Kolumne
Kolumne Fol­gen der Nied­rig­zins­po­li­tik

Gute EZB, schlechte EZB

Niedrigzinsen haben nicht nur Folgen für die Kapitalanlage der Versicherer, auch die Verwahrung liquider Mittel wird schwieriger. Das betrifft selbst Verbraucher. Immer deutlicher zeigen sich die langfristig verheerenden Folgen der Geldpolitik.

Wer es gut meint mit der Europäischen Zentralbank (EZB), könnte sie als einen Innovationstreiber bezeichnen. Schließlich zwingt sie mit ihrer seit elf Jahren andauernden und zuletzt im Ton wieder verschärften Niedrigzinspolitik große Investoren, ihre Kapitalanlage umzukrempeln. Einst klassische Anlagen wie Staatsanleihen oder Pfandbriefe rentieren inzwischen ja nur noch auf einem Niveau, an dem einzig Philanthropen noch Gefallen finden.

Deshalb bauen auch die Lebensversicherer ihre Kapitalanlage um, was wegen ihres langfristig ausgelegten Geschäftsmodells und regulatorischer Vorgaben jedoch nur begrenzt möglich ist. Nennenswerte Verschiebungen gibt es aber durchaus: Beispielsweise weg von Staatspapieren oder Pfandbriefen hin zu Unternehmensanleihen oder Schuldscheindarlehen. Auch Beteiligungen, Infrastruktur oder Aktien spielen heute eine größere Rolle als vor fünf Jahren.

Der Zins ist quasi abgeschafft

Wenn man berücksichtigt, dass der Zins quasi abgeschafft wurde, stehen die Lebensversicherer mit einer laufenden Durchschnittsverzinsung ihrer Kapitalanlagen von drei Prozent im vergangenen Jahr noch relativ gut da, wie Sie im Statistischen Taschenbuch nachlesen können, das wir diese Woche veröffentlicht haben. Dort steht ebenfalls, dass inzwischen gut zwei Drittel des Neugeschäfts in der Lebensversicherung auf Produkte mit modifizierten Garantien entfallen. Das ist letztlich auch eine der Innovationen, mit denen die Versicherer auf die neuen Zeiten reagieren.

Kreativ müssen die Unternehmen inzwischen auch bei der Verwahrung der liquiden Mittel sein, die sie zum Beispiel für die Begleichung von Schäden vorhalten. Auf Tagesgeldkonten ist das Geld nicht mehr gut aufgehoben, denn die Banken reichen zunehmend die Strafzinsen, die sie für Einlagen bei der EZB zahlen müssen, an ihre Kunden weiter.

Selbst Verbraucher bekommen dies schon direkt zu spüren. Etwa 30 Banken kassieren von Privatkunden inzwischen Strafzinsen. Zwar nur für größere Guthaben, für die private Altersvorsorge sind negative Zinsen dennoch ein fatales Signal. Sparen lohnt sich nicht mehr. Im Gegenteil: Es wird sogar bestraft. Das ist der Eindruck, der bei vielen Menschen entsteht. Und gleichzeitig können chronische Defizit-Sünder aus dem Euroraum ungebremst Schulden machen – und das fast zum Nulltarif.

All das sind eben auch die Folgen der unkonventionellen EZB-Politik. Wer es böse mit ihr meint, sieht daher in ihr schlicht den Förderer einer laxen Haushaltspolitik. Und den Totengräber der Sparkultur.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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