Kolumne
Kolumne Freier Wett­be­werb

Keine Mono­pole für Auto­her­stel­ler

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das ist eine Binse, aber sie zu wiederholen schadet ebenso wenig wie aus ihr die richtigen Schlüsse zu ziehen. Also gleich nochmal: Konkurrenz belebt das Geschäft. Welche Folgen fehlende Konkurrenz hat, lässt sich derzeit gut am Beispiel der Autoindustrie zeigen.

Unser Verband beobachtet und analysiert die Preise auf dem Kfz-Ersatzteilmarkt bereits seit Anfang des Jahres 2013. Das jüngste Update unserer Arbeit können Sie hier nachlesen. Wir beobachten eine bedenkliche Tendenz: Binnen fünf Jahren sind Ersatzteile im Schnitt um fast 25 Prozent teurer geworden, Rückleuchten kosten etwa 50 Prozent mehr. Zum Vergleich: Die Inflationsrate stieg in der gleichen Zeit um nur rund sieben Prozent.

Den Designschutz um eine Reparaturklausel ergänzen

Wie lässt sich dieser Preisanstieg bei Ersatzteilen erklären? Die Vermutung liegt nahe, dass die Gründe eher nicht in steigenden Energie-, Rohstoff- oder Personalkosten liegen, sondern vielmehr in der Marktposition der Autohersteller. Nach aktueller Gesetzeslage sind sie die einzigen, bei denen Werkstätten und Autofahrer neue Kotflügel, Motorhauben, Scheinwerfer oder Windschutzscheiben kaufen können. Die Grundlage dafür liegt im sogenannten Designschutz: Er schützt nicht nur das Design eines Autos, sondern gleichzeitig das Design aller sichtbaren Teile der Karosserie. So wird der Wettbewerb ausgeschaltet und der Ersatzteilmarkt monopolisiert – mit den bekannten, geradezu klassischen Folgen: Der Verbraucher zahlt hohe Preise, der Monopolist verdient.

Die Reparaturen nach Unfällen sind heute also teurer, als sie sein müssten. Besser und vermutlich deutlich günstiger wäre es, den Markt zu liberalisieren, Konkurrenz möglich zu machen und damit den Wettbewerb beziehungsweise das Geschäft zu beleben. Konkret schlagen die Versicherer vor, den Designschutz um eine Reparaturklausel zu ergänzen. Sie würde es auch anderen Teileherstellern erlauben, sichtbare Ersatzteile für Reparaturzwecke herzustellen und zu verkaufen. Damit würde der Markt geöffnet und die Autofahrer hätten die Freiheit, zwischen verschiedenen Anbietern von Ersatzteilen wählen zu können – mit all den positiven Effekten, die eine solche Konkurrenzsituation mit sich bringt.

Das Datenmonopol auf der Straße von vornherein verhindern

Während der Ersatzteilmarkt mit Hilfe einer solchen Klausel „repariert“ werden muss, könnte die Weisheit des Gesetzgebers auf einem gerade entstehenden Markt ein neues Monopol von Autoherstellern verhindern. Wenn in Zukunft immer mehr vernetzte Autos in Echtzeit Informationen von anderen Fahrzeugen und aus der Umgebung erhalten sowie eigene Daten senden, entsteht rund um diese Daten ein neuer Markt. Damit aber nicht gleichzeitig ein neues Monopol für Autohersteller entsteht, müssen wir so schnell wie möglich die Frage klären, wer über die neuen Daten aus vernetzten Autos verfügen darf. Die Haltung der deutschen Kfz-Versicherer ist klar: Die Daten gehören nicht den Automobilherstellern, sondern in die Hände der Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie müssen die Hoheit über ihre Daten haben und frei entscheiden können, an wen sie ihre Daten senden – an den Hersteller, an Versicherer, Werkstätten, Mobilitätsdienstleister oder Automobilclubs. Denn diese Konkurrenz – Achtung, Binse – belebt das Geschäft und gewährleistet, dass Autofahrer das bestmögliche Angebot zum bestmöglichen Preis bekommen.

Der Appell der Versicherungswirtschaft an den Gesetzgeber lautet daher auch hier: Verhindert das Monopol auf der Straße! Die ideale technische Lösung dafür ist eine vom Automobilhersteller unabhängige Plattform in den vernetzten Autos, die den Datenaustausch standardisiert, sicher macht und für alle Anbieter zugänglich ist. Der Gesetzgeber sollte zügig die richtigen Rahmenbedingungen für eine solche Plattform schaffen und neuen Monopolen wirksam vorbeugen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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