Kolumne
Kolumne zum Ver­si­che­rungs­tag

Gute Regu­lie­rung braucht vor allem eins: Dia­log­be­reit­schaft

Eine effektive Aufsicht sollte Marktversagen verhindern und wenn nötig korrigieren. Es ist allerdings eine Illusion zu glauben, ein Mehr an Sicherheit wäre zum Nulltarif zu haben.

„Der Markt entscheidet, nicht die Politik“, sagt der Vizepräsident der EU-Kommission im Interview mit unserem Verbandsmagazin „Positionen“. Valdis Dombrovskis, zugleich europäischer Finanzkommissar, will erreichen, dass mehr Geld in nachhaltige Investments fließt. Ein Thema, das auch uns Versicherer unmittelbar angeht. Mit einem Kapitalanlagebestand von rund 1,35 Billionen Euro gehören Erstversicherungsunternehmen zu den größten institutionellen Investoren Deutschlands. „Wir wollen lediglich einen Rahmen aus Anreizen und Transparenz bauen, um nachhaltige Investitionen zu fördern. Am Ende bleibt es aber jedem Investor selbst überlassen, was er mit seinem Geld macht“, sagt Dombrovskis im „Positionen“-Interview, das Sie hier nachlesen können.

Finanzstabilität hat ihren Preis

Das Thema nachhaltige Kapitalanlage ist zweifellos wichtig und liefert derzeit viel Stoff für Diskussionen, was Regulierung auf diesem Gebiet bewirken kann – und wo die Grenzen staatlicher Eingriffe liegen. Wir Versicherer haben dazu eine klare Position: Grün allein reicht nicht aus – die Sicherheit der Beiträge unserer Kunden muss an erster Stelle stehen.

Auf dem Versicherungstag 2018 haben wir das Thema gestern grundsätzlicher diskutiert. Zum Thema „Wachstum versus Sicherheit – wie viel Regulierung braucht das Land?" haben wir versucht, uns anzunähern an die Frage, wo der richtige Mittelweg zwischen hinreichender Regulierung und notwendiger Freiheit liegt.

Klar ist: Es ist Aufgabe von guter Regulierung, es ist die Aufgabe einer guten Aufsicht, Marktversagen zu verhindern und wenn nötig zu korrigieren. Nach der Finanzkrise ist es sicher gelungen, das Finanzsystem stabiler zu machen – auch wenn es absolute Sicherheit in einer freiheitlichen Wirtschaftsordnung nicht geben kann. Worauf wir aber stetig aufmerksam machen ist: Finanzstabilität hat ihren Preis. Es ist eine Illusion zu glauben, ein Mehr an Sicherheit wäre zum Nulltarif zu haben. Und da stellen wir uns mitunter schon die Frage ob der Bogen nicht überspannt wurde bei all den Reformen. Die andere Seite der Medaille ist nämlich die Innovationsfähigkeit des Marktes. Werden die Kosten im Geschäftsmodell zu groß, geht dies zu Lasten der Fähigkeit, neue Produkte zu entwickeln. Am Ende leiden die Kunden, für die dann deutlich weniger passgenaue Angebote zur Verfügung stehen.

Aus den Vorträgen und Debatten auf unserem Versicherungstag 2018 wurde gestern erneut deutlich: Den richtigen Rahmen können Regulierer, Aufseher und Unternehmen nur gemeinsam gestalten. Und auf diese Gemeinsamkeit kommt es gerade in Zeiten des Umbruchs, die wir ja zweifelsohne erleben, entscheidend an. Gute Regulierung braucht also vor allem eins: Dialogbereitschaft der Verantwortlichen in Institutionen und Unternehmen.

Der Dialog geht weiter: Internationale GDV-Konferenz zur Versicherungsregulierung

Ich freue mich sehr über den gelungenen Dialog, den wir fortsetzen möchten. Gut zwei Jahre nach dem Start von Solvency II stehen wichtige Elemente des Aufsichtssystems auf dem Prüfstand. Über diesen Review-Prozess sowie parallele globale Regulierungsinitiativen wollen wir diskutieren. Die Internationale GDV-Konferenz zur Versicherungsregulierung findet am 18. Oktober in Berlin statt. Auf dem Programm stehen Vorträge und Diskussionsrunden mit vielen namhaften Experten aus Politik, Aufsichtsbehörden und der Versicherungswirtschaft.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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