Stellungnahmen
IFRS

Glo­ba­ler Bilanz­stan­dard auf der Ziel­ge­ra­den – Fort­schritt bei Nach­hal­tig­keits-Board

Die EU-Mitgliedsstaaten haben den Weg für die Übernahme des internationalen Rechnungslegungsstandards zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen (IFRS 17) frei gemacht. Die Treuhänder der IFRS-Stiftung schlagen wiederum die Einrichtung eines zusätzlichen Boards für internationale Nachhaltigkeits-Berichtsstandards vor.

Der Regelungsausschuss für Rechnungslegung (eng. Accounting Regulatory Committee, ARC) hat am 16. Juli 2021 dem Verordnungsentwurf der EU-Kommission zur Übernahme der IFRS 17 Versicherungsverträge zugestimmt. Damit können die neuen Bilanzierungsregeln fristgerecht ab dem 1. Januar 2023 angewendet werden. Auch eine frühere Anwendung des globalen Standards, für die sich der GDV eingesetzt hat, wäre auf EU-Ebene möglich.

Kompromiss bei Jahreskohorte

Den politischen Kompromiss auf EU-Ebene zur Bilanzierung von Verträgen mit Hilfe von Jahreskohorten trägt der Verband mit. Demnach sollen Versicherer bei bestimmten Vertragsarten selbst entscheiden können, ob sie von der kontrovers diskutierten Jahreskohorten-Pflicht im Standard auf EU-Ebene abweichen. Ob sich diese optionale Lösung („carve-out“) bewährt, soll die EU-Kommission in einem Review zum 31. Dezember 2027 überprüfen, und zwar im Zusammenspiel mit dem sogenannten Post-Implementation Review des IFRS 17, das durch das IASB auf globaler Ebene vorgenommen wird. Die deutschen Versicherer unterstützen den inhaltlich eingegrenzten und in zeitlicher Hinsicht vorübergehenden Charakter der Abweichung vom globalen Standard auf EU-Ebene.

Nach der Übermittlung des Kommissionsvorschlags an das EU-Parlament könnte die Übernahme von IFRS 17 in europäisches Recht noch bis Jahresende 2021 insgesamt abgeschlossen sein. Damit würde das globale Regelwerk für Konzernabschlüsse kapitalmarktorientierter Versicherer zum 1. Januar 2023 auch auf EU-Ebene verbindlich.

ISSB für internationale Standards beim Nachhaltigkeitsreporting

Parallel dazu gehen die Planungen der Treuhänder der IFRS-Stiftung zur Einrichtung eines International Sustainability Standards Boards (ISSB) voran. Aufgabe des ISSB soll sein, international einheitliche Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung zu erarbeiten – analog zum IFRS-Regelwerk des IASB für die finanzielle Berichterstattung.

Der GDV unterstützt die Initiative nachdrücklich – wichtig ist dabei zum einen, dass insbesondere die IFRS-Anwender die Möglichkeit haben, über die neuen Standards – die IFRS Sustainability Standards – ihren Stakeholdern weltweit vergleichbare Nachhaltigkeitsinformationen zur Verfügung stellen zu können. Zum anderen müssen die IFRS Sustainability Standards zu bereits relevanten und in der Praxis erprobten Berichtsstandards und relevanten Jurisdiktionen kompatibel sein. In diesem Zusammenhang sollte besonders auf die Regulierungsvorgaben der EU als Vorreiter im Bereich Sustainable Finance geachtet werden.

Auf Grundlage der erhaltenen Rückmeldungen der Stakeholder zur laufenden Konsultation soll bis Ende September 2021 ein finaler Vorschlag zur Einrichtung des ISSB erarbeitet und nach Möglichkeit bereits im November 2021 offiziell auf der UN-Klimakonferenz in Glasgow verkündet werden. Die ersten Standardsetzungs-Aktivitäten des neuen Boards im Bereich Klima sollen zeitnah noch im Jahr 2021 beginnen können. 

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