Kolumne
Kolumne Arbeits­platz der Zukunft

Wer mobil arbei­ten will, soll ein Auge auf Ver­si­che­rer wer­fen

Die Organisation der Arbeit ist ein Kern jedes Unternehmens. Damit verbunden ist die – freiwillige – Entscheidung, mobiles Arbeiten einzuführen und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Mein Plädoyer: Statt gesetzlicher Gleichmacherei lieber genug Raum für unternehmerische Gestaltung lassen.

Die geplante Versteigerung der 5G-Funkfrequenzen für den Mobilfunk der nächsten Generation steht kurz bevor: Das mobile Internet soll damit noch einmal deutlich schneller werden und völlig neue Anwendungen ermöglichen – ein nächster großer Schritt also in der fortwährenden Digitalisierung unserer Gesellschaft. Mit der Digitalisierung einher geht dabei auch eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitswelt. So will der Bundesrat am Freitag über einen Entschließungsantrag aus Nordrhein-Westfalen entscheiden, mit dem die Bundesregierung aufgefordert wird, das Arbeitszeitgesetz angesichts der zunehmenden Digitalisierung zu flexibilisieren.

Die Generation Y bewirbt sich nicht mehr automatisch – das Unternehmen bewirbt sich bei ihr

Neue Möglichkeiten der Arbeitsorganisation ermöglichen mehr Freiheit. Individuelle und private Bedürfnisse der Mitarbeiter lassen sich mit betrieblichen Belangen besser abstimmen. Statt eines prognostizierten massiven Abbaus von Beschäftigten ist ein Kampf um die besten Talente entbrannt.

Wer den Weg in die Zukunft mitgehen will, der muss multimedial denken, in den sozialen Netzwerken ebenso zu Hause sein wie im klassischen Versicherungsgeschäft und vor allem: Er muss den Kulturwandel wollen. Und der Kulturwandel nimmt Fahrt auf: mehr Trial and Error, Coworking-Spaces, gar ein hauseigenes Basketballfeld – die neue Arbeitswelt spiegelt unsere Branche im digitalen Umbruch wider.

Und wer die besten Köpfe gewinnen will, muss als Arbeitgeber überzeugen: Attraktive Kandidaten der Generation Y bewerben sich längst nicht mehr automatisch, das Unternehmen bewirbt sich bei ihnen. Dabei steht – auch in unserem Verband – oft die Frage im Raum: „Wie sieht es bei Euch mit mobiler Arbeit aus?“

Mit mobilen Arbeitsmöglichkeiten steigt die Attraktivität der Arbeitgeber. An welcher Stelle und wie ein Arbeitgeber attraktiv sein will, wird von den Unternehmen sorgsam abgewogen. Schließlich muss die Arbeitsorganisation zu der Betriebsorganisation passen – und die entspricht keiner Norm.


Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil würde der Gleichmacherei geopfert

Gesetzliche Regeln, die einen Rechtsanspruch auf mobiles Arbeiten konstituieren, würden das konterkarieren. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil, der im Kampf um die besten Köpfe in der unternehmerischen Praxis errungen wurde, würde der Gleichmacherei geopfert. Die Beschäftigten der Versicherungswirtschaft und ihre Arbeitgeber haben daran kein Interesse – nicht nur aus ordnungspolitisch guten Gründen.

Die Tarifvertragsparteien der Versicherungswirtschaft stehen, geführt durch den Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland, kurz vor Abschluss eines Tarifvertrages zum mobilen Arbeiten. Sie sind entschlossen ein Zeichen zu setzen: Wer mobil arbeiten will, soll heute und in Zukunft ein Auge auf die Versicherungswirtschaft richten.

Deshalb plädiert unsere Branche dafür, genug Raum für unternehmerische Gestaltung lassen. Die Organisation der Arbeit ist ein Kernbereich der unternehmerischen Gestaltung. Damit verbunden ist die – freiwillige – unternehmerische Entscheidung, mobiles Arbeiten einzuführen, die Marke des Unternehmens zu stärken und sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Die Praxis zeigt: Wo mobiles Arbeiten tatsächlich möglich ist, verweigern sich die Unternehmen nicht, sondern fördern dies im eigenen Interesse.

Es geht um mehr Flexibilität in beide Richtungen

Natürlich relativiert mobile Arbeit die Grenze zwischen Arbeitsplatz und Privatleben. Sie kann nicht mehr so klar gezogen werden, wie das früher einmal der Fall war. Das muss aber nicht negativ sein. Es geht nicht um ständige Erreichbarkeit, es geht um mehr Flexibilität in beide Richtungen. Wir haben während der Arbeitszeit Kontakt via WhatsApp mit dem schulpflichtigen Kind, sind aber auf dem Spielplatz auch mal für Nachfragen eines Kollegen oder Kunden zu sprechen.

Gesetzliche Reglementierungen würden diese individuellen Bedürfnisse und unternehmerischen Anforderungen in ein Korsett zwingen, das Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt. Das kann keiner wollen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite
Auch inter­essant