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Corona-Crash: Aktien eig­nen sich nur in Gren­zen für die Alters­vor­sorge

Verbraucher müssen für Renditen ins Risiko? Das ist im Grundsatz richtig – der Blick auf die in Folge der Corona-Pandemie desolate Börsenlage macht aber klar: Das gute Maß, der Abgleich zwischen Garantie und Risiko ist gefragt.

Alle, die in ihrer Altersvorsorge alleine auf Aktien gesetzt haben, müssen große Verluste in ihren Depots beklagen. Kein geringerer als der Ökonom Nouriel Roubini hatte dabei zuvor in einem Interview mit dem Spiegel prophezeit, dass die Aktienmärkte wegen der Corona-Pandemie um 30 bis 40 Prozent einbrechen werden. Das war am 27. Februar.

Roubini hatte bereits das Platzen der US-Immobilienblase und die Finanzkrise von 2008 vorausgesagt, ebenso die Folgen der europäischen Sparauflagen für Griechenland vorab treffend beschrieben. Mit Blick auf die vergangenen Tage scheint mir, dass er wieder recht behalten hat. Am Donnerstag verbuchten Anleger an der Wall Street die stärksten Kursstürze seit dem „Schwarzen Montag“ im Jahr 1987. Der Dax schloss mit dem zweitgrößten Verlust seiner Geschichte. Und zum Wochenstart ging der Ausverkauf weiter: Der Dax fiel am Montag zeitweise um fast 10 Prozent auf den tiefsten Stand seit September 2013.

Als Versicherer sage ich: Aktien eignen sich nur in Grenzen für die Altersvorsorge. Deshalb macht es mich immer nervös, wenn in der Debatte um Reformen der privaten Altersvorsorge Vorschläge laut werden, Garantien ganz abzuschaffen und in der Altersvorsorge zu 100 Prozent auf Aktien zu setzen. Erst am vergangenen Mittwoch zitierte die FAZ die Altersvorsorge-Referentin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Dorothea Mohn, mit dem Worten: „Garantien ergeben keinen Sinn... Verbraucher müssen für Renditen ins Risiko.“ Entsprechend setzt die von den Verbraucherschützern geforderte „Extrarente“ in der Ansparphase fast ausschließlich auf Aktien.

Der Blick auf die desolate Börsenlage macht aber klar: Das richtige Maß, der richtige Abgleich zwischen Garantie und Risiko ist gefragt. Ja, es ist Zeit für einen Neustart der privaten Altersvorsorge. Wir haben dafür einen 5-Punkte-Plan vorgeschlagen. Und ja, der sieht auch vor, die staatlichen Garantievorgaben zu lockern, um höhere Renditen erzielen zu können. Lockern heißt aber nicht abschaffen.

Das hat gute Gründe: Nach Jahren der Euphorie kommt die Ernüchterung.  Es gibt keine Garantie, dass alte Kursstände rasch wieder erreicht werden. Die Erholung nach den Crashs der Jahre 2001 und 2008 war vor allem geldpolitisch befeuert – doch diese Strategie stößt an ihre Grenzen. Die jüngste Intervention der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigt: die Effektivität der Geldpolitik ist begrenzt. Dies liegt zum einen an der bereits extrem lockeren Positionierung, die nach der Finanzkrise 2008 sehr lange durchgehalten wurde. Die EZB hat im zurückliegenden, langgestreckten Aufschwung die Zinsen nicht ein einziges Mal gestrafft und sich dadurch neuen Spielraum verschafft.

Das Corona-Virus unterbricht Lieferketten und veranlasst Menschen, zu Hause zu bleiben. Hieran kann eine Lockerung der Geldpolitik nichts ändern

Erschwerend kommt in der aktuellen Situation zum anderen hinzu, dass die Geldpolitik die Folgen einer Epidemie kaum wirkungsvoll bekämpfen kann. Das Corona-Virus unterbricht globale Lieferketten und veranlasst viele Menschen, zu Hause zu bleiben. Hieran kann eine Lockerung der Geldpolitik nichts ändern. Sie soll es im Grunde auch gar nicht, denn die Ausbreitung des Virus kann nur verlangsamt werden, wenn Unternehmen und Haushalte ihre Aktivitäten für eine gewisse Zeit einschränken.

Fünf Gründe, die für Garantien sprechen, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Bleiben Sie gesund.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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