Kolumne
Kolumne Auto­herbst                                                       

Aus­lo­ten der auto­mo­bi­len Zukunft

Sie werden mehr, sie werden genauer, sie werden wertvoller: Das automatisierte und vernetzte Fahren produziert Unmengen an Daten – ihre Qualität und der Umgang mit ihnen wird die weitere Entwicklung unserer hochmobilen Gesellschaft maßgeblich beeinflussen. Eine schöne neue Welt, die Fragen aufwirft. Die Zeit für einen gesellschaftlichen Dialog ist jetzt: Der GDV bringt daher Experten der Autoindustrie, Wissenschaft, Versicherungswirtschaft, Politik und Justiz am 20. November für ein Symposium in Berlin zusammen.

Es ist wohl die Hochsaison der Autoversicherer: Der Kfz-Herbst. Für Millionen von Kunden beginnt mit dem Jahreswechsel ein neues Versicherungsjahr. Zur Kalkulation der entsprechenden Beiträge nutzen wir Versicherer Daten. An deren Auswertung ist auch unser Verband beteiligt. Der GDV veröffentlicht die neuen unverbindlichen Regional- und Typklassen für das Jahr 2019, ebenso die Diebstahl-Statistik für die verschiedenen Automodelle. In der vergangenen Woche waren bereits die Regionalklassen an der Reihe: Sie bilden die Schadenbilanz einer Region ab. Damit können sie, wie auch die Typklassen, die Versicherungsbeiträge von Millionen Versicherten beeinflussen.

„Automatisiertes und vernetztes Fahren – schöne neue Welt!?“

Die unverbindlichen Regional- wie Typklassen sind natürlich nur Ausschnitte eines Gesamtbildes, mit dessen Hilfe Versicherer das Risiko jedes Autofahrers ermitteln können. All diese Daten bleiben wichtig – für die Mobilität der Zukunft werden aber ganz neue Informationen essenziell: Das Auto wird in Echtzeit Informationen von anderen Fahrzeugen und aus der Umgebung erhalten und auch eigene Daten senden. Die unmittelbare Erfassung und Verarbeitung dieser Daten soll den Fahrer von seinen Aufgaben entlasten oder sie ihm gar ganz abnehmen. Das Auto soll ihn vor Gefahren warnen oder die Situation sogar selber lösen. Daran geknüpft ist auch die Hoffnung auf eine drastische Reduzierung von Verkehrsunfällen.

Eine schöne neue Welt, die Fragen aufwirft: Wie zuverlässig ist die Technik, wenn sich der Fahrer bald blind darauf verlässt? Welche Entscheidungen wollen wir ihr überlassen? Welche Daten sendet mein Fahrzeug und wer bestimmt das? Welchen konkreten Mehrwert erhalten die Fahrer und von wem? Was wird dieser Mehrwert kosten und womit wird er bezahlt?

Diese Fragen betreffen uns alle und  müssen daher in einem gesellschaftlichen Dialog diskutiert werden. Wir wollen diesen Dialog führen und bringen daher Experten aus Automobilindustrie, Wissenschaft, Versicherungswirtschaft, Politik und Justiz am 20. November für ein Symposium in Berlin zusammen. Unter dem Titel „Automatisiertes und vernetztes Fahren – schöne neue Welt!?“ werden wir zahlreiche Aspekte ausloten. Insbesondere freuen wir uns darüber, dass Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer für eine Keynote zugesagt hat und wir auch den ehemaligen Bundesverfassungsrichter und Vorsitzenden der Ethik-Kommission zum automatisierten Fahren Udo Di Fabio begrüßen können.

Zwei klare Positionen der deutschen Versicherer

Wir Versicherer beobachten, begleiten und diskutieren die zunehmende Automatisierung und Vernetzung der Fahrzeuge aber nicht nur, sondern treiben die Entwicklung auch selbst aktiv voran – etwa mit dem Unfallmeldedienst und dem wachsenden Angebot von Telematik-Tarifen. Da uns dabei die Verkehrssicherheit, die Datensouveränität und der faire Wettbewerb am Herzen liegen, gehen wir mit klaren Positionen in den Dialog:

  1. Wir dürfen die Gefahren, die auf dem Weg zu sicheren automatisierten Fahrzeugen lauern, nicht unterschätzen. Jede Entwicklungsstufe muss sich daran messen lassen, ob sie die Verkehrssicherheit wirklich verbessert. Technischen Fortschritt um den Preis zusätzlicher Risiken darf es nicht geben.
  2. Die Daten vernetzter Autos gehören nicht den Automobilherstellern, sondern in die Hände der Autofahrer. Oder auf den Punkt: „Mein Auto – meine Daten“.

Ihr


Jörg von Fürstenwerth

Zur Startseite
Auch inter­essant