Kolumne
Kolumne Tag des Ein­bruch­schut­zes

Weit ent­fernt von einer Lösung des Pro­blems Ein­bruch

Verläuft das vierte Quartal nicht außergewöhnlich, werden wir in diesem Jahr weniger Einbrüche in Deutschland verzeichnen als 2017. Das zeigen die Daten der Versicherungswirtschaft bis September. Es wäre der dritte Rückgang der Schäden in Folge. Zeit, sich auf den Erfolgen auszuruhen? Wohl kaum…

Unter dem Motto „Eine Stunde mehr für mehr Sicherheit“ findet jedes Jahr im Herbst der „Tag des Einbruchschutzes“ statt. So auch an diesem Sonntag. Die dunkle Jahreszeit steht bevor – und damit auch die Hochsaison für Einbrecher.

Schon 2012 hat die Polizei mit zahlreichen Partnern die Kampagne KEINBRUCH gestartet. Die Versicherungswirtschaft ist von Beginn an dabei. Das Ziel: Die Bevölkerung für eine eigenverantwortliche Einbruchsvorsorge zu sensibilisieren, um damit letztlich einen Rückgang der Einbruchskriminalität zu bewirken.

Noch immer sind die Fallzahlen zu hoch

Und die Zahl der Einbrüche sinkt tatsächlich: Verläuft das vierte Quartal nicht außergewöhnlich, werden wir 2018 weniger Einbrüche in Deutschland verzeichnen als 2017. Das zeigen die Daten der Versicherungswirtschaft bis September. Verstetigt sich die positive Entwicklung, wäre das der dritte Rückgang der Schäden in Folge.

Für Einbrüche mussten die deutschen Versicherer schon im Jahr 2017 so wenig Schadenersatz leisten wie zuletzt vor acht Jahren. Rund 360 Millionen Euro betrugen die versicherten Schäden laut Hochrechnung, während sie in den letzten fünf Jahren im Schnitt jeweils rund eine halbe Milliarde Euro ausmachten. Im Vergleich zum Vorjahr betrug der Rückgang rund 20 Prozent.

Wer jetzt allerdings glaubt, sich auf den Erfolgen ausruhen zu können, unterliegt einer Illusion: Wir sind weit von einer Lösung des gesellschaftlichen Problems Einbruchdiebstahl entfernt. Schon vor gut einem Jahrzehnt dachten viele Hausbesitzer angesichts stetig sinkender Fallzahlen, dieser Trend würde fortbestehen. Wir alle wissen, wie sehr das Thema Einbruchskriminalität in den Folgejahren die gesellschaftliche und politische Diskussion bestimmt hat. Noch immer sind die Fallzahlen zu hoch, die Aufklärungsquoten zu gering.

Auch muss niemand vor dem Hintergrund der psychischen Belastungen, die mit einem Einbruch einhergehen, erst durch Schaden klug werden. Daher sind die Anstrengungen zur Verbesserung der Prävention konsequent fortzuführen. Auch wäre es Zeit, technische Mindeststandards für Türen und Fenster vorzuschreiben, damit guter Einbruchschutz bei Neubau und Sanierung zur Selbstverständlichkeit wird. Im Vergleich zu Nachrüstlösungen ist dies auch die wirtschaftlich sinnvollere Vorgehensweise.

7 Irrtümer, die Einbrechern das Leben erleichtern

Denn guter Einbruchschutz ist vergleichsweise einfach. Auf dem Verbraucherportal des GDV haben wir „7 Irrtümer, die Einbrechern das Leben erleichtern“ zusammengetragen. Irrtum Nummer 5: „Einbrecher können jede technische Sicherung überwinden.“ Von wegen: Rund 43 Prozent der Einbruchsversuche scheitern an eingebauter Sicherungstechnik. Haus- und Wohnungseinbrecher sind häufig Gelegenheitstäter, die sich durch gute mechanische und elektronische Sicherungen abhalten lassen.

Die Erfahrung zeigt: Diebe wollen sich schnell bedienen. Je mehr Hindernisse man dem Einbrecher in den Weg legt, umso seltener erreicht er sein Ziel. Fast 45 Prozent der Einbruchsversuche werden abgebrochen, wenn die Täter nicht schnell genug reinkommen. Wer seine Fenster und Türen nachrüsten möchte, kann dafür eine staatliche Förderung bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau beantragen. Zusammen mit einer intensiven Strafverfolgung und Aufklärung könnte dies die grundsätzlich positive Entwicklung der Einbruchzahlen fortschreiben.

Alle Fakten rund um das Thema Einbruch haben wir übrigens auch in einer Info-Grafik zusammengefasst. Unter dem Titel „Verkannte Gefahr“ trägt sie Fakten und Fehler zusammen. Denn die Risiken lauern vielfach dort, wo man sie am wenigsten erwartet.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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