Kolumne
Kolumne Nied­rig­zin­sen

Zins­zu­satz­re­serve: Kon­struk­tive Reform zum rich­ti­gen Zeit­punkt

Das Bundesfinanzministerium hat die Berechnung der Zinszusatzreserve an die neue Zinsrealität angepasst – im Interesse von Versicherten und Versicherern.

Die Zinszusatzreserve (ZZR) bilden Versicherer angesichts des schwachen Zinsumfeldes. Sie rüsten sich damit, um alte Verträge mit höheren Garantien auch künftig problemlos bedienen zu können – selbst wenn die Niedrigzinsphase noch Jahre anhalten sollte. Dieses Vorgehen wurde schon im Jahr 2011 von unserer Branche selber vorgeschlagen, damit diese Reserve in angemessenen Schritten entlang ihrer Ertragskraft aufgebaut werden kann und nicht auf einen Schlag. Ein Vorgehen, das ich als ausgesprochen sinnvoll empfinde, erst recht, wenn ich zurückblicke.

Geänderte Verhältnisse erfordern geänderte Maßnahmen

Damals herrschte gleichsam noch ein Hochzinsumfeld. Die heute üblichen massiven Interventionen der Europäischen Zentralbank an den Anleihemärkten hätte sich wohl kaum jemand vorstellen können. Entsprechend wurde die Formel zur Berechnung der Zinszusatzreserve auf Basis ganz anderer Zinsszenarien aufgestellt, als die, die nunmehr eingetreten sind.

Das führte zuletzt dazu, dass Versicherer Jahr für Jahr immer höhere Beträge für die Zinszusatzreserve aufbringen mussten. Die ZZR hat sich in den letzten Jahren vom „Airbag“ zum Risikofaktor verkehrt: Lebensversicherer mussten immer höhere Summen für die Reserve aufwenden und dafür zunehmend langfristige Kapitalanlagen vorzeitig verkaufen – zum Nachteil auch der Kunden. Ohne eine Neuregelung der ZZR hätten Lebensversicherer allein in diesem Jahr weitere 20 Mrd. Euro aufbringen müssen – so viel wie nie zuvor.

Ich freue mich daher sehr, dass die uns sehr am Herzen gelegene Reform der Berechnung der ZZR in der vergangenen Woche endlich verkündet – und nun auch im Bundesgesetzblatt veröffentlicht worden ist. Damit können Versicherer die ZZR bereits für das laufende Jahr nach der neuen Methode berechnen.

Vom „Airbag“ zum Risikofaktor

Das ist nicht nur für unsere Branche, sondern auch für unsere Kunden eine gute Nachricht, denn: Die Sicherungsfunktion der ZZR bleibt auch nach der Anpassung voll erhalten. Die vorhandene Reserve von knapp 60 Milliarden Euro wird in den kommenden Jahren nicht weniger, sondern wächst weiter – aber in einem angemessenen Tempo. Lebensversicherer können die zugesagten Leistungen damit selbst dann noch erfüllen, wenn die von ihnen erwirtschafteten Kapitalerträge dauerhaft um einen Prozentpunkt unter der Verzinsung liegen sollten, die sie ihren Kunden versprochen haben.

Konstruktive Lösung statt ideologischer Fundamentalopposition

Wäre es bei der bisherigen Berechnungsmethodik geblieben, hätten Lebensversicherer in den kommenden fünf Jahren trotz steigender Kapitalmarktzinsen bis zu gut 130 Milliarden Euro in die ZZR einstellen müssen. Das hätte die Überschussbeteiligung für die Kundinnen und Kunden übermäßig belastet. Ab 2024 wäre die Reserve dann schnell wieder aufgelöst worden – und die Überschussbeteiligung entsprechend stark gestiegen. Diese Umverteilung zwischen den Versichertengenerationen ist nicht gewollt und wird durch die Neuregelung vermieden.

Übrigens: Auch Verbraucherschützer und eher als Kritiker unserer Branche bekannte Politiker haben die Änderung der ZZR unterstützt. Das ist ein erfreuliches Signal in einer Zeit, in der beängstigend oft eine ideologische Fundamentalopposition konstruktive Lösungen im Interesse aller verhindert.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

 

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