Kolumne
Kolumne Auto­ma­ti­sier­tes Fah­ren

Unsere Anfor­de­run­gen an die Mobi­li­tät von Mor­gen

Uber hat den Sprung an die Börse geschafft. Der IPO steht sinnbildlich für die sich abzeichnende Zeitenwende im Verkehr - aber sind die Systeme wirklich sicher und liegen die dafür notwendigen Daten in den richtigen Händen?

Per Algorithmus schneller, effizienter und bequemer ans Ziel: Uber ist an der Börse. Die Vision des US-Mobilitätsdienstleisters: Nicht weniger, als zum Amazon des Transportwesens werden.

Menschen verursachen im Schnitt nur alle 2,5 Millionen Kilometer einen Unfall mit Verletzten

Neue Standards im Mobilfunk, verbesserter Datentransfer und immer schnellere Prozessoren: Die rasanten technischen Fortschritte kündigen eine Revolution in der Art und Weise an, wie wir uns künftig fortbewegen. Die Versicherungswirtschaft ist Teil dieser Entwicklungen, und das in mehrfacher Hinsicht:

Eine der ersten wichtigen Fragen, die uns auf lange Zeit begleiten wird, lautet: Werden automatisierte Fahrzeuge, wie auch Uber sie plant und entwickelt, tatsächlich so gut fahren wie der Mensch? Vor dem Hintergrund der Anfälligkeit von IT-Programmen und heutigen Fahrerassistenzsystemen mag man das getrost anzweifeln. Rechnerisch verursacht ein menschlicher Fahrer dagegen nur alle 2,5 Millionen Kilometer einen Unfall mit Verletzten. Das ist die Messlatte, die ich persönlich ziemlich bemerkenswert finde.

Es obliegt der Industrie, den Nachweis zu erbringen, dass Skepsis unbegründet ist. Und es obliegt der Politik sicherzustellen, dass die technischen Systeme nicht schlechter sein werden als der Mensch. Erst wenn wir diesen Punkt sicher erreicht haben, können wir auch den Sprung vom assistierten zum automatisierten Fahren wagen.

Wie berechtigt eine gewisse Portion Skepsis noch ist, zeigt sich in den Vereinigten Staaten: Dort werden die Sicherheitsstandards für selbstfahrende Autos durchaus hinterfragt. Die Bevölkerung habe mit Blick auf die Sicherheit autonomer Fahrzeuge berechtigte Sorgen, wird die US-Transportministerin zitiert. Kein Wunder: Es war der US-Bundesstaat Arizona, wo erstmals ein Mensch bei einem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto ums Leben gekommen ist – unterwegs war das Fahrzeug übrigens im Test-Betrieb, ausgerechnet für: Uber.


Auf absehbare Zeit geringer Einfluss des Fortschritts auf das Schadengeschehen

Und die Folgen der Automatisierung für das Schadengeschehen, für die deutschen Kraftfahrt-Versicherer, die jährlich über 9 Millionen Schäden regulieren? Die neuen Systeme machen das Autofahren vielleicht sicherer, sie setzen sich im Fahrzeugbestand aber nur langsam durch und machen Reparaturen im Schadenfall teurer. Die Experten unseres Verbandes halten eine Reduktion des Schadenaufwands in der Haftpflichtversicherung bis zum Jahr 2035 im Mittel um gerade einmal 15 Prozent für möglich, in Kasko sogar nur um 5 Prozent. Auf absehbare Zeit hat der technologische Fortschritt also nur geringen Einfluss auf das Schadengeschehen.

Datenhoheit für den Verbraucher

Und wer entscheidet eigentlich darüber, was mit den im und vom Auto erzeugten Daten der Autofahrer geschieht? Für uns Versicherer ist die Antwort eindeutig: der Verbraucher. Meine, Ihre Autofahrer-Daten können die Grundlage für vielfältige Geschäftsmodelle sein, die mit der Mobilität der Menschen verbunden sind.

Ob ich nach einer Panne einen Dienstleister benötige, ob ich die Panne vielleicht sogar durch Prognosen aus der Fahrzeugtechnik durch einen rechtzeitigen Werkstattbesuch abwenden kann – als Verbraucher muss ich die Entscheidung treffen können, wer mir dann behilflich sein soll. Die Zahl der Anbieter für solche Services ist vielfältig. Außer unserer Branche sind da Automobilclubs, die Kfz-Betriebe oder auch weitere Mobilitätsdienstleister. Und natürlich sind auf diesem Gebiet auch die Autohersteller selbst aktiv.

Nur mit voller Wahlfreiheit und Datensouveränität werden Fantasie und Unternehmergeist dafür sorgen, dass rund um die neuen Daten neue Märkte und Dienstleistungen zum Vorteil der Verbraucher entstehen – und keine Konzerne, die die Plattform Mobilität für sich monopolisieren.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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