Kolumne
Kolumne Berufs­un­fä­hig­keit

Die unter­schätzte Gefahr

Im Umgang mit Zahlen und Wahrscheinlichkeiten sind die Deutschen nicht sehr geübt. Dies zeigt sich auch bei der Absicherung der eigenen Arbeitskraft. Denn dass zwei Drittel keinen Schutz haben, ist angesichts des Risikos nicht nachvollziehbar.

Für Versicherer zählt die Vermessung von Risiken zum Kerngeschäft. Es ist eine anspruchsvolle Disziplin, die keine groben Schnitzer erlaubt: Setzt ein Unternehmen die Eintrittswahrscheinlichkeit und damit die Prämie zu hoch an, macht es womöglich kein Geschäft. Liegen seine Prognosen hingegen unter dem realen Risiko, übersteigen am Ende die Leistungen die Prämien – und der Versicherer schreibt Verluste.

Verbraucher müssen zwar keine Versicherungsmathematiker sein, etwas Verständnis über Chancen und Risiken sollten aber auch sie besitzen. Denn bei vielen Alltagsgeschäften wägen wir ab, und unsere Entscheidungen werden mit davon beeinflusst, welche Eintrittswahrscheinlichkeit wir einem Ereignis beimessen. Das gilt zumal für die Frage, ob oder in welcher Höhe wir uns gegen bestimmte Lebensrisiken absichern.

Zahlengefühl der Deutschen ist schlecht

Mit dem Zahlengefühl der Deutschen steht es jedoch nicht zum Besten. Studien zeigen, dass sie sogar ziemlich schlecht darin sind, Wahrscheinlichkeiten realistisch zu bewerten. Sehr seltene Ereignisse werden oft über-, relativ häufige dagegen unterschätzt. Daraus resultierende Fehlentscheidungen sind keinesfalls trivial, sie können unter Umständen gravierende Folgen haben.

Das gilt etwa für den Fall einer Berufsunfähigkeit – eine jener Alltagsgefahren, die die Deutschen unterschätzen. Dabei wird jeder Vierte im Verlauf seines Erwerbslebens mindestens einmal berufsunfähig – und das im Durchschnitt mit 44 Jahren. Die Gefahr ist nicht nur ziemlich groß, sondern zugleich eine sehr existenzielle. Schließlich ist das Erwerbseinkommen für die meisten die Haupteinnahmequelle. Fast 2,4 Millionen Euro verdienen Hochschulabsolventen während ihres Berufslebens, Fachkräfte kommen immerhin noch auf 1,5 Millionen Euro.

Erst gut ein Drittel gegen Berufsunfähigkeit abgesichert

Auf 44 Millionen Erwerbstätige in Deutschland kommen bislang rund 17 Millionen Verträge, die in irgendeiner Form vor Invalidität schützen. Das heißt: Erst gut ein Drittel hat seine Arbeitskraft abgesichert. Angesichts der Folgen, die eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit nach sich ziehen kann, wäre aus meiner Sicht jeder gut beraten, sich zu schützen. Der Markt bietet eine große Vielfalt an Produkten zur Absicherung der Arbeitskraft. So kann jeder Verbraucher das geeignete finden – passend zu seinen individuellen Bedürfnissen. Und – ja – auch passend zu seinen finanziellen Möglichkeiten.

Denn das Invaliditätsrisiko – um wieder die Perspektive eines Versicherers einzunehmen – ist nicht für alle Berufsgruppen gleich. Einige Arbeitnehmer sind aufgrund besonderer Belastungen in ihrem Job stärker gefährdet als andere. Und dies müssen die Unternehmen auch in ihren Prämien berücksichtigen. Die Vermessung von Risiken ist eben eine anspruchsvolle Disziplin.

Ihr

 

Jörg von Fürstenwerth

 

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