Kolumne
Kolumne Kli­ma­wan­del

Mor­gen, mor­gen, nur nicht heute…

Klimagipfel sind nicht für Revolutionen bekannt: Dabei brauchen wir bei der Umsetzung der Klimaziele nichts anderes, sonst droht der Beginn eines Teufelskreises.

Anfang Dezember treffen sich Politiker und Diplomaten zum UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz. Es geht um den Klimavertrag von Paris, der drei Jahre zuvor beschlossen wurde. Es geht darum, ihn in die Tat umzusetzen. Es geht darum, dem Klimawandel energisch zu begegnen.

Fortlaufend aufgeschobene CO2-Reduktion wird zu einer immer größeren Bürde

Daraus ist bislang wenig geworden, immer nach dem Motto: Morgen, morgen, nur nicht heute. Wenn wir jetzt hinter den CO2-Einsparungszielen zurückbleiben, werden wir in den 2020er Jahren sehr heftig auf die Bremse treten müssen, um die Klimaziele noch zu halten. Dieses Manöver wird immer härter, je länger wir uns Zeit lassen.

Was wäre die Folge? Nach den USA könnten noch mehr Staaten aus den Klimaschutz-Vorhaben ausscheren: Um ihre heimischen Unternehmen nicht zu überfordern, um Wachstum und Beschäftigung nicht abzuwürgen. Der Beginn eines Teufelskreises.

Die Konsequenzen wären dramatisch. Wir müssten uns mehr und mehr an extreme Wetterlagen gewöhnen. Die jüngsten Unwetter in Italien, die für „apokalyptische Szenen“ sorgten, wären nur ein kleiner Vorgeschmack auf kommende Ereignisse. Auch der aktuelle Naturgefahrenreport unseres Verbandes weist in diese Richtung.

Schon der Ausstieg des US-Präsidenten Donald Trump aus dem Pariser Abkommen war bemerkenswert kurzsichtig. Erst vor wenigen Wochen hat der Weltklimarat einen alarmierenden Sonderbericht veröffentlicht, wonach es zwar noch möglich sei, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Allerdings halten die Experten dafür „nie dagewesene Veränderungen“ nötig. Wir müssen die Folgen der Erderwärmung begrenzen – jetzt erst recht.

Aufklärung durch ein nationales Naturgefahrenportal

Die tragischen Fälle in Italien zeigen, dass die öffentliche Hand und wir Versicherer Gefahrenlagen gegenüber der Öffentlichkeit bekannt machen müssen. Das betrifft vor allem Starkregen und Hangrutsche. Je schneller, desto besser.

Bereits heute laufen auch mit Unterstützung unserer Branche Informationskampagnen in vielen Bundesländern, die das Bewusstsein der Menschen für Risiken von Naturereignissen schärfen und zur Eigenvorsorge auffordern. Umfassende Information ist essenziell in dieser Frage – die kann aber nur erreicht werden, wenn alle Bundesländer die verfügbaren Daten über Naturgefahren mit einheitlichen Standards in ein nationales Naturgefahrenportal einfließen lassen. Und wir dürfen uns nicht davor scheuen, in potenziellen Gefahrenregionen Bauverbote auszusprechen oder zumindest harte Beschränkungen beim Bauen aufzuerlegen.

Extremwetter kann übrigens auch bei einer langen Trockenphase vorliegen. Die verheerenden Waldbrände in Kalifornien machen das überdeutlich. Die Website der „Tagesschau“ spricht dabei unverhohlen von der „neuen Abnormalität“. Und auch in Deutschland sollten wir uns Gedanken machen, ob wir bei der Bekämpfung von Waldbränden gut genug aufgestellt sind – erst recht nach der langen Trockenphase des vergangenen Sommers mit all ihren Folgen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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