Kolumne
Kolumne Ver­si­che­rungs­tag

#vt2018: „Wachs­tum ver­sus Sicher­heit – wie viel Regu­lie­rung braucht das Land?"

Wo liegt der richtige Mittelweg zwischen hinreichender Regulierung und notwendiger Freiheit? Diskutieren wir darüber – auf dem Versicherungstag am 26. September in Berlin.

Der frühere niederländische Finanzminister und langjährige Vorsitzende der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem. Der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Dr. Jörg Kukies. Der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, Felix Hufeld. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Prof. Marcel Fratzscher. Last but not least: Die Vorsitzende des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen beim Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz, Prof. Dr. Lucia A. Reisch. All diese Persönlichkeiten haben als Redner zugesagt für die Jahrestagung der deutschen Versicherungswirtschaft in der kommenden Woche in Berlin, die wir auch via Twitter unter dem Hashtag #vt2018 spiegeln werden.

Deutsche Versicherer waren sicher nicht Hauptdarsteller der US-Finanzkrise

Das Thema ist zehn Jahre nach der Pleite der Investmentbank Lehmann Brothers und dem Beginn der Finanzkrise immer noch und schon wieder brandaktuell: „Wachstum versus Sicherheit: Wie viel Regulierung braucht das Land?" Und wie viel Regulierung braucht Europa? Wo liegt der richtige Mittelweg zwischen hinreichender Regulierung und notwendiger Freiheit?

Lehmann war vor allem eine Bankenkrise. Bis heute hat dies Folgen für die Regulierung des Finanzsektors, und zwar des gesamten Finanzsektors. Dabei möchte ich daran erinnern: Wir deutschen Versicherer waren sicher nicht Hauptdarsteller der US-Finanzkrise.

In der Versicherungsbranche assoziieren wir Regulierung unmittelbar mit Solvency II. Mein Fazit bald drei Jahre nach dem Start des europäischen Aufsichtsregimes: Aufwand und Kosten stehen häufig in keinem ausgewogenen Verhältnis zum Risiko. Die Anforderungen greifen unabhängig von der Solvenzlage und dem Risikoprofil des Unternehmens – Erleichterungen und Ausnahmen gibt es kaum. Dabei war das völlig anders gedacht: Explizit wurde im EU-Regelwerk etwa das Prinzip der Verhältnismäßigkeit (neudeutsch: Proportionalität) festgeschrieben, das risikoärmere Versicherer von Bürokratie entlasten soll.

Und als ginge es nur um Solvency II: Denken Sie auch an die Vermittler-Richtlinie IDD, die unsere Vertriebe betrifft, oder an die Regulierung im Bereich der Produktinformationen, die Datenschutzgrundverordnung und nun droht auch mit dem Aktionsplan der Europäischen Union in Sachen nachhaltige Kapitalanlage noch mehr Bürokratie. Unsere Branche setzt dabei auf eine freiwillige Verbreitung von Nachhaltigkeitskonzepten. Wir meinen: Grün allein reicht nicht aus – die Sicherheit der Beiträge unserer Kunden muss an erster Stelle stehen. Unsere Positionierung können Sie hier im Detail nachlesen.

Eine Evaluation des Regelwerks ist angezeigt

Fakt ist, die mehr oder weniger ununterbrochenen Regulierungswellen unterschiedlichster Ausrichtung zwingen die Unternehmen zum Einsatz ihrer Kräfte manchmal fernab von ihrem Kerngeschäft. Und wenn dann die europäische Aufsichtsbehörde EIOPA mehr oder weniger parallel zentrale Elemente von Solvency II zur Disposition stellt, obwohl die Dinge hier noch wahrlich weit davon entfernt sind, eingespielt zu sein, dann können Sie ahnen, welche Stimmung das in unseren Mitgliedsunternehmen auslöst. Eine Evaluation des Regelwerks ist angezeigt:  Was wirkt? Was arbeitet gegeneinander? Was ist reiner teurer Ballast? 

Ich bin gespannt und freue mich sehr auf die Diskussionen der Versicherungsbranche mit unseren Gästen.

Ihr

Jörg von Fürstenwerth

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