Kolumne
Kolumne Medi­en­viel­falt

Dort prä­sent sein, wo auch unsere Ansprech­part­ner kom­mu­ni­zie­ren

Der traditionellen Medienbranche geht es nicht gut, namhafte Verlage kündigen weitere Sparmaßnahmen an. Dieser Trend hat Folgen: Für die Gesellschaft – und die Öffentlichkeitsarbeit unseres Verbandes.

Wir Versicherer gehen dorthin, wo sich die Kunden aufhalten.

Das habe ich vergangene Woche geschrieben - über die Zukunft des Vertriebs in unserer Branche. Mit Blick auf die jüngsten Meldungen aus der Mediengeschäft fallen mir hier Parallelen auf. Wer viel unterwegs ist oder Kinder der Generation Z sein eigen nennt, der weiß, wovon ich rede. In der Medienwelt wirkt die digitale Revolution unmittelbarer als in vielen anderen Branchen, Papier ist out, in den Lounges der Airlines oder den Waggons der Deutschen Bahn werden selbst Gratis-Zeitungen zu Ladenhütern.

Die Medien haben die Digitalisierung sehr früh zu spüren bekommen, früher als andere Branchen

Das hat Folgen:  In den vergangenen Tagen waren wieder zahlreiche Meldungen zu lesen, dass namhafte Verlage und Verlagsgruppen tiefe Schnitte in ihren Redaktionen vornehmen – womit sie auf Leser- und Umsatzschwund reagieren. Denn noch immer ersetzen in den meisten Häusern digitale Erlöse die traditionellen Umsätze offensichtlich nicht.

Damit nicht genug: Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen die Zuschauer weg – viele schalten um auf Netflix und andere Streaming-Dienste, die eben kein lineares Fernsehen mehr liefern, sondern pass- und zeitgenau das, was und wann der Zuschauer es wünscht. „Weniger Gezwitscher“ schreibt die FAZ zu den jüngsten Quartalszahlen von Twitter, reklamiert einen Schwund von Nutzern und weist auf Analysten hin, die fürchten, Twitter habe seine besten Zeiten womöglich schon hinter sich.

Die Medien haben die Digitalisierung sehr früh zu spüren bekommen, früher als viele andere Branchen – und spüren sie bis heute. Die Folge der Dynamik, die selbst die neuen Player erfasst: Der Medienmarkt fragmentiert sich immer mehr und immer schneller – und entsprechend fragmentieren sich auch die Zielgruppen.

Das erleben wir beim GDV hautnah: Natürlich bedienen wir klassische Veranstaltungsformate und sehr aktiv. Unsere Jahres-Pressekonferenz war gut besucht, es haben sogar deutlich mehr Medien über die Veranstaltung berichtet als im Jahr zuvor: Über Print, Online, Social Media und TV/Hörfunk konnten wir ein Plus von immerhin rund 20 Prozent verbuchen. Dennoch merken auch wir, dass Redaktionen spärlicher besetzt sind, zum Teil nicht mehr auf der Gästeliste stehen und sich – nachvollziehbar – wegen Zeitmangels entschuldigen.

Hier droht mehr denn je ein Teufelskreis: Unternehmen und Verbänden kommen Gesprächspartner abhanden - und den Medien als Folge des Spardrucks die Kompetenz. Meinung und Analyse wird von immer weniger Menschen gemacht. Oder aber: Stimmung von ganz vielen, oft ungefiltert in den sozialen Netzwerken. Welche Folgen das für die Gesellschaft und die politische Ordnung hat, darüber muss intensiv gesprochen werden, ich halte das für eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Nur wer hier eine Stimme hat, sich positioniert, der wird auch in Zukunft mitreden können.

Es macht aber keinen Sinn, über diese Veränderung zu lamentieren. Wir müssen uns dem stellen. Das bedeutet auch für unsere Branche: Wir bemühen uns mehr denn je um den persönlichen Draht zu Journalisten und Multiplikatoren. Gleichzeitig müssen wir aber auch dort präsent sein, wo unsere Ansprechpartner miteinander kommunizieren. Heißt, wir sind auf möglichst vielen qualifizierten Kanälen unterwegs, um unsere Ansichten auch in sozialen Netzwerken laut werden lassen.

So haben wir unseren Webauftritt optimiert, neue Websites gestartet, unser Twitter-Angebot verbessert und sind auf Facebook. Und ich kann heute schon sagen: Weitere digitale Kanäle werden folgen, denn nur wer im Social Web eine Stimme hat, sich positioniert, der wird auch in Zukunft mitreden können.

Das ist für mich übrigens auch ein ganz wichtiger Beweggrund, diese Kolumne zu schreiben und mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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