Kolumne
Kolumne Nach­hal­tig­keit

Was der demo­gra­fi­sche Wan­del mit dem Kli­ma­wan­del gemein hat

Spätestens die Europa-Wahl hat klar gemacht: Parteien, Industrie, Medien oder auch Lobbyisten haben längst kein Monopol mehr auf das Agenda-Setting. Defizite bei der Kommunikation im digitalen Raum kann sich dabei niemand mehr erlauben.

Spiegel online schreibt Bemerkenswertes in der Analyse über den Ausgang der Europawahl: „Die Wahlbeteiligung … lag so hoch wie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. Rund 62 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch - so viele waren es zuletzt im Juni 1989. Damals stand die Berliner Mauer noch, nur die Westdeutschen konnten abstimmen.“

Das Wahlergebnis stärkt die Demokratie gleichermaßen, wie es den Zeitgeist widerspiegelt

Chapeau – über 400 Millionen EU-Bürgerinnen und Bürger durften, hatten die Chance, das Privileg zu wählen – und glücklicherweise haben sehr viele davon Gebrauch gemacht. Auch mit Blick auf Deutschland stärkt das Ergebnis die Demokratie gleichermaßen wie es den Zeitgeist widerspiegelt. Vor allem die junge Generation hat sich Gehör verschafft: Die Bewegung „Fridays for Future“ ist weltweit noch einmal ganz „analog“ auf die Straße gegangen. Greta Thunberg, das 16 Jahre alte Mädchen an der Spitze der Bewegung, versammelt auf Twitter allerdings mittlerweile 650.000 Follower hinter sich. Und da sorgt plötzlich ein kritisches Youtube-Video für Furore, das bis heute sage und schreibe 12,6 Millionen Abrufe generiert hat. Beide vereint der flammende Appell, nachhaltiges Handeln in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft endlich ernst zu nehmen.

Das Ganze zeigt eindrucksvoll: Parteien, Industrie, Medien oder auch Lobbyisten haben längst kein Monopol mehr auf das Agenda-Setting. Defizite bei der Kommunikation im digitalen Raum kann sich heute niemand mehr erlauben. Die Botschaft heißt hier: Mehr Nachhaltigkeit. Der dominierende Kanal: Social Media.

Das Thema Nachhaltigkeit geht unsere Branche unmittelbar an: Kaum ein Ereignis illustriert die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns besser als der Klimawandel und die damit einhergehenden Naturkatastrophen. Jedes Jahr schütten Versicherer Milliarden aus, um Schäden durch Sturm oder Fluten zu regulieren – und auf vielen Ebenen arbeiten Versicherer daran, ihren Beitrag zur Klimafrage zu leisten. Nur wenn es durch vorausschauende und nachhaltig wirksame Maßnahmen gelingt, die Erderwärmung zu begrenzen, wird Versicherungsschutz noch für alle bezahlbar bleiben.

Nachhaltigkeit spielt jedoch auch auf ganz anderen Feldern eine Rolle. Beispiel Altersvorsorge: Jüngere Generationen müssen von ihrem Lohn etwa doppelt so viel aufwenden wie Ältere, um die Versorgungslücke im Alter zu schließen. Das zeigen Berechnungen des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des GDV. Sollten die Zinsen noch sehr lange auf dem niedrigen Niveau verharren, könnte der Sparbedarf sogar noch deutlicher steigen.

Mehr zu sparen, ist für viele Menschen nicht leicht. Schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass die junge Generation auch kostspielige Rentengeschenke der Regierung finanzieren muss: Es wäre daher nur fair, wenn der Staat den Vermögensaufbau stärker unterstützen würde. So liegt der förderfähige Höchstbetrag bei der Riester-Rente seit 2002 unverändert bei 2.100 Euro, was damals etwa vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze entsprach. Heute wären vier Prozent gut 3.200 Euro wert.

Der demografische Wandel hat dabei viel mit dem Klimawandel gemein: Nur wenn wir rechtzeitig agieren, lassen sich die Folgen begrenzen. Der steigende Altersvorsorgebedarf etwa lässt sich nicht nur durch höhere Sparraten decken. Helfen könnte auch ein späterer Renteneintritt. Das führt zu höheren Ansprüchen aus der gesetzlichen Rente und kann dazu beitragen, den längeren Ruhestand zu finanzieren. Wie das geht zeigt derzeit ein Land in Asien. „Job seekers in their 70s could become Japan's new normal“, schreibt etwa die „The Japan Times“. Ein Entwurf auch für die Zukunft Europas?

Deutscher Preis für Onlinekommunikation in Bronze

Übrigens: Die GDV-Kommunikation im digitalen Raum ist gerade ausgezeichnet worden. Unsere Verbraucherinhalte haben den Deutschen Preis für Onlinekommunikation in Bronze erhalten. Die 54-köpfige Jury prämiierte die Webseite „Die Versicherer“ und den flankierenden Facebook-Auftritt in der Rubrik  Finanzwirtschaft. Der Jury gefielen insbesondere die kreativen, meist tagesaktuellen Grafiken, die Sie hier downloaden können.

Jörg von Fürstenwerth

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