Kolumne
Kolumne Jah­res­wech­sel

Unser Bei­trag zu sozia­len und öko­lo­gi­schen Her­aus­for­de­run­gen - auch 2020

Ein spannendes, in der Fülle der Veränderungen schnelles Jahr geht zu Ende. Die Dynamik wird anhalten. Im Mittelpunkt steht für Versicherer: Der Umbau der Wirtschaft zu einer klimaneutralen, nachhaltigen Ökonomie und, darin eingebettet, eine nachhaltige, generationengerechte Sicherung der Altersvorsorge.

In Brüssel geht die neue EU-Kommission mit Verve an die Umsetzung ambitionierter Ziele. In Berlin dürfte der Zustand der großen Koalition so fragil bleiben wie zuvor. Auch wenn wir natürlich vor allem die Chancen des Wandels sehen – es ist nicht zu verhehlen, dass viele Menschen das hohe Maß an Veränderung auch als bedrohlich empfinden.

Versicherer sind Teil der Gesellschaft

Diese Zeit prägen zwei starke Strömungen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die erste treibt die Sorge um Stabilität an, weil sie sich vor dem Wandel fürchtet: dass das Vertraute verloren geht, die Gesellschaft sich ändert. Die zweite Strömung speist sich aus apokalyptischen Ängsten. „I want you to panic“, hat Greta Thunberg gesagt, die wahrscheinlich eindrücklichste Figur dieses Jahres.

Wir Versicherer sind Teil der Gesellschaft. Deshalb werden auch wir Antworten darauf geben, welchen Beitrag wir zu sozialen und ökologischen Herausforderungen leisten können. Von uns werden klare und möglichst verständliche Antworten erwartet: Der Umbau der Wirtschaft zu einer klimaneutralen, nachhaltigen Ökonomie und, darin eingebettet, eine  nachhaltige, generationengerechte Sicherung der Altersvorsorge. Von der Qualität unserer Antworten wird abhängen, ob wir als Branche dabei weiterhin eine gestaltende Rolle spielen. Oder ob wir nur noch als Zuschauer beteiligt sind.

Die ökonomische Ausgangslage ist vordergründig hervorragend. Unsere Branche hat ihre Beitragseinnahmen in diesem Jahr um mehr als 5 Prozent steigern können. Für die kommenden Jahre aber spricht vieles dafür, dass sich das sehr gute Jahr 2019 so nicht wiederholen wird: Andererseits spiegeln sich in unseren Bemühungen der vergangenen Jahre Chancen für das Geschäft von morgen: Die gestiegene Nachfrage nach Lebensversicherungen mit neuen Garantiemodellen, aber auch der Wunsch nach Absicherung der neuen oder gestiegenen Risiken der Cyberkriminalität oder durch Naturgefahren dürfte das Wachstum in der Versicherungswirtschaft spürbar beflügeln.

Zeit für einen Neustart der privaten Altersvorsorge

Das verstellt uns nicht den Blick auf die großen Gefährdungen, denen unser Geschäft ausgesetzt ist. Da sind zum einen die Evaluation des Lebensversicherungsreformgesetzes und der Beitrag von Versicherern und Vermittlern zur Reduktion der Kosten der Produkte. Unsere Position bleibt klar: Wir sind uns bewusst, dass in der Niedrigzinsphase die Kosten unserer Produkte besonders im Fokus stehen. Deshalb unterstützen wir das Ziel, Fehlanreize im Vertrieb zu vermeiden. Aber einen Provisionsdeckel lehnen wir nach wie vor grundsätzlich ab.

Kompliziert ist auch die Ausgangslage in der geförderten Altersvorsorge. Die Riester-Rente weist zwar immer noch rund 300.000 neue Verträge pro Jahr aus, aber der Vertragsbestand schrumpft. Und das Produkt ist – befeuert durch die anhaltende Kritik des Verbraucherschutzes – nach den jüngsten Beschlüssen der Parteien der Regierungskoalition einmal mehr unter Druck geraten. Das ist uns ein Ansporn, für unseren gemeinsam mit anderen Anbietern entwickelten Fünf-Punkte-Plan zum Ausbau der geförderten Altersvorsorge im weiteren Dialog mit den Regierungsparteien und anderen Akteuren zu werben. Es ist Zeit für einen Neustart der privaten Altersvorsorge.

Nach prall gefüllten Rentenpaketen in der gesetzlichen Rentenversicherung, nach der Reform der betrieblichen Altersversorgung braucht jetzt die dritte Säule einen starken Impuls. Die Riester-Rente muss einfacher und effektiver werden, wir müssen Kosten und Komplexität reduzieren, damit wir die geförderte Altersvorsorge stärker in die Breite tragen können. Unser Fünf-Punkte-Plan gibt darauf die Antwort.

Angemessenheit von Regulierung immer wieder aufs Neue ausbuchstabieren

Die größte Herausforderung für Politik und Wirtschaft bleibt, die Angemessenheit der Regulierung im Dialog mit den politischen Akteuren in Brüssel und Berlin, mit den Aufsichtsbehörden und Sachverständigen immer wieder aufs Neue auszubuchstabieren. Wie viel Markt, wie viel staatliche Eingriffe sind zulässig, erforderlich, sinnvoll? Die Politik braucht uns für die Umsetzung ihrer ambitionierten Ziele, aber sie darf uns nicht die Luft zum Atmen nehmen – sonst scheitern wir alle.

Entscheidend wird deshalb sein, dass wir als Branche in Deutschland und Europa einig auftreten – mit starken Argumenten und aus der festen Überzeugung, dass wir Versicherer einen entscheidenden Beitrag zur Lösung zu den Herausforderungen unserer Zeit leisten.

Ich wünsche Ihnen frohe  Weihnachten, einen guten Start ins neue Jahr und viel Erfolg für 2020!

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite
Auch inter­essant