Kolumne
Kolumne Kli­ma­schutz

Star­kre­gen im Fokus

Das Phänomen Starkregen war bislang kaum erforscht. In einem vierjährigen Projekt haben der Deutsche Wetterdienst und unser Verband deshalb deutschlandweit erstmals Starkregen- und Schadendaten systematisch untersucht.

Den Klimanotstand auszurufen ist nicht viel mehr als ein symbolischer Akt, um Druck aufzubauen. Städte tun es, nun liegt ein entsprechender Antrag sogar im EU-Parlament zur Abstimmung vor. Das Ganze ist wohl auch im Vorfeld des kommenden Klimagipfels in Madrid zu bewerten, auf dem das Geschacher um die globale Reduktion der CO2-Emissionen in die nächste Runde gehen wird.

Hohe Schäden entstehen meist auf kleinerem Gebiet

Dabei sind die Folgen schon heute spürbar: 2018 ist uns als Jahr der Hitze und Dürre im Gedächtnis geblieben. Es war aber auch das Jahr mit den meisten Starkniederschlägen seit 2001. Große Trockenheit und lokale Sturzfluten sind dabei nur zwei Seiten der gleichen Medaille: Wir müssen uns künftig auf mehr Wetterextreme einstellen. Besonders Starkregen ist gefährlich, denn er ist schwer vorhersagbar, von kurzer Dauer und lokal stark begrenzt. Die Zerstörungskraft hingegen ist immens. Hohe Schäden entstehen daher meist in einzelnen Ortschaften oder Stadtquartieren. Die finanziellen Folgen trägt die Versicherungswirtschaft für ihre Kunden, sie ersetzt Milliardenschäden.

Umso mehr erstaunt es, dass das Phänomen Starkregen bislang kaum erforscht war. In einem vierjährigen Projekt haben der Deutsche Wetterdienst (DWD) und unser Verband deshalb deutschlandweit erstmals Starkregen- und Schadendaten systematisch untersucht. Ziel war es, Schadenausmaß und -potenzial von Starkregen zu identifizieren. Zudem sollten die Charakteristika besonders schadenträchtiger Starkregen betrachtet werden. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  1.  Jeder Ort in Deutschland ist von Starkregen betroffen. Im untersuchten Zeitraum von 18 Jahren gab es bundesweit mehr als 11.000 Starkregenereignisse – die meisten im Dürrejahr 2018. Kurze, heftige Niederschläge treten überall mit einer ähnlich hohen Wahrscheinlichkeit auf.
  2. Die Schäden  entstehen vor allem durch kurze, heftige Starkregen. Über einen Zeitraum von 16 Jahren (2002 bis 2017) zerstörte Starkregen Werte an Wohn-gebäuden von rund 6,7 Mrd. Euro.

Auch deshalb müssen alles tun, um eine kritische Erderwärmung über das 2°C-Ziel des Klimagipfels von Paris zu vermeiden. Je höher die Durchschnittstemperaturen steigen, desto schwerwiegender fallen Schadenereignisse durch Naturgefahren aus. Wenn die Schäden zunehmen und so häufig auftreten, dass ein Risikoausgleich im Versichertenkollektiv nicht mehr vernünftig darstellbar ist, steht die Versicherbarkeit solcher Schäden infrage. Auch staatliche Hilfen kämen dann sicherlich an ihre Grenzen.

Naturgefahren sind die Feuerbrunst des 21. Jahrhunderts

Wir werten daher Daten verschiedenster Disziplinen aus, damit die Folgen von Naturkatastrophen beherrschbar und auch in Zukunft versicherbar bleiben. Wir schaffen Voraussetzungen, um Schäden durch extreme Wetterlagen schnell und zuverlässig zu regulieren. Wir informieren Kunden über Gefahren durch Wetterphänomene – und setzen uns für gezielte Prävention ein, so dass Schäden gar nicht erst entstehen. Wie bei der Feuergefahr vor rund 150 Jahren liegt auch der Schlüssel für die Beherrschbarkeit von Naturgefahren in der konsequenten Anpassung der Bauvorschriften. Sprinkleranlagen, Rauchmelder und Fluchtwege sind heute selbstverständlich. Gegen Regenwasser abgesicherte Lichtschächte, Rückstauklappen und gezielter, schadenarmer Abfluss des Oberflächenwassers sollten es morgen sein.

Wir fordern daher, dass in Deutschland der Schutz von Gebäuden gegen Überschwemmungen durch Starkregen und Flusshochwasser bautechnisch normiert wird und dass extrem überschwemmungsgefährdete Regionen nicht mehr als Bauland ausgewiesen werden – ohne Ausnahme.

Wer jetzt auf die hohen Kosten des Klimapaketes der Bundesregierung hinweist, der darf die drohenden Kosten und verheerenden Folgen des Klimawandels für jeden einzelnen nicht verschweigen. Die fortschreitende Erderwärmung wird gravierende Folgen auch für Deutschland haben: Darauf weisen wir übrigens auch in der Titelgeschichte der kommenden Ausgabe unseres „Positionen“-Magazins hin, das in Kürze erscheint. Arbeitstitel: „Klima wandeln. Die Wetterextreme nehmen zu – wie das Versicherer betrifft und welche Lösungen die Branche anbietet.“

Jörg von Fürstenwerth

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