Kolumne
Kolumne Stan­dard­pro­dukte

Drei Vor­schläge, um die Ries­ter-Rente ein­fa­cher und effek­ti­ver zu machen

Der GDV hat die Zahlen der Versicherungswirtschaft für 2018 vorgelegt. Die Beitragseinnahmen überschritten erstmals die Marke von 200 Mrd. Euro, für 2019 erwartet die Branche ein Beitragswachstum von etwa zwei Prozent. Bei wachsenden Leistungen zeigen sich die Schaden-, Unfall- und privaten Krankenversicherer als starke Partner – und das Vertrauen in die Lebensversicherung bleibt ungebrochen. Damit das in Zukunft auch so bleibt, ist ein zentrales Thema die Reform der Riester-Rente.

Ja - wir brauchen eine mutige Vereinfachung von Riester, und zwar sowohl bei der Förderung als auch bei den Produkten. Der ursprüngliche politische Ansatz hat zu Unübersichtlichkeit im Produktangebot geführt: Über möglichst viele unterschiedliche Angebote verschiedenster Anbietergruppen sollte ein möglichst breiter, wettbewerbsintensiver Markt geschaffen werden, sei es über Versicherer, Banken, Fondsgesellschaften oder – erst seit 2008 – auch über Bausparkassen.

Aber auch die Förderung hat eine extreme Komplexität, in der sich Kunden und Anbieter immer wieder verheddern. Die Definition des förderberechtigten Personenkreises etwa ist eine Wissenschaft für sich mit dem Ergebnis, dass viele Bürger fälschlich davon ausgehen, sie seien gar nicht förderberechtigt. Trittfallen entstehen, wenn sich jemand selbstständig macht oder im Kontext der Elternzeit. Warum nicht einfach alle Steuerpflichtigen fördern, also auch die Selbstständigen? Und auch das Zulagenverfahren braucht dringend Vereinfachung.

Wichtige sozialpolitische Ziele erreicht

Für uns ist und bleibt die Riester-Rente das Instrument der freiwilligen, marktwirtschaftlichen und dezentral organisierten Altersvorsorge. Sie hat entgegen aller Kritik wichtige sozialpolitische Ziele erreicht. Die OECD kommt in einer vor kurzem veröffentlichten Studie zu dem Ergebnis, dass die Riester-Rente ein effektives Instrument für die private Altersvorsorge ist. Die Autoren loben außerdem die hohe Verbreitung. Mit mehr als 16 Millionen Verträgen zählt die Riester-Rente zur erfolgreichsten freiwilligen privaten Altersvorsorge weltweit. Dass Riester fair für alle Einkommensgruppen ausgestaltet ist und vor allem Geringverdiener erreicht, bestätigen übrigens auch inländische Quellen: Laut der Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) verdienen vier von zehn Zulagenempfängern weniger als 20.000 Euro jährlich.

Deswegen verdient es die Riester-Rente, einfacher, schlanker und effektiver zu werden! Wir sehen Bedarf für Nachbesserungen im System – allerdings keinen Bedarf für einen riskanten Systemwechsel. Dazu mache ich drei Vorschläge:

1. Verschlankung der Förderung

Alleine im Jahr 2016 gab es 900.000 Rückforderungen für Zulagen, weil die Förderfähigkeit nicht (mehr) gegeben war oder wegen gestiegener Einkommen der Eigenbeitrag nicht ausreichte. Das frustriert die Kunden und führt zu hohem Aufwand und Kosten bei den Anbietern und der ZfA. Unser Vorschlag: In die Förderung sollten alle Steuerpflichtigen einbezogen werden. Außerdem sollte die Zulagenstelle wie das Finanzamt auch erst prüfen und dann auszahlen, nicht umgekehrt wie heute noch. So lassen sich die ärgerlichen Rückforderungen ganz vermeiden. Denkbar ist auch, ein deutlich einfacheres, neues Zulagensystem einzuführen, zum Beispiel mit einer Zulage in Höhe von x-Prozent des Eigenbeitrags. Diese wäre für jedermann leicht zu berechnen und würde einen Anreiz bieten, mehr zu sparen.

2. Förderung an die Einkommensentwicklung anpassen

Im bestehenden Fördersystem passt ihre Höhe schon lange nicht mehr zu den heutigen Einkommensverhältnissen: Während die Beitragsbemessungsgrenze seit 2001 um 50 Prozent gestiegen ist, blieb der Höchstbeitrag unverändert bei 2.100 Euro. Die Grundzulage wurde erst vor rund einem Jahr um nur 15 Prozent erhöht. Vorschlag: Die Grundzulage sollte auf 200 Euro und die Förderhöchstgrenze auf 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze angehoben werden. Damit wäre die Förderintensität von 2001 wieder hergestellt.

3. Die bestehende Vorsorgelandschaft um einfache Standardprodukte ergänzen

Auf die wichtigsten Produkteigenschaften reduzierte und optimierte Riester-Produkte könnten zu geringeren Kosten angeboten werden. Ein Weniger an Wahlentscheidungen vereinfacht auch die Beratung. Weiterer Hebel für sinkende Kosten ist die Vereinfachung der Zertifizierung und Klassifizierung der Produkte. Außerdem dürfte der „Wohn-Riester“ wegen des hohen Aufwands für die Anbieter für eine sehr überschaubare Interessentenzahl nicht mehr verpflichtend sein. Standardprodukte sollte sich auf ihre Kernaufgabe – die lebenslange finanzielle Versorgung im Alter – konzentrieren.

Ich meine: Riester-Standardprodukte können – sofern die Förderung deutlich vereinfacht und verbessert wird – neuen Schwung in die private Altersvorsorge bringen.

Kritikern, die glauben, der Staat solle beim Angebot der Zusatzvorsorge gleich selbst antreten, halte ich entgegen: Der schwedische Staatsfonds oder die diesem nachempfundene „Deutschland-Rente“ kann kein Modell für die private Vorsorge sein. Denn das schwedische Pensionsfondsmodell ist tatsächlich Teil der dortigen gesetzlichen sozialen Sicherung. Als solches ist es nicht nur obligatorisch, es wird auch überproportional aus Arbeitgeberbeiträgen bezahlt. Die besonders oft hervorgehobenen niedrigeren Kosten gelten für jedes Pflichtsystem, da es keinen aktiven Vertrieb braucht und die Kosten in weiten Teilen abgewälzt werden, etwa auf die Arbeitgeber oder den Steuerzahler. Ob ein solches Pflichtsystem angesichts einer Verbreitung von Riester und betrieblicher Altersversorgung von 71 Prozent überhaupt politisch sinnvoll oder durchsetzbar wäre, ist zu bezweifeln.

Dazu kommt die Frage, ob das angesparte Kapital wirklich in jeder künftigen politischen Konstellation oder bei schweren fiskalpolitischen Krisen unantastbar wäre. Beispiele aus der Finanzkrise, etwa aus Spanien oder Irland, belegen das Gegenteil.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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