Positionen-Magazin
Reden wir über Sicher­heit mit dem größ­ten Zoo­händ­ler der Welt

„Fin­ger­na­gel gelocht“: Nor­bert Zajac arbei­tet mit exo­ti­schen Tie­ren

Norbert Zajac betreibt in Duisburg die größte Zoohandlung der Welt: Zoo Zajac. Seit mehr als 50 Jahren ist er umgeben von gefährlichen Tieren. Angst hat er trotzdem nicht – obwohl er durch das Gift eines seltenen Fisches fast gestorben wäre.

Herr Zajac, wann sind Sie das letzte Mal gebissen worden?
Norbert Zajac: Das ist schon ein paar Wochen her. Da hat mich ein kleines Krokodil gebissen und meinen Fingernagel richtig gelocht. Das war aber meine Schuld – ich hätte das Krokodil ja nicht mit der Hand füttern müssen.

Haben Sie keine Angst vor gefährlichen Tieren?
NZ: Ich habe eine Tetanus-Impfung, aber Angst habe ich nicht. Giftige Tiere wie Skorpione und Vogelspinnen greifen uns normalerweise nicht an. Die benutzen ihre Waffen nur zur Verteidigung. Wenn ich ruhig und besonnen agiere, besteht null Risiko. Wir haben hier auch eine fünf Meter lange Python, die allein durch ihre Kraft gefährlich ist. Wir Menschen gehören aber nicht zu ihrem Beuteschema. Die wird nur sauer, wenn jemand in ihr Revier eindringt. Wenn wir in den Käfig müssen, machen wir das zu dritt – und wir suchen uns einen Tag aus, an dem sie gut gelaunt ist.

Und es gibt wirklich Kunden, die sich ein solches Tier ins Haus holen?
NZ: Wir verkaufen jedes Jahr 20 bis 30 Stück, alle drei bis fünf Meter lang. Ich unterscheide zwischen Kuscheltieren und Beobachtungstieren. Ein Terrarium mit einer Vogelspinne oder einer Python ist ganz ähnlich wie ein Aquarium mit Fischen. Die streichelt auch keiner. Übrigens aus gutem Grund: Ich bin mal von einem extrem giftigen Rotfeuerfisch gestochen worden. Danach hatte ich drei Herzstillstände. Der Fisch ist ganz zufällig mit seinem Stachel in meinen Daumen gefallen. Das war ein Unfall, so etwas kann eben passieren.


Ihnen scheint so etwas öfter zu passieren. Sind Sie gut versichert?
NZ: Ich habe eine gute Krankenversicherung und eine gute Haftpflichtversicherung. Mehr brauche ich nicht. Ich habe zwar viele Macken am Körper, aber mit den meisten Sachen gehe ich nicht einmal mehr zum Arzt. Die meisten schweren Unfälle in Deutschland passieren ohnehin mit Pferden. Und mit denen handele ich nicht. Das ist mir zu gewöhnlich.

Für welche Tiere können Sie sich begeistern?
NZ: Wenn Sie einen Elefanten oder einen Delfin suchen, bin ich der richtige Ansprechpartner. Die habe ich zwar nicht im Laden, aber ich könnte sie bestellen. Ich darf alle Tiere dieser Welt handeln. Heute Morgen sind mir zum Beispiel Kängurus, Schwarzbären und ein Fleckenskunk angeboten worden. Ich selbst habe einen Kronenkranich verkauft. Wir haben immer mindestens 200.000 Tiere im Laden, von Blattschneideameisen über elektrische Aale bis zu Zwergseidenäffchen.


Wie stellen Sie sicher, dass Sie nicht an illegal gehandelte Tiere geraten?
NZ: Ohne Papiere kaufe ich nichts. Jedes Tier über 18 Zentimetern ist gechipt. Mit illegalen Kanälen habe ich gar keine Berührungspunkte. So etwas läuft fast immer auf Bestellung. Alle Tierhändler, die sich öffentlich darstellen, können solche illegalen Kanäle überhaupt nicht benutzen.

Wer sind denn Ihre Kunden?
NZ: Wir verkaufen an private Halter, an Züchter, an Zoos. Erst vor Kurzem hat ein Zoo aus Dänemark sechs Aras mitgenommen. Wir hatten auch schon mal einen Scheich, der seinen Angestellten hergeschickt hat, um Volieren für seltene Vögel zu kaufen. Den Hauptumsatz machen wir in der Aquaristik: mit Fischen, Aquarien und Zubehör. Aber es gibt auch Privatleute in Deutschland, die eher seltene Tiere haben wollen: ein Äffchen, ein Krokodil oder ein Faultier.

Kommt so etwas oft vor?
NZ: Wir verkaufen etwa 100 Krokodile pro Jahr, Faultiere sind viel seltener. Ich habe zwar zwei hier im Laden, die stehen aber nicht zum Verkauf - die beiden gehören zum Inventar. Als ich vor ein paar Jahren das letzte Mal eines verkauft habe, war sogar ein Fernsehteam dabei. Die Käufer haben ihr ganzes Haus umgebaut. Am Ende hat nicht das Faultier bei denen gewohnt, sondern die Halter beim Faultier.


Dürfte ich denn jedes Tier hier kaufen?
NZ: Aktuell ja. Es sei denn, einer meiner Verkäufer hält sie nicht für geeignet. Im Januar 2021 kommt in Nordrhein-Westfalen aber das neue Gifttiergesetz. Dann wird es eine Liste von Tieren geben, für die man eine Prüfung machen muss – quasi den kleinen Waffenschein für Haustiere. Und man braucht eine Haftpflichtversicherung, vor allem, weil die Kommunen die Feuerwehreinsätze bei ausgebüxten Schlangen nicht mehr bezahlen wollen. Das handhabt aber jedes Bundesland ein bisschen anders. In Hamburg, Berlin oder Hessen dürfen Sie noch nicht mal einen Leguan halten. Dabei sind die nicht gefährlicher als andere Tiere. Bei uns im Laden verursachen Frettchen die meisten Verletzungen.

Frettchen?
NZ: Ja, einige Kunden stecken den Finger in den Käfig. Frettchen sehen zwar possierlich aus, beißen aber in alles, was Fleisch ist – und lassen nicht mehr los. Das passiert so vier- bis fünfmal im Jahr, ist aber auch nicht allzu wild. Wir haben zumindest noch nie unsere Versicherung gebraucht. Wobei: Uns ist mal eine Praktikantin vom Hocker gefallen und hat sich die Schulter zertrümmert. Das war der einzig nennenswerte Haftpflichtschaden, der bei uns entstanden ist. Durch Tiere passiert nichts.

Text: Robert Otto-Moog

Auch inter­essant