schätzen, aber allein die Kosten für die Implementierung werden mehrere Millionen Euro betragen. Ob sich letztlich ein Anpassungsbedarf bei den Beiträgen ergibt, hängt vor allem von den laufenden Kosten für den Betrieb ab. Einen signifikanten Einfluss der Datenschutz-Grundverordnung auf die Prämien sehe ich aber derzeit nicht.

Was könnten EU und Bund besser machen, um effektiven Datenschutz sicherzustellen und gleichzeitig die Kosten für die Unternehmen in Zaum zu halten?
UL: Dazu fällt mir spontan vieles ein, ganz konkret bedarf es vor allem der Überarbeitung von Informationspflichten. Wir versenden jährlich mehrere Lkw-Ladungen mit Schreiben, die oft ungelesen bleiben. Das setzt sich fort, wenn die telefonische Entgegennahme von Schadenmeldungen erst einmal mit einer Belehrung über Datenschutzrechte beginnt. Hier bedarf es dringend der Nachbesserung und einer pragmatischen Gesetzesauslegung.

Haben Sie Hoffnung, dass Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden den Datenschutz eines Tages entschlacken? 
UL: Die Digitalisierung muss auch mit einer grundlegenden Debatte über den wirksamen Schutz von Persönlichkeitsrechten einhergehen. Die Privatwirtschaft muss mehr denn je unter Beweis stellen, dass sie gewissenhaft mit sensiblen Daten umgeht, und sich das Vertrauen der Verbraucher immer wieder verdienen. Wenn uns das nicht gelingt, werden die Sorgen und Ängste der Bürger vor der Digitalisierung sogar zunehmen. Dann steht zu befürchten, dass auch die Gesetzgeber ihren restriktiven Weg fortsetzen.

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