Kolumne
Kolumne Kon­junk­tur­aus­blick

Ver­si­che­rungs­bran­che wächst im lau­fen­den Jahr

Der Tag der Deutschen Einheit steht vor der Tür und in wenigen Wochen jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum dreißigsten Mal. Die internationale Ordnung und Ökonomie haben sich seit damals deutlich verändert – wir nutzen diese Zeiten, um Themen der deutschen Versicherer offensiv zu gestalten.

Erst kürzlich hat unser Verband die Ergebnisse der Umfrage zur Stimmungslage der Generation Mitte vorgelegt, mit der wir alljährlich den Leistungsträgern unserer Gesellschaft im Alter zwischen 30 bis 59 Jahren den Puls fühlen. Befragte aus Ostdeutschland beurteilen ihre finanzielle Situation und Perspektive demnach keineswegs schlechter als Westdeutsche, tendenziell sogar besser. Auch die allgemeine Lebenszufriedenheit ist im Osten leicht höher als im Westen. Aber: Die Bewertung des gesellschaftlichen Klimas fällt bei den ostdeutschen Befragten deutlich kritischer aus. Ostdeutsche der Generation Mitte empfinden ihre regionale Herkunft wesentlich stärker als Unterscheidungsmerkmal in der deutschen Gesellschaft als Westdeutsche.

Trends, die vor 30 Jahren kaum debattiert wurden

Dreißig Jahre sind eine lange Zeit – einige damals wohl als  Konstanten der internationalen Ordnung angesehene Dinge, haben heute ihre Verlässlichkeit verloren. Immer stärker erfahren wir die dynamischen Folgen der globalen Veränderungen auch hier in Deutschland:

  • Über den Klimawandel wird heute nicht mehr wie noch vor dreißig Jahren gestritten. Dafür zeigen sich dessen materielle und menschlichen Folgen heute mit umso größerer Härte.
  • Wachstumsraten unter zwei Prozent, negative Zinsen, Dekarbonisierung der industriellen Produktion sind die ökonomischen Herausforderungen der Zeit.
  • Die digitale Revolution erlaubt es uns, unsere kommunikativen und materiellen Bedürfnisse auf gänzlich andere Art zu befriedigen.
  • Schließlich der demografische Wandel. Davon wussten wir schon. Aber noch immer haben wir keine Lösung für unsere Sozialsysteme und die implizite Verschuldung der öffentlichen Haushalte gefunden. Die Schere zwischen den Gewinnern und Verlierern in unserem System schließt sich nicht.

Trotz all dieser Herausforderungen: Es  geht uns gut. Aber wir müssen jetzt, in diesen Zeiten der Veränderung, Spielräume nutzen, an Themen dran bleiben und sie aktiv zu gestalten. Das gilt für die Gesellschaft als Ganzes – und damit auch für unsere Branche.

Über die finanzielle Absicherung von Risiken hinaus profitieren Wirtschaft und Gesellschaft dabei auch von der Expertise der Versicherer. Mit ihrer umfangreichen Risikoforschung zeigen sie, wie sich Risiken verringern oder vermeiden lassen. Dabei nutzen Versicherer längst die neuen technologischen Möglichkeiten. So tragen wir etwa dazu bei, die Verkehrssicherheit oder den Schutz von Unternehmen vor Cyberrisiken zu verbessern sowie die Folgen des Klimawandels zu mindern. Seit jeher engagieren sich Versicherer, das Risikobewusstsein in der Gesellschaft zu stärken. Denn nur wer Gefahren kennt, kann sich wirksam davor schützen. Für Politik und Wirtschaft sind Versicherer als wichtige Know-how- Träger Partner und Berater bei der Aufgabe, Risiken zu vermeiden und Schäden zu begrenzen. So profitieren Wirtschaft und Gesellschaft von einem Dreiklang aus Risikoaufklärung, Prävention und Versicherungsschutz.

Branchenausblick 2019

Dieser Erfolg lässt sich durchaus auch an den Zahlen unserer Branche ablesen: Im Gesamtjahr 2018 verzeichnete die Versicherungswirtschaft ein Beitragswachstum von insgesamt immerhin 2,2 Prozent und konnte damit an das solide Wachstum der vergangenen beiden Jahre anknüpfen.

Gut gestartet ist die Versicherungswirtschaft auch ins laufende Jahr: Das Beitragswachstum der Branche fiel im ersten Halbjahr 2019 mit einem Plus von 5,7 Prozent deutlich höher aus als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum beziehungsweise im Gesamtjahr. Auch für das laufende Gesamtjahr erwarten wir deshalb ein Beitragswachstum von gut 5 Prozent.

Diese Zahlen sind vielversprechend. Haben wir also allen Grund für Optimismus? Ja und Nein: Ermutigend finde ich, dass Vorsorge trotz des andauernden Niedrigzinsumfelds für viele Bürger ein Top-Thema bleibt. Die Konjunktursorgen nehmen allerdings zu, was uns Rückenwind kosten dürfte. Deshalb sind wir gut beraten, mit Mut und Kraft die Chancen der Veränderungen wahrzunehmen – und uns, wie schon vor 30 Jahren, dynamisch an die neue Welt anzupassen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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